NACHRICHTEN
20/06/2017 07:27 CEST | Aktualisiert 20/06/2017 08:37 CEST

US-Student starb nach Haft in Nordkorea: Jetzt droht eine politische Eskalation

KYODO Kyodo / Reuters
Otto Frederick Warmbier ist tot.

  • Nach dem tragischen Tod des US-Studenten Otto Warmbier fordern Politiker nun eine härterer Linie gegenüber Nordkorea

  • Für den bekannten Republikaner John McCain war Warmbiers Tod schlicht Mord

  • Ein Experte glaubt an einen Wendepunkt der US-Politik bezüglich Nordkorea

Der erst kürzlich nach 17-monatiger Haft in Nordkorea heimgekehrte US-Student Otto Warmbier ist tot. Und Washington geht hart mit Pjöngjang ins Gericht.

Für US-Präsident Donald Trump ist klar: Nordkorea ist für den Tod Warmbiers verantwortlich. "Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Neue die Brutalität des nordkoreanischen Regimes, während wir dessen jüngstes Opfer betrauern", heißt es in einer Mitteilung des Weißen Hauses."

Politik-Beobachter rechnen damit, dass die USA nun verstärkt Druck auf China ausüben wird, die Unterstützung Nordkoreas zurückzufahren. Das Land ist einer der wenigen verbleibenden Verbündeten des Regimes in Nordkorea.

Erfolglose Nordkorea-Politik

Donald Trump und sein Vorgänger Obama versuchten jeweils, über Peking auf das abgeschottete Land einzuwirken. Doch meist war das vergeblich, die Kim-Diktatur hielt trotzdem an seinen Plänen fest, Nuklearwaffen herzustellen.

Doch der Tod von Otto Warmbier könnte nun die Washingtoner Politiker in Zugzwang versetzen. "Falls es je so etwas wie einen Weckruf gegeben hat, dann war das Ottos Tod", sagte der Asien-Experte Bruce Klingner zum Nachrichtensender "CNN".

Wie zuvor Barack Obama habe Trump zwar in seiner Wortwahl stets Härte gegenüber dem Regime signalisiert. Doch den starken Worten seien meist keine Taten gefolgt, bemängelte Klingner.

Das könnte sich nun nach dem tragischen Todesfall ändern, argumentiert der Experte. So könnten die USA in Zukunft von China eine rigidere Umsetzung der bestehenden Sanktionen gegen das Kim-Land verlangen.

Für John McCain war Warmbiers Tod ein Mord

Bereits werden Stimmen aus dem US-Parlament laut, die mehr Härte von Trump gegenüber Nordkorea fordern. Der republikanische Senator und ehemalige Präsidentschaftsbewerber John McCain rief die USA zu einer klaren Linie auf.

"Die Vereinigten Staaten können nicht und dürfen nicht zulassen, dass die eigenen Leute von fremden Mächten ermordet werden", machte Cain in einer Erklärung klar. Der Republikaner wies zudem darauf hin, dass sich drei weitere US-Amerikaner derzeit in Nordkorea in Haft befänden.

Alle Augen Richten sich darauf, wie Washington über Peking versuchen wird, die Nordkoreaner in die Schranken zu weisen. Bereits diesen Mittwoch könnte es soweit sein: Spitzenvertreter der USA und Chinas treffen sich in Washington. Die Forderungen aus dem Polit-Establishment in Washington sind auch in Hinblick dieses Treffens zu sehen.

Leon Panetta, der Verteidigungsminister unter Obama war, sagte, die USA hätten bereits Sanktionen gegenüber Nordkorea erlassen. Doch diese könnte man jetzt noch härter durchsetzen. Und so Pjöngjang in die Schranken weisen.

Gegenüber CNN verlange Panetta, auch China müsse nun dabei helfen, herauszufinden, was mit Warmbier während dessen Haft geschah.

Denn das ist weiter unklar. Woher die gesundheitlichen Schäden rührten, ist bisher nicht abschließend geklärt. Die Führung in Pjöngjang hatte US-Diplomaten gegenüber angegeben, Warmbier sei in der Haft in Nordkorea an Botulismus erkrankt - einer schweren Nahrungsmittelvergiftung. Er habe eine Schlaftablette eingenommen und sei nicht mehr aufgewacht.

Die US-Seite zweifelt diese Darstellung an. Nach Meinung von Medizinern könnten die Schädigungen im Hirn von einem Sauerstoffentzug stammen. Hinweise auf ein Trauma, etwa durch Schläge auf den Kopf, hätten sich zunächst nicht gefunden.

Mit Material der dpa

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lp)

Sponsored by Trentino