Nach dem Tod von US-Student Warmbier: Eskaliert jetzt der Konflikt zwischen USA und Nordkorea?

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WARMBIER
Der US-Student Otto Warmbier ist ein Spiegelbild des Nordkorea-Konflikts - genau deshalb droht nach seinem Tod eine Eskalation | KYODO Kyodo / Reuters
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Eine dumme Idee hat Otto Warmbier wohl das Leben gekostet - und sie könnte jetzt zu einem militärischen Konflikt zwischen den USA und Nordkorea führen.

Der US-Student Warmbier war über Silvester 2015 für wenige Tage als Tourist nach Nordkorea gereist - doch das Land sollte er nie wieder gesund verlassen. Denn kurz vor dem Rückflug wurde der 22-Jährige festgenommen. Er soll versucht haben, in einem Hotel ein Propaganda-Poster zu stehlen.

In einem Schauprozess wertete die kommunistische Führung das Vergehen als Straftat gegen den nordkoreanischen Staat. Die drakonische Strafe: 15 Jahren Straflager.

Über ein Jahr verloren die US-Behörden den Kontakt zu Warmbier. Vor einer Woche wurde klar, warum: Bereits seit 15 Monaten befand sich der Student in einem kritischen Gesundheitszustand. Vermutlich deshalb ließ ihn Nordkorea aus "humanitären Gründen" frei.

Am Montag ist Warmbier in den USA an den Folgen einer Gehirnverletzung gestorben - und alle Welt fragt sich, wie US-Präsident Donald Trump jetzt reagieren wird.

Denn Warmbier geriet mitten hinein in den Konflikt zwischen dem kommunistischen Regime und den USA. Seine tragische und seltsame Geschichte erzählt viel über das angespannte Verhältnis zwischen den beiden Ländern - und sie taugt zum Agententhriller, der eine militärische Eskalation auslösen könnte.

Fünf Fragen, die sich nach dem Tod des US-Studenten stellen:

1. Was führte zum Tod des Studenten?

Was nach dem Schauprozess im März 2016 mit Warmbier passierte, ist nicht ganz klar. Insbesondere ist noch nicht geklärt, woher die gesundheitlichen Schäden rührten. Der 22-Jährige hatte in Nordkorea nach Darstellung von Ärzten schwere Hirnschäden erlitten und war im Wachkoma liegend in die USA zurückgebracht worden.

Die Führung in Pjöngjang hatte US-Diplomaten gegenüber angegeben, Warmbier sei in der Haft in Nordkorea an Botulismus erkrankt - einer schweren Nahrungsmittelvergiftung. Er habe eine Schlaftablette eingenommen und sei nicht mehr aufgewacht.

Allerdings zweifelt die US-Seite diese Darstellung an. Nach Meinung von Medizinern könnten die Schädigungen im Hirn von einem Sauerstoffentzug stammen. Hinweise auf ein Trauma, etwa durch Schläge auf den Kopf, hätten sich zunächst nicht gefunden.

2. War es ein politischer Mord?

Die Eltern weisen die Schuld am Tod ihres Sohnes direkt Nordkorea zu. "Leider ließen die furchtbaren, qualvollen Misshandlungen unseres Sohnes durch die Nordkoreaner keinen anderen Ausgang zu als den traurigen, der sich heute ereignet hat", heißt es in einer Stellungnahme von Fred und Cindy Warmbier .

Schon zuvor hatte Vater Fred Nordkorea einen "terroristischen Schurkenstaat" genannt.

Der republikanische Senator Marco Rubio sprach direkt von Mord: "Otto Warmbier hätte niemals im Gefängnis sein dürfen, weil er ein dummes Banner abgerissen hat. Und er hätte mit Sicherheit nicht dafür ermordet werden dürfen", twitterte er.

3. Missbraucht Nordkorea US-Bürger als Faustpfand?

Das kommunistische Regime unter Diktator Kim Jong-un versucht mit politischen Gefangenen Zugeständnisse von den USA im Streit um sein Atomprogramm zu erzwingen.

Das US-Außenministerium bemüht sich, weitere US-Bürger in nordkoreanischer Haft freizubekommen. Nach Ministeriumsangaben befinden sich derzeit noch drei weitere Amerikaner in einem Gefängnis des kommunistischen Lands.

Die US-Behörden raten ihren Bürgern dringend von Reisen nach Nordkorea ab. In dem Land würden drakonische Strafen für Dinge verhängt, die in den USA nicht als Straftaten bekannt sind, sagte eine Sprecherin von US-Außenminister Rex Tillerson in der vergangenen Woche.

4. Droht nun eine Eskalation des Konflikts?

Sicher ist: US-Präsident Donald Trump reagierte umgehend auf die Nachricht von Warmbiers Tod. Er macht Nordkorea für den Tod des Studenten verantwortlich. "Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Neue die Brutalität des nordkoreanischen Regimes, während wir dessen jüngstes Opfer betrauern", heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Den Eltern sprach Trump sein Mitgefühl aus.

Bereits seit Monaten lodert der Konflikt zwischen den USA und dem kommunistischen Regime. Bislang schlugen jegliche Versuche Washingtons fehl, auf das abgeschottete Land einzuwirken. Diktator Kim Jong-un droht nach wie vor mit dem Einsatz von Nuklearwaffen.

Nun könnte der Tod von Warmbier die Politiker in Washington unter Zugzwang setzen.

"Falls es je so etwas wie einen Weckruf gegeben hat, dann war das Ottos Tod", erklärte der Asien-Experte Bruce Klingner dem Nachrichtensender "CNN".

Der republikanische Senator und ehemalige Präsidentschaftsbewerber John McCain forderte Konsequenzen: "Die Vereinigten Staaten können nicht und dürfen nicht zulassen, dass die eigenen Leute von fremden Mächten ermordet werden", machte McCain in einer Erklärung klar.

Noch weiter geht Senator Rubio. Er fordert in einem Tweet Vergeltung: "Nordkorea muss für diese Brutalität zur Verantwortung gezogen werden."

Laut Ex-Air-Force-General Thomas McInerney gebe es gar "eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir dort in den Krieg ziehen müssen", falls China nicht einspringe, um Druck auf Nordkorea auszuüben. Andernfalls sieht McInerney keine Alternative zum militärischen Eingreifen, das derzeit keiner wolle.

5. Welche Rolle spielt China im Konflikt?

Wie Amtsvorgänger Barack Obama versucht auch Trump über Peking auf Nordkorea einzuwirken. China ist einer der wenigen verbleibenden Verbündeten des Landes, allerdings hatte sich zuletzt Kim Jong-un vom nördlichen Nachbarn distanziert.

Bereits im April hatte Trump getwittert: "Nordkorea sucht Ärger. Wenn China beschließt zu helfen, wäre das toll. Wenn nicht, werden wir das Problem ohne sie lösen!"

Deshalb könnte ein Treffen von Spitzenvertretern der USA und Chinas am Mittwoch bereits Klarheit über die künftige Politik der beiden Weltmächte gegenüber Nordkorea geben.

Einerseits könnten die USA ihre Sanktionen gegen das Land noch weiter verschärfen, sagte der Ex-US-Verteidigungsminister Leon Panetta.

Er versprach sich auch Hilfe von China, um herauszufinden, was mit Warmbier während dessen Haft geschah.

(Mit Material der dpa)

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