POLITIK
19/06/2017 14:24 CEST

Nach Gewalteskalation in London: Chef der Kurdischen Gemeinde warnt vor "bürgerkriegsähnlichen Zuständen" in Deutschland

AFP via Getty Images
Nach Gewalteskalation in London: Chef der Kurdischen Gemeinde warnt vor "bürgerkriegsähnlichen Zuständen" in Deutschland

Nach dem Angriff auf muslimische Gläubige in der britischen Hauptstadt London warnt Ali Ertan Toprak, Chef der Kurdischen Gemeinde, auch in Deutschland vor einer Eskalation interreligiöser Konflikte.

Sogar "bürgerkriegsähnliche Zustände“ könnten drohen, glaubt der CDU-Politiker.

Jede Art von Terror und Hassideologie müsse von allen Demokraten geächtet werden, sagte Toprak der HuffPost. "Die, die in London einen Anschlag auf unschuldige Muslime begangen haben, sind kein Stück besser als der IS“, erklärte er.

Gleichzeitig müsse London auch für Deutschland eine Mahnung sein. "Die Politiker in Europa – auch in Deutschland – müssen endlich ihre Unterstützung für den politischen Islam aufgeben“, forderte Toprak.

Eben diese Unterstützung des reaktionären Islams rufe bei vielen Bürgern die Ängste hervor, "die jetzt in London in Hass umgeschlagen sind“, erklärte der CDU-Politiker.

"Gemäßigte Muslime finden in der Diskussion nicht statt"

Er plädiert für einen "grundlegenden Neuanfang in der Islampolitik“. In den vergangenen Jahren sei der Dialog nur auf reaktionäre Islamverbände wie zum Beispiel die türkische Ditib beschränkt gewesen. "Die gemäßigten Muslime, die ihre Religion als Privatsache leben, finden in dieser Diskussion gar nicht statt“, sagte Toprak.

Der Chef der Kurdischen Gemeinde kritisiert damit die Arbeit der Islamkonferenz, die im Jahr 2006 ins Leben gerufen wurde, um den politischen Dialog mit den deutschen Muslimen voranzutreiben.

"Seit Einführung der Islamkonferenz haben sich die Konflikte nicht verbessert, sondern drastisch verschlimmert“, warnte Toprak. Die Islamkonferenz regele bislang lediglich die "Zusammenarbeit mit den Vertretern des politischen Islams auf deutschem Boden“.

Stattdessen müsse im Dialog der Religionen auf die säkularen Muslime zugegangen werden, findet der Politiker. "Das viele Geld, das durch die Islamkonferenz in Muslimenverbände gepumpt wird, müsste an Projekte gehen, die einen moderaten Islam unterstützen.“

Toprak forderte: "Deshalb darf die Islamkonferenz nach der Bundestagswahl nicht in dieser Form fortgesetzt werden.“

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(ben)

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