Debatte um Antisemitismus: Warum bei "Maischberger" heute die Fetzen fliegen könnten

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MAISCHBERGER
Kann Sandra Maischberger der Diskussion Herrin werden? | Screenshot ARD
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  • Im ARD-Talk diskutieren Experten heute über die umstrittene Antisemitismus-Doku der öffentlich-rechtlichen Sender
  • Die Zusammenstellung der Gäste birgt Potenzial für eine hitzige Diskussion

Wortgefechte sind nichts ungewöhnliches in der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger. In der Sendung vom 21. Juni besteht jedoch ein besonders hohes Konfliktpotential. Denn die Studiogäste diskutieren über die umstrittene Antisemitismus-Dokumentation der öffentlich-rechtlichen Sender.

"Auserwählt und ausgegrenzt - Der Hass auf Juden in Europa", so der Titel der Doku, sorgte für Schlagzeilen nachdem der deutsch-französische Kultursender Arte sich dagegen entschieden hatte, den Film zu zeigen.

Und das obwohl die Produktion von Arte in Auftrag gegeben worden war. Nun wird die Dokumentation nach viel hin und her doch im Fernsehen gezeigt: Um 22:15 Uhr im Ersten und um 23 Uhr auf Arte.

WDR-Direktor muss Rede und Antwort stehen


Wieso genau der Film zurückgehalten wurde, wird WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn im Studio erklären müssen. Denn es war sein Sender, der von Arte mit der Doku beauftragt worden war und sich am Ende ebenfalls gegen die Ausstrahlung entschieden hatte.

Spannend ist außerdem, wie Michael Wolffsohn auf Schöneborn eingehen wird. Der deutsch-jüdische Historiker sprach sich auf Twitter wiederholt für die Ausstrahlung des Films aus.

Auch der palästinensisch-israelische Psychologe Ahmad Mansour, ebenfalls bei “Maischberger” zu Gast, befürwortet den Film. Mansour arbeitete in Israel an verschiedenen Projekten für das friedliche Zusammenleben zwischen Arabern und Juden mit und berät europäische Behörden bezüglich Antisemitismus und Islamophobie.

Pörzgen und Verleger sind gegen den Film


Gemma Pörzgen, die von 2004-2006 als Nahostkorrespondentin für mehrere deutsche Medien (u.a. “Frankfurter Rundschau”) tätig war, kritisierte den Film dagegen scharf. In einem Interview im Deutschlandfunk bemängelte sie vor allem die einseitige Berichterstattung:

“In Gaza tut man sich als Journalist natürlich sehr leicht, Antisemitismus zu finden, weil er natürlich da ist. Er ist Teil des palästinensischen Narrativs in diesem sehr aufgeheizten Konflikt. Aber wenn man auf der israelischen Seite gefragt hätte, hätte man auch dort sehr viel Hass gegen Palästinenser geerntet.”

Pörzgen, wie auch ihr Podiums-Kollege Rolf Verleger betonen immer wieder, dass Antisemitismus nicht gleichzusetzen sei mit einer Israel-kritischen Haltung. Verleger war von 2005 bis 2009 Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden.

Für bundesweites Aufsehen sorgte Verleger 2006 mit einer online-Petition für ein lebensfähiges Palästina an der Seite Israels, seine Kritik vertiefte er 2008 mit dem Buch "Der Irrweg Israels – eine jüdische Sicht“. Diese Stellungnahmen führten letztendlich zu seinem Ausscheiden aus dem Direktorium.

Unterstützung für den BDS?

Die linke Aktivistin Jutta Ditfurth warf den beiden unterdessen vor, den BDS zu unterstützen. "Boycott, Divestment, Sanctions" ist eine globale Bewegung, die sich dafür stark macht, den Staat Israel für seine Siedlungspolitik in Palästina mit wirtschaftlichen Sanktionen zu verhängen.

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(lp)

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