Israels Ministerpräsident Netanjahu teilt ein Foto - es könnte den Nahost-Konflikt gefährlich anheizen

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Ein Bagger und ein Kran stehen vor einem Feld. Mehrere Männer beobachten die Arbeit auf dem trockenen Schutt. Die Szene, von der der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein Foto bei Twitter veröffentlichte, wirkt unspektakulär.

Doch das Foto könnte eine explosive Wirkung entfalten. Denn es zeigt die Baumaßnahmen für künftige israelische Siedlungen auf palästinensischem Gebiet. Seit Jahren gibt es Streit um die Region.

Erstmals seit 25 Jahren hat Israel mit dem Bau einer ganz neuen Siedlung im Westjordanland begonnen. "Heute haben die Bauarbeiten vor Ort angefangen, wie ich es versprochen habe, für die Errichtung einer neuen Siedlung für die Einwohner von Amona“, schrieb Netanjahu zum Twitterfoto.

"Nach Jahrzehnten habe ich die Ehre, der Regierungschef zu sein, der eine neue Siedlung in Judäa und Samaria (Westjordanland) baut“, schrieb Netanjahu zu dem Foto.

Erste neue Siedlung seit 25 Jahren

Es ist das erste Mal seit einem Vierteljahrhundert und seit Beginn des Friedensprozesses mit den Palästinensern, dass Israel offiziell eine neue Siedlung im Westjordanland gründet. Bisher wurden vor allem bestehende Siedlungen ausgebaut.
Israels Sicherheitskabinett hatte den Bau der neuen Siedlung nordöstlich von Ramallah Ende März gebilligt.

Dies löste damals scharfe internationale Proteste aus. In der neuen Ortschaft sollen die Einwohner des Anfang Februar geräumten Siedlungs-Außenpostens Amona leben. Damals mussten 40 Familien ihre mobilen Häuser verlassen.

Israel hatte während des Sechstagekriegs 1967 unter anderem das Westjordanland sowie den arabischen Ostteil Jerusalems erobert.

Die Palästinenser beanspruchen diese Gebiete allerdings für einen künftigen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt, ihr Ziel ist die Zwei-Staaten-Lösung. In den vergangenen Tagen haben die Konflikte zwischen Israelis und Palästina wieder zugenommen.

Israel hat dem Gazastreifen ab Montag sogar den Strom abgedreht – im Streit um die im Westjordanland ansässige Palästinensischen Autonomiebehörde und die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas.

Am vergangenen Freitag töteten drei palästinensische Angreifer in Jerusalem eine israelische Polizistin. Ein Sprecher der im Gazastreifen herrschenden Hamas sprach von einem "heldenhaften Angriff".

Mittlerweile leben im Westjordanland und Ost-Jerusalem rund 600.000 israelische Siedler. "Es gab noch keine Regierung, die besser für die Siedlungsbewegung war als unsere, und es wird auch keine geben“, schrieb Netanjahu bei Twitter.

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(mf)

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