5 Gründe, warum ihr den neuen Kronprinzen Saudi-Arabiens kennen müsst - und warum er so gefährlich ist

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MOHAMMED BIN SALMAN
5 Gründe, warum ihr Mohammed bin Salman kennen müsst - und warum er so gefährlich ist | Faisal Al Nasser / Reuters
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  • Saudi-Arabien hat einen neuen Kronprinzen - und de facto einen neuen König
  • Mohammed bin Salman wird die Regierungsgeschäfte von seinem an Demenz leidenden Vater übernehmen
  • Der 31-Jährige spricht viel von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Liberalisierung - ist aber auch ein unbarmherziger Kriegstreiber

Saudi Arabien erlebt einen Herrscherwechsel, der die Welt alarmieren sollte.

Mit dem 31 Jahre alten Sohn Mohammed bin Salman hat das Land einen neuen Kronprinzen. Er gilt als bestens vernetzt in den USA, führte Verhandlungen mit Donald Trump, Wladimir Putin und Chinas Herrscher Xi Jinping. Und er will sein Land unabhängig vom Öl machen.

So weit, so harmlos.

Tatsächlich aber ist Mohammed bin Salman ein äußerst gefährlicher Mann, der das Pulverfass im Nahen Osten endgültig zur Explosion bringen könnte.

Hier sind 5 Dinge, die ihr über den zukünftigen Herrscher Saudi Arabiens wissen solltet.

1. Er plant den wohl ambitioniertesten Wirtschaftsumbau der Gegenwart

Mohammed bin Salman will sein Land grundlegend umbauen: Durch das Billionen-Projekt "Vision 2030" soll die Wirtschaft Saudi-Arabiens unabhängig vom Öl werden. Aktuell kommen 92 Prozent des Saudischen Staatsbudgets aus dem Verkauf von Öl.

Im Zuge dessen steht der 31-Jährige auch für eine vorsichtige Öffnung der saudi-arabischen Gesellschaft. Im Rahmen des Projekts sollen so auch Frauen im Land gefördert werden.

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(Ölfeld in Saudi Arabien. Foto: Getty)

"Innenpolitisch versucht sich Mohammed bin Salman als Reformer zu präsentieren", erklärt Sebastian Sons, Experte für Saudi-Arabien bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der HuffPost. "Aber: Die 'Vision 2030' verspricht ausschließlich eine wirtschaftliche Liberalisierung. Die Hoffnungen auf eine politische Öffnung sind verfrüht."

So habe es in Saudi-Arabien zuletzt mehr Todesurteile und politische Gefangene gegeben. "Der Westen sieht Mohammed bin Salman zu positiv. Das ist vor allem gutes Marketing, eine gute PR-Strategie", sagte Sons.

2. "Der gefährlichste Mann der Welt"

Bill Law, Nahost-Experte und Journalist beim "Independent", bezeichnete Mohammed bin Salman Anfang in einem seiner Artikel als den "gefährlichsten Mann der Welt".

Knapp ein Jahr zuvor, im März 2015, hatte bin Salman Saudi-Arabien als damaliger Verteidigungsminister in einen brutalen Krieg im Nachbarland Jemen gestürzt.

"Bisher war die Operation Decisive Storm alles andere als entschieden", schrieb Law im Januar 2016. "Der Krieg hat sich nahezu ein Jahr hingezogen und unendliches Leid für die Menschen im Jemen verursacht."

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(Bewaffnete im Jemen - der Krieg in dem Land tobt seit Jahren. Foto: Getty)

Das gilt auch heute noch: Der brutale Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen hat eine massive Hungerkatastrophe im Jemen ausgelöst.

Saudi-Arabien werden von Menschenrechtsorganisationen schwere Verbrechen gegen die jeminitische Zivilbevölkerung vorgeworfen. Davon unbeirrt überzieht bin Salman das verarmte und zerstörte Land weiterhin mit Bomben.

3. Der BND hat schon 2015 vor Mohammed bin Salman gewarnt

Vertraute schildern Mohammed bin Salmans als angriffslustig und impulsiv. Das sorgte im Dezember 2015 dafür, dass der Bundesnachrichtendienst ein Memorandum veröffentlichte, in dem er vor der destabilisierenden Rolle Saudi-Arabiens in der arabischen Welt warnte.

"Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie wird durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt", schrieben die BND-Analysten. Es bestehe die Gefahr, dass bin Salman "die Beziehungen zu befreundeten und vor allem alliierten Staaten der Region überstrapaziert".

Mit dem Militäreinsatz im Jemen wolle Saudi-Arabien beweisen, dass es bereit sei, beispiellose "militärische, finanzielle und politische Risiken einzugehen, um regionalpolitisch nicht ins Hintertreffen zu geraten."

4. Bin Salman führt einen Schattenkrieg mit dem Iran

Mohammed bin Salman "will sich und Saudi-Arabien als unangefochtenen Führer im Golf-Kooperationsrat und in der arabischen Welt präsentieren", sagt Experte Sons der HuffPost. Der harte Kurs des Landes gegen den Iran sei so auch ihm geschuldet - das zeige nicht nur der Stellvertreterkrieg im Jemen, sondern auch die Katar-Krise.

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"Der aufmüpfige Nachbar Katar und der Rivale Iran sollen in die Schranken gewiesen werden", sagte Sons der HuffPost. Unter Mohammed bin Salman habe es deshalb eine "Abkehr von der saudi-arabischen Scheckbuch-Diplomatie, hin zu einer aggressiven Außenpolitik" gegeben.

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(Das Emirat Katar wird seit Wochen von den umliegenden Staaten boykottiert. Foto: Getty)

Sons schränkt aber auch ein: Ein offener Konflikt mit dem Iran sei zwar nicht auszuschließen, aber auch nicht zu erwarten. Saudi-Arabien sei "bis an die Zähne bewaffnet, aber von der Truppenstärke und bei der Kampferfahrung dem Iran unterlegen".

Einen Krieg mit dem Iran würde das Land höchstens mit Unterstützung der USA wagen - "aber ich glaube nicht, dass die dazu bereit sind."

Tatsächlich sagte bin Salman in einem Interview mit dem "Economist", ein offener Krieg zwischen Saudi Arabien und dem Iran wäre "der Beginn einer großen Katastrophe in der gesamten Region" und zu vermeiden.

5. Bin Salman ist für den Westen und die Weltgemeinschaft schwer ausrechenbar

Es ist fraglich, ob diesen Worten zu trauen ist. Mohammed bin Salmans Machtergreifung in Saudi-Arabien hat einen blinden Fleck auf der Karte des Nahen Ostens geschaffen.

"Der Aufstieg des Prinzen hat jahrzehntelange Traditionen der Königsfamilie zerschmettert", schrieb die "New York Times" schon vor bin Salmans Ernennung zum Kronprinzen.

"Noch nie in der saudischen Geschichte hat ein stellvertretender Kronprinz so viel Macht gehabt."

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(bin Salman mit US-Präsident Donald Trump. Foto: Getty)

Das stellt den Westen und die Weltgemeinschaft vor ein Problem: Wie sollen sie Saudi-Arabien in Zukunft begegnen?

Die zwei Jahre, in denen Mohammed bin Salman seinen Vater aktiv vertreten hat, haben vor allem eines gezeigt: Der Kronprinz und zukünftige Herrscher ist in seinen politischen Entscheidungen launisch und unbeständig. Und ein Kriegstreiber.

"Außenpolitisch ist Mohammed bin Salman relativ unerfahren", sagt Experte Sons. "Er will eine stärkere Rolle für Saudi-Arabien, präsentiert sich aggressiv. Aber er ist unberechenbarer als die ältere Generation der Herrscher in Saudi-Arabien."

Und das wird dramatische Folgen haben. Für den Nahen Osten - und die ganze Welt.

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