Trumps Ghostwriter sagte vieles über den Präsidenten voraus - seine größte Angst ist noch nicht eingetroffen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP
Der Ghostwriter von Trump sah vieles von dessen Präsidentschaft kommen - hoffentlich erfüllt sich seine größte Angst nicht | Getty
Drucken

Tom Schwartz ist der Mann, der "das Monster" erschaffen hat, wie er selbst sagt.

Er ist der Mann, der Donald Trumps Image mit am meisten geprägt hat. Denn Schwartz schrieb vor 30 Jahren als Ghostwriter die Memoiren des damaligen Immobilienmoguls und heutigen US-Präsidenten.

"The Art of the Deal" wurde zu einem phänomenalen Erfolg. Doch je populärer Trump wurde, desto unwohler wurde Schwartz.

"Ich fühle mich schuldig. Ich fühle, dass ich dabei geholfen habe, einen sehr gefährlichen Menschen zu erschaffen", erklärte Schwartz der "Welt" unmittelbar vor der US-Wahl.

Zugleich offenbarte der Autor erstaunliche Weitsicht - denn vier Vorhersagen über die Präsidentschaft Trump haben sich bewahrheitet. Allerdings bleibt zu hoffen, dass sich Schwartz' fünfte und schlimmste Angst nicht bewahrheitet.

1. Trumps Unkonzentriertheit bringt ihn in Schwierigkeiten

Schwartz begleitete Trump für seine Recherchen fast überall hin - über anderthalb Jahre lang. Dabei erlebte er Trump als jemanden, der sich kaum länger als wenige Minuten mit einem Thema beschäftigen konnte. "Wie ein Kindergartenkind, dass im Klassenraum nicht stillsitzen kann", erinnerte sich der Autor im Juli 2016 im US-Magazin "The New Yorker" an den späteren US-Präsidenten.

In dem Artikel kündigte er an, dass Trumps geringe Aufmerksamkeitsspanne für "ein fassungslos machendes Niveau von oberflächlichen Kenntnissen und deutliche Ignoranz" in der Politik sorgen wird.

Unzählige peinliche Auftritte nach dem Amtsantritt von Trump geben ihm Recht:

So gratulierte Trump Kanzlerin Angela Merkel bereits im März zum Wahlsieg
Verwechselte Donald Tusk mit Jean-Claude-Juncker
Schrieb banale Sätze in das Gästebuch des Holocaust-Mahnmals Yad Vashem
Und rühmte sich zuletzt sogar für den Bau des Panamakanals

Besonders zynisch: Als die USA Anfang April das erste Mal direkt syrische Truppen attackierten, saß Trump noch beim Dessert. Er sei sitzen geblieben, weil der Schokoladenkuchen so gut gewesen sei.

2. Trumps Lügen helfen ihm

Trump bezeichnete sich laut Schwartz selbst als "strategischen Lügner" - ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Da die meisten Menschen "von der Wahrheit eingeschränkt" sind, gebe ihm "seine Gleichgültigkeit einen seltsamen Vorteil", erklärt Schwartz.

In einem TV-Interview konkretisiert er: "Ich glaube völlig, dass Trump als Präsident so wenig wie möglich auf die Wahrheit achtet."

Und tatsächlich zeichnete sich Trumps moralische Flexibilität bisher als Vorteil aus:

Das fing bereits bei seiner Amtseinführung an
Und setzte sich mit dem ambivalenten Verhältnis zu Russland (zuerst rühmte sich Trump ob der persönlichen Kontakte zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, dann stritt er diese vehement ab)...
... oder den muslimischen Staaten fort (Einreiseverbot für Muslime auf der einen und Deals mit Saudi-Arabien auf der anderen Seite).

Bisher konnten ihn die stärksten Vorwürfe und Lügengeschichten nichts anhaben.

Eine praktische Übersicht über die ersten 100 Tage der Amtszeit findet ihr hier: "Die ersten 100 Lügen: Trump und sein Team setzen eine Flut falscher Informationen in die Welt"

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

3. Trump lässt Unterstützer fallen, sobald sie wertlos sind

"Er mochte die Leute, so lange sie hilfreich waren, und wandte sich ab, wenn sie es nicht mehr waren", sagt Schwartz. Das habe für Trump nichts persönliches gehabt. Ihm ginge es allein darum, was der Einzelne für ihn tun könne.

Ein knappes halbes Jahr ist Trump nun im Amt, und seine Präsidentschaft weist bereits fast eine handvoll geschasste Mitarbeiter auf:

Michael Flynn, nationaler Sicherheitsberater - kommt seiner Entlassung zuvor
Chef-Berater Steve Bannon - degradiert
FBI-Chef James Comey - entlassen
Justizministerin Sally Yates - gefeuert
Und folgen demnächst Pressesprecher Sean Spicer oder Sonderermittler Robert Mueller?

4. Trump sind seine Wahlversprechen und die Wähler egal

Schwartz' zentrale Warnung hatte er an die Wähler und all jene gerichtet, die glauben, Trump würde ihre Interessen vertreten. "Sie werden lernen (...), dass die ihm nicht egaler sein können", so Schwartz.

Ausdruck dessen ist, dass der US-Präsident auch nach fünf Monaten im Amt noch kein einziges größeres Gesetzesvorhaben umgesetzt hat.

Zwar hatte Trump eine Steuerreform, eine neue Gesundheitsgesetzgebung, eine milliardenschwere Initiative zur Erneuerung der Infrastruktur oder den sofortigen Bau einer Mauer zu Mexiko groß angekündigt.

Nichts davon wurde bisher umgesetzt, zum Teil noch nicht einmal angegangen. Wohlgemerkt: Trumps Partei, die Republikaner, regieren neben dem Weißen Haus mit Mehrheiten auch im Senat und im Abgeordnetenhaus.

Und: Auch viele der kleineren Gesetze, die Trump bisher unterschrieben hat, haben keinerlei Auswirkung auf das Leben der Amerikaner. Denn manche betreffen allein die Ernennungen oder die Widmung von Gebäuden.

Mehr zum Thema: 100 Tage Präsident Trump: Nichts als leere Versprechungen

5. Schwartz' düstere Vorahnung

Im Gespräch mit der "Welt" - nur wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl - offenbarte der Ghostwriter, was ihm am meisten Angst mache: die Vorstellung von "Trumps Hand am Knopf für die Atombomben".

Schwartz fürchtet, dass bei Trump etwas ausgelöst wird "durch Äußerungen oder Taten des Führers einer anderen Nuklearmacht und dass dadurch die Welt, wie wir sie kennen, zu einem Ende kommt."

Bleibt nur zu hoffen, dass Schwartz unrecht behält - gerade jetzt, wo der Nordkorea-Konflikts wieder zu eskalieren droht.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!


Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(ll)

Korrektur anregen