Gleichstellungsbericht: Vor allem zwei Zahlen zeigen, wie benachteiligt Frauen in Deutschland sind

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Familienministerin Barley stellte den ernüchternden Gleichstellungsbericht vor | getty
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  • Die Bundesregierung hat ihren Gleichstellungsbericht vorgestellt
  • Vor allem zwei Zahlen sollten uns Sorgen machen
  • 1. Frauen leisten 50 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer
  • 2. Frauen erhalten im Schnitt 53 Prozent weniger Rente als Männer

Nach vier Jahren Großer Koalition fällt die Bilanz bei der Gleichstellung von Frauen und Männern ernüchternd aus.

"Bei der Verteilung von Belastungen und Chancen zwischen den Geschlechtern geht es in unserer Gesellschaft immer noch ungerecht zu", sagte Familienministerin Katarina Barley (SPD) am Mittwoch zum neuen Gleichstellungsbericht.

"Frauen arbeiten oft mehr und bekommen dafür weniger", resümiert Barley. So weit, so bekannt.

Aber das ist nicht das einzige Problem, das sich der Bericht aufzeigt. Denn dem Bericht zufolge bezogen Frauen 2015 rund 53 Prozent weniger Rente als Männer. Damit sind Frauen deutlich häufiger von Altersarmut gefährdet als Männer. Das ist der eigentliche Skandal, den der Bericht aufdeckt.

Warum Frauen weniger in die Rentenkasse einzahlen, hat mehrere Gründe:

1. Der sogenannte Gender-Pay-Gap, sprich der Gehaltsunterschied bei Männern und Frauen. Frauen verdienen im Schnitt knapp 20 Prozent weniger als Männer.

Die Differenz erklären Experten damit, dass Frauen seltener in Führungspositionen, häufiger in Teilzeit und weniger lang in ihren Berufen arbeiten. Bei ähnlicher Qualifikation und ähnlichem Job verdienen Frauen im Durchschnitt sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Vor allem die Teilzeitarbeit und die Auszeiten für die Familie tragen zu dem hohen Pay-Gap bei. Auch hierzu liefert der Bericht der Bundesregierung zahlen:

2. Während 2014 rund 45 Prozent der Frauen in Teilzeit beschäftigt waren, waren es lediglich 9 Prozent der Männer.

3. Frauen leisten für Kinder, Haushalt, Pflege von Angehörigen und Ehrenamt täglich über 50 Prozent mehr unbezahlte Arbeit als Männer.

Frauen bringen pro Tag 87 Minuten mehr Zeit für diese unbezahlte Arbeit auf als Männer.

Altersarmut deutlich wahrscheinlicher für Frauen

Frauen, die durch die Mehrbelastung an unbezahlter Arbeit in die Teilzeit abgedrängt werden, haben später automatisch auch einen geringeren Anspruch auf Rente.

Daraus resultiert die massive Rentenlücke.

Mit ihrem Gleichstellungsbericht will die Bundesregierung einmal pro Legislaturperiode überprüfen, inwieweit die im Grundgesetz geforderte Gleichstellung der Geschlechter in Bildung und Erwerbsleben durchgesetzt ist.

Vorsichtig ausgedrückt könnte man sagen: Es gibt noch Luft nach oben.

(Mit Material der dpa)

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