Trumps neuester Nordkorea-Tweet zeigt, wie schnell der Konflikt eskalieren könnte

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Trumps neuester Nordkorea-Tweet könnte Krieg bedeuten | Getty
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  • Nach dem Tod des US-Studenten Otto Warmbier droht der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea zu eskalieren
  • Denn US-Präsident Trump sieht sich unter Druck von Hardlinern
  • Das zeigt sein neuester Tweet - der allerdings doppeldeutig formuliert ist

Es ist auf den ersten Blick ein harmloser Tweet, den Donald Trump gestern Abend absetzte - aber er könnte eine Kriegserklärung beinhalten.

Trump bedankte sich in der Kurznachricht beim chinesischen Präsidenten Xi Jinping für seine Versuche, in der Nordkorea-Krise zu vermitteln. "Es hat nicht geklappt. Wenigstens weiß ich, China hat es versucht!"

Die Tragweite des Tweets wird klar, wenn man Trumps Haltung kennt.

Bereits im April hatte er getwittert: "Nordkorea sucht Ärger. Wenn China beschließt zu helfen, wäre das toll. Wenn nicht, werden wir das Problem ohne sie lösen!"

Der Hintergrund für die aktuelle Kurznachricht des US-Präsidenten: Der Tod des US-Studenten Otto Warmbier, der nach einer fast zweijährigen Haft in Nordkorea, vergangene Woche in den USA starb.

In den USA ist inzwischen ein Streit darüber entbrannt, wie das Land auf den Tod von Warmbier reagieren muss.

Rechte Scharfmacher setzen Trump unter Druck. Sie fordern einen Militärschlag gegen Kim Jong-Un. Die Frage ist nun: Lässt sich Trump von ihnen beeinflussen?

Trumps Nachricht passt ins Bild - und sie ist kryptisch und besorgniserregend zugleich. Gerade jetzt, wo der Konflikt mit dem kommunistischen Regime zu eskalieren droht.

"Wenn es ihm (Trump, Anm. d. Red.) nicht gelingt, eine klare sichtbare Antwort zu geben, wird seine Glaubwürdigkeit leiden und er wird überall auf der Welt als schwach angesehen", betonte der Sicherheitsexperte Patrick Cronin von der Denkfabrik "Center for a New American Security" auf CNN.

Aus diesem Grund könne Trump nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Ex-General: "Hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir gegen Nordkorea in den Krieg ziehen müssen"

Bedeutet das nun tatsächlich einen Alleingang der USA, möglicherweise sogar Krieg?

"Auf beiden Seiten könnten die Gemüter erhitzen. Und plötzlich fühlen wir uns gezwungen, militärisch zu antworten", warnt David Gergen, der als Berater für die Präsidenten Ronald Reagan und Bill Clinton arbeitete.

Und glaubt man den Falken in Washington scheint das tatsächlich möglich:

So gebe es laut Ex-Air-Force-General Thomas McInerney "eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir dort in den Krieg ziehen müssen, falls China nicht einspringt", um Druck auf Nordkorea auszuüben. Für den Fall sieht McInerney keine Alternative zum militärischen Eingreifen.

Allerdings wolle das derzeit noch keiner.

Auch prominente Republikaner fordern eine harte Reaktion.

Der republikanische Senator Marco Rubio zum Beispiel will Vergeltung für Warmbiers Tod: "Nordkorea muss für diese Brutalität zur Verantwortung gezogen werden."

Noch aggressiver drohte der konservative Hardliner und "Fox News"-Kolumnist Todd Starnes. In einem Kommentar forderte er von Trump, Kim Jong-Un "eine unmissverständliche Botschaft zu schicken":

"Kommt ein weiterer amerikanischer Staatsbürger zu schaden, lassen die US-Streitkräfte ein Höllenfeuer auf dieses gottverlassene Ödland einer Nation niederregnen."

Eine weitere diskutierte Option, um gegen Nordkorea vorzugehen, sind Hackerangriffe.

Sicherheitsexperte Cronin empfiehlt, auf diese Weise nordkoreanische Militäranlagen außer Gefecht zu setzen: "Es könnte Attacken gegen Raketenabschussrampen geben, gegen das Kommando- und Kontrollzentrum, um Nordkorea ein Signal zu senden. Die Öffentlichkeit wird die Resultate nicht sehen, aber Kim Jong-Un."

Bedeutet Trumps Tweet von gestern Abend also, dass er kurz davor steht loszuschlagen?

Trumps Tweet lässt mehrere Interpretationen zu

Aus Sicht der US-Nachrichtenseite "Vox" ist Trumps Wortlaut zu ungenau, seine politischen Implikationen zu unklar, um eine eindeutige Aussage herauszulesen.

Allerdings könne er sich durchaus als Drohung interpretieren lassen: "Nämlich, dass die Diplomatie mit Nordkorea gescheitert ist und dass ein möglicher Militärschlag auf Kims Regime jetzt denkbar ist", schreibt "Vox".

In jedem Fall deutet Trumps Nachricht darauf hin, dass er nicht mehr an eine diplomatische Lösung durch China glaubt. Weder im Streit um Nordkoreas Atomprogramm noch bei der Aufklärung im Fall Warmbier.

Laut "Vox" ist zudem überhaupt nicht klar, ob Peking wirklich auf Pjöngjang einwirken kann und will. Zwar kritisiert China das totalitäre Regime immer öfter, doch bisher rückte Kim Jong-Un nicht von seinem Kurs ab.

China ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner für Nordkorea und könnte so leicht Sanktionen durchsetzen. Allerdings stieg im ersten Quartal 2017 der gemeinsame Handel.

Politologen sind sich einig: Warmbiers Tod hat eine Annäherung zwischen den USA und Nordkorea vorerst unmöglich gemacht. Zu aufgebracht ist die Stimmung nach dem Tod des 22-Jährigen.

"Ich glaube, das ist ein Rückschlag für ernsthafte Bemühungen um einen diplomatischen Dialog, bis das Ganze aufgeklärt ist", glaubt Bill Richardson, der wohl profilierteste Nordkorea-Experte in den USA.

Sicher ist: Was auch immer Trumps Intention war, er zündelt mit seinen Tweets. Nordkoreas Regierung ist abgeschottet. Unklar ist, wie Kim Jong-Un die Signale versteht.

In jedem Fall verdeutlicht die Kurzmitteilung des US-Präsidenten einmal mehr, wie er - und noch viel entscheidender - die einflussreichen Personen um ihn herum ticken. Beides lässt nichts Gutes erwarten.

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(ben)

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