Terror-Experte verrät bei "Hart aber Fair", was Politiker und Polizisten sich nicht zu sagen trauen

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HART ABER FAIR
ARD
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Erst krachte ein Mann in London mit einem Fahrzeug vor einer Moschee in eine Gruppe Muslime. Dann explodierte in Paris das Auto eines polizeibekannten Islamisten.

Der Montag hat exemplarisch gezeigt, wie akut die Terrorgefahr in den europäischen Großstädten dieser Tage ist.

Und wie schon so oft fragen sich die Menschen: "Was kann die Politik eigentlich noch tun, um uns zu schützen?“ Und: "Gehört die Angst jetzt einfach zum Leben dazu?“

Ebendas wollte auch ARD-Talkmaster Frank Plasberg in seiner Sendung ergründen. Über das Thema diskutierten bei "Hart aber Fair“:

Thomas Strobl (CDU-Innenminister des Landes Baden-Württemberg)

Lamya Kaddor (Organisatorin des Friedensmarsches der Muslime in Köln)

Georg Mascolo (Journalist)

Julia Schmitz (überlebte 2015 den Anschlag im „Bataclan" in Paris)

Dietmar Heubrock (Rechtspsychologe)

Heubrock: "Das hört sich gruselig an – und das ist es auch“

Und Heubrock legte gleich mit einer beunruhigenden Diagnose los. Der Rechtspsychologe beschäftigt sich seit Jahren mit den Folgen des Terrors – und den Möglichkeiten gegen diesen vorzugehen.

Heubrock glaube, dass Terroristen schon bald gezielt Frauen und Kinder einsetzen würden, um Anschläge zu begehen. "Das hört sich gruselig an – und das ist es auch“, erklärte er.

Experimente hätten gezeigt, dass Sicherheitskräfte auf diese neue Art des Terrors nicht vorbereitet seien. Frauen seien bei Tests mit einer Bombenattrappe und teils echtem Sprengstoff leicht durch Sicherheitskontrollen gekommen, berichtete Heubrock.

"Im internationalen Raum haben wir das auch schon gehabt, dass behinderte Menschen oder Kinder eingeschleust worden sind, wo sogar Neugeborene benutzt worden sind. Die Sicherheitskräfte müssen sich darauf vorbereiten!“

Der Experte richtet sich an den baden-württembergischen Innenminister Strobl. Aus Baden-Württemberg habe ihm der Leiter des Einsatztrainings geschrieben, erzählt der Rechtspsychologe.

Polizei hat Angst, das Problem zu benennen

Der Polizei-Ausbilder habe berichtet: "In Polizeikreisen haben wir das Problem erkannt, aber wir haben uns nicht getraut, laut darüber zu sprechen, weil nicht klar ist, wie das in der Bevölkerung und in der Politik ankommt'.“

Auch Strobl weiß, dass das ein "unangenehmes“ Thema ist. Doch auch die Politiker seien sich bewusst darüber, dass Terroristen Kinder und Jugendliche missbrauchen würden.

Ihn ärgert der mediale Umgang mit dem Thema. "Als der bayerische Kollege Hermann und ich vor einigen Wochen gesagt haben, da müssen unsere Sicherheitsbehörden auch ein Auge drauf haben, hat es gleich eine erregte Diskussion gegeben“, kritisiert Strobl.

Dass der CDU-Mann dann für Besonnenheit und gegen Panik plädiert, ist fast ein bisschen paradox. Denn für Besonnenheit sorgen in Plasbergs Runde andere.

Kaddor: "Der Geist auf unserer Demo war wunderbar"

Etwa ARD-Journalist Mascolo, der betont, es gebe zwar "keine Bürgerpflicht zum Stoizismus“ – die Unruhe vieler Bürger aber für falsch hält. Zur Kritik an schwer bewaffneten Polizisten bei Großveranstaltungen sagte der Terror-Experte, man müsse aufpassen, nicht immer "alles zu kritisieren, was da passiert“.

Am Ende waren sich – und das ist für "Hart aber Fair“ unüblich – eigentlich alle am Tisch einig. Sogar Kaddor, die sich nach ihrer schwach besuchten Muslimen-Demo am Wochenende viel Kritik anhören musste, geriet nicht in die Defensive.

Niemand könne zum Demonstrieren gezwungen werden, sprang ihr Mascolo zur Seite. Kaddor verteidigte sich: "Der Geist auf dieser Demo war wunderbar – und ich lasse mir das ungerne kaputtreden.“

Statt bis zu 10.000 Menschen, die angekündigt waren, waren am Wochenende in Köln nur mehrere hundert Muslime gegen Hass und Gewalt auf die Straße gegangen.

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(poc)