Hantavirus breitet sich aus - welche Regionen besonders betroffen sind

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  • Vor allem Nagetiere wie die Rötelmaus übertragen Hantaviren
  • So erkennt ihr die Krankheit und könnt euch schützen
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr zusammengefasst auch im Video oben

Der gefährliche Hantavirus breitet sich aus: In diesem Jahr sei die Zahl der Infektionen so hoch wie schon lange nicht mehr, sagt Detlev Krüger vom Konsiliarlabor für Hantaviren an der Charité in Berlin. Er rechnet bundesweit mit 2000 bis 3000 Fällen bis zum Jahresende.

In Baden-Württemberg wurden seit Jahresbeginn bereits über 450 Fälle gemeldet, weit mehr als im vergangenen Jahr in ganz Deutschland. Bis Mitte Mai hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) 607 Hanta-Infektionen aus ganz Deutschland registriert.

Damit zeichne sich ab, dass 2017 ein "Hantajahr" werde, sagte die baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne).

Doch die Zahl der Infizierten schwankt von Jahr zu Jahr stark. 2016 registrierte das RKI 282 Erkrankte, 2012 waren es 2825. Das ist der bisherige Höchststand. Dieser könnte in diesem Jahr übertroffen werden.

Darum breitet sich das Hantavirus derzeit so stark aus

Schuld sollen unter anderem die Buchen sein. Sie lieferten den Mäusen vergangenen Herbst ein Nahrungsüberangebot an Bucheckern, somit konnten sich die Nager stark vermehren.

Da Nagetiere und Spitzmäuse Wirte für die Hantaviren sein können, breitet sich die Krankheit gemeinsam mit den Mäusen aus.

→ Hantavirus: Der Name des Virus leitet sich vom koreanischen Grenzfluss Hantan ab. Während des Korea-Krieges erkrankten dort Anfang der 1950er Jahre mehr als 3000 Soldaten an dem Virus.

Wo ist der Hantavirus in Deutschland?

In Deutschland ist es aber vor allem die Rötelmaus, die den Erreger überträgt. Diese Art bleibt bevorzugt in einer Region wie Erbgutanalysen gezeigt haben, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt. Baden-Württemberg gehört den Angaben zufolge deshalb zu den Hauptverbreitungsgebieten in Deutschland.

Doch auch im Raum Osnabrück, im Odenwald, Oberschwaben, in der Fränkischen Alb und im Bayerischen Wald sollen Menschen, die sich im Freien aufhalten, besonders vorsichtig sein.

Warum der Hantavirus nicht immer erkannt wird

Je nach Erregertyp kann die Krankheit beim Menschen unterschiedlich schwer verlaufen. Die in Mitteleuropa kursierenden Hantavirus-Typen werden nur selten lebensgefährlich. 90 Prozent der Infektionen würden gar nicht erst bemerkt oder mit anderen Krankheiten verwechselt, sagt Krüger.

Wegen des geringen Bekanntheitsgrades von Hantavirus-Infektionen in Europa wird die Erkrankung teilweise sogar mit Blinddarm- und mit Leberentzündung verwechselt. Manchmal wird sie als "Nierenversagen unklarer Herkunft" oder schwere Grippe diagnostiziert.

Was sind die Symptome?

Wer über einen Zeitraum von mehr als drei Tagen grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber über 38 Grad aufweist, könnte sich mit dem Hantavirus vom Typ Puumala angesteckt haben.

Typischerweise leiden die Patienten auch unter Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit und eventuell unter einer Bindehautentzündung. Auch Blut im Urin kann ein Symptom für eine Hantavirus-Infektion darstellen.

Ein schwerer Verlauf ist das seltene "Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom" (HFRS). Dieses kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Nierenfunktion gestört ist oder die Nieren akut versagen.

Außerdem ist die Leber vergrößert. In Ausnahmefällen kann es dabei zu einer lebensbedrohlichen Blutungsneigung kommen.

Die Todesrate schätzt Krüger in Deutschland auf unter 0,1 Prozent, "weil die Virustypen hier vergleichsweise harmlos sind, und die medizinische Versorgung so gut ist".

In Brasilien kursieren hingegen gefährlichere Virustypen, dort liege die Todesrate unter den Erkrankten bei 50 Prozent. "Dort ist das ein Killer", sagt Krüger.

Wie ihr euch anstecken könnt?

Wer den Keller fegt oder die Gartenlaube, wirbelt auch die Hinterlassenschaften von Mäusen auf. Das ist aber nicht nur unangenehm, sondern kann in diesem Jahr auch ein unterschätztes Gesundheitsrisiko sein.

Denn mit dem Hantavirus infizierte Nagetiere scheiden die Erreger in ihrem Speichel, im Urin und Kot aus. Wirbelt man diese Ausscheidungen mit dem Staub auf, kann sich ein Mensch mit dem Hantavirus anstecken, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Nagetiere zählen zu den wichtigsten Wirten der Hantaviren, die Menschen gefährlich werden können. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch oder eine Ansteckung über Haustiere und Insekten findet Experten zufolge wahrscheinlich nicht statt.

Wie ihr eine Infektion mit dem Hantavirus am besten verhindert

Das Robert-Koch-Institut rät zur Vorbeugung der Krankheit außerdem, für ausreichend Belüftung in lange nicht genutzten Räumen zu sorgen und beim Putzen einen Atemschutz zu tragen.

Ihr solltet mit feuchten Tüchern putzen, um keinen Staub aufzuwirbeln, die Kotreste mit Desinfektionsmittel besprühen und euch nach dem Putzen gründlich die Hände waschen.

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