Eine Frau postet ein Bikini-Foto - für ihre Follower ist es der Beweis, wie kaputt unsere Gesellschaft ist

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Der Sommer ist da und damit auch die unvermeidliche Diskussion um den perfekten Bikini-Body und die Angst vieler Frauen, denselben nicht vorweisen zu können.

Fragen wie “Sehe ich in meinem Bikini dick aus?”, “Verdeckt das Höschen meine Dehnungsstreifen?” oder “Wie werde ich am Bauch braun, ohne dass alle meine Speckröllchen sehen?” mindern den unbeschwerten Badespaß.

Immer mehr Frauen aber beschließen, sich von dem Gerede über den perfekten Bikini-Körper nicht einschüchtern zu lassen und posten Bilder von sich, die nicht so perfekt und gephotoshoppt sind wie in der Werbung.

Meistens geht es um "du-bist-schön-wie-du-bist"-Kommentare

Viele der Frauen, die sich als Aktivistinnen der Body-Positivity-Bewegung sehen und in vielen Fällen nicht der herkömmlichen Vorstellung makelloser Schönheit entsprechen, versprechen sich von solchen Postings mehr Akzeptanz und Toleranz dem eigenen Körper gegenüber.

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Natürlich geht es auch immer darum, ein bestimmtes Maß an Lob und an “du bist schön, so wie du bist”-Kommentaren zu bekommen.

Und das ist keineswegs verwerflich oder schlecht. Jeder von uns freut sich über Komplimente, sehr viele posten hin und wieder Fotos, um sich besser zu fühlen, um zu hören, wie toll sie aussieht, wie gut ihnen das neue Outfit oder der Haarschnitt steht. Männer sind davon übrigens keinesfalls ausgenommen.

Hazel: "Ich fühle mich gerade einfach nicht wohl"

Auch die Instagrammerin Hazel wollte einfach nur ein bisschen Zuspruch. Die junge Frau postete ein Bikinifoto und schrieb dazu, dass sie sich gerade in ihrem Körper nicht ganz wohl fühle, weil sie zugenommen habe.

Bikini Body. Two little words. Two horrid bloody words that threaten to ruin every woman's Summer. I'd been dreading sunbathing at VidCon. Quite frankly the thought of getting my flabby bits out in front of all my friends makes me feel a bit queasy. And this year especially, after weeks on set not watching what I eat and never once stepping foot inside a gym (not that I usually do but go with me here) I'm feeling particularly self conscious. So here it is. For all the world to see. Front on, no flattering angles and no fucking Facetune. My bikini body. My ass is a whole other story; fuller, heavier and a whole lot wobblier than it's been in a while. I don't really want to put that on insta. But this is a start. I feel a tad less queasy now 😊

Ein Beitrag geteilt von Hazel Hayes (@thehazelhayes) am

Sie habe Angst, auf die Pool-Party ihrer Freunde zu gehen, weil sie schon lange keinen Sport mehr gemacht habe und auch nicht auf ihre Ernährung geachtet habe.

Die Kommentare zeigen, wie kaputt unsere Gesellschaft ist

Eine hübsche junge Frau mit ähnlichen Selbstzweifeln, wie sie viele andere auch haben. Die zu äußern, ist ihr gutes Recht. Das sehen einige ihrer Follower allerdings anders.

"Wie kaputt ist diese Welt eigentlich, wenn du den Körper von einem Unterwäschemodel hast und trotzdem nicht zufrieden bist", schreibt ein User. “Ich werde dir nicht sagen, dass du eine falsche Meinung oder ein falsches Selbstbild hast. Ich finde du unterschätzt dich ein bisschen."

“Was für ein Schwindel. Ich glaub du suchst einfach nur Aufmerksamkeit, Hazel”, kommentiert ein anderer.

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Viele vergleichen sich beim Anblick des Fotos auch mit der Instagrammerin. “Du bist perfekt. Wenn ich dich anschaue, dann fühle ich mich total fett", schreibt eine Userin.

Auch ein Frauenmagazin verurteilt den Post

Auch ein österreichisches Frauenmagazin stellt Hazel an den Pranger. In dem Artikel schreibt das Medium:

"Und jetzt haben wir ein paar kritische Fragen:

1. Wenn wir eine Figur wie Hazel hätten, dann würden wir unseren Körper bei jeder sich bietenden Gelegenheit präsentieren.

2. Warum sind wir so abhängig von Bestätigung durch außen? Können wir nicht mal daran arbeiten, mit uns selbst glücklich und zufrieden zu sein, statt uns durch virtuellen Applaus das Selbstbewusstsein aufzumöbeln?"

Das wiederum wirft bei uns ein paar kritische Fragen auf:

1. Wieso kann man Hazel nicht einfach in Ruhe lassen? Wenn etwas kräftigere Frauen Fotos posten, werden ihr Mut und ihre Ehrlichkeit gelobt. Doch sobald eine etwas schlankere, durchtrainiertere Frau so ein Foto macht, weil auch sie sich manchmal nicht ganz toll fühlt, wird sie gerne dafür verurteilt. Das sollte nicht Sinn und Zweck der “Wir stehen zu unserem Körper und lieben uns so, wie wir sind”-Bewegung sein.

2. Jeder Mensch findet es schön, ein bisschen Bewunderung und Komplimente zu bekommen. Das Internet und Plattformen wie Instagram im Speziellen haben es leicht gemacht, sich diese Anerkennung zu holen. Jeder von uns hat das vermutlich schon mal ein hübsches Foto von sich selbst gepostet, mit genau dieser Absicht dahinter. Bestimmt auch die Kolleginnen aus dem Nachbarland.

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(lk)

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