Wohlfahrtsverband schlägt Alarm: "Großen Teilen der Bevölkerung droht der Abstieg"

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Wohlfahrtsverband schlägt Alarm: "Großen Teilen der Bevölkerung droht der Abstieg" (Symbolbild) | jax10289 via Getty Images
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  • Der Paritätische Gesamtverband warnt davor, dass sich Deutschland von den Werten der sozialen Marktwirtschaft entferne
  • Die Ungleichheit nehme zu, Aufstiegschancen würden blockiert, sagte der Verbandsvorsitzende Rosenbrock

Deutschland entfernt sich aus Sicht des Paritätischen Gesamtverbands immer weiter von den Werten der sozialen Marktwirtschaft. Millionen Menschen würden unter Armut leiden, Ungleichheit und blockierte Aufstiegschancen den gesellschaftlichen Zusammenhalt untergraben, sagte der Verbandsvorsitzende Rolf Rosenbrock am Dienstag in Berlin.

"Für große Teile der Bevölkerung droht die Abstiegsgesellschaft", sagte er.

In seinem Jahresgutachten weist der Paritätische Gesamtverband auf folgende Entwicklungen hin:

Der Anteil der Menschen, die trotz Arbeit arm seien, sei auf fast zehn Prozent gestiegen.

Zwischen 1998 und 2013 hätten nur die obersten zehn Prozent der Haushalte ihren Anteil am Vermögen ausweiten können, nämlich von 45 auf 52 Prozent.

2,5 Millionen Kinder und Jugendliche seien arm. Der Paritätische Gesamtverband bezieht sich dabei auf eine offizielle Statistik, die die Betroffenen allerdings lediglich als von Armut gefährdet einstuft. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verdient.

Besonders Mädchen werde ein höherer Abschluss verwehrt

Armut führe bei Minderjährigen oft zum Besuch einer niedrigeren Schulart - auch weil Eltern höhere Kosten im Fall eines Abiturs scheuten, sagte Rosenbrock weiter. Insbesondere Mädchen werde ein höherer Abschluss deshalb oft verwehrt. "Da tritt ein sehr altes Muster wieder zutage", sagte Rosenbrock.

Nötig seien unter anderem mehr Geld für die Bildung vor allem von Benachteiligten, öffentlich geförderte Arbeitsplätze, eine Stärkung des Arbeitslosengeldes, so dass Arbeitslose weniger schnell in Hartz IV fielen. Dafür müssten eine Vermögenssteuer eingeführt und die Erbschaftssteuer ertragreicher ausgestaltet werden.

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(poc)