POLITIK
19/06/2017 19:28 CEST | Aktualisiert 19/06/2017 23:27 CEST

"Wir werden jedes Flugzeug abschießen": Was hinter Russlands Drohung an die USA steckt

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"Wir werden jedes Flugzeug abschießen": Was hinter Russlands Drohung an die USA steckt

  • Russland hat gedroht, in Syrien US-Flugzeuge abzuschießen

  • Die USA hatten dort einen syrischen Kampfjet getroffen

  • Syrien-Experte Özkizilcik glaubt, die USA würden in Syrien einen kurdischen Staat planen

  • An eine Eskalation mit Russland glaubt er nicht

Russland und die USA steuern in Syrien auf eine Konfrontation zu. Nach dem Abschuss eines syrischen Kampfjets durch ein US-Flugzeug hat Russland den USA gedroht, auch Flugzeuge und Drohnen der US-geführten Koalition als potenzielle Ziele ins Visier zu nehmen - sollten sie westlich des Flusses Euphrat fliegen.

In einem Statement des russischen Verteidigungsministerium heißt es, Russland werde in allen Gebieten, in denen seine Luftwaffe aktiv ist, "alle fliegenden Objekte abschießen".

Doch wie ernst meinen es die Russen wirklich? Und was steckt hinter der Offensive der USA, die immer aggressiver gegen das syrische Regime vorzugehen scheinen?

Zum Hintergrund: Der syrische Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-22 war am Sonntag bei Gefechten um die IS-Hochburg Al-Rakka in Nordsyrien getroffen worden. Das Flugzeug habe zuvor Bomben in der Nähe von Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) abgeworfen, teilte das US-Militär mit.

Die kurdisch geführten SDF sind mit der internationalen Koalition verbündet, die in Syrien und dem Irak gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpft.

Nach syrischen Angaben habe die Su-22 nur IS-Stellungen angegriffen. Moskau unterstützt in Syrien die Führung von Präsident Baschar al-Assad.

Die USA planen "ein neues Machtzentrum in Syrien"

Der Angriff der USA könnte für eine neue Strategie der Vereinigten Staaten in Syrien sprechen. Die Amerikaner haben ihre Unterstützung für die syrischen Kurden in den vergangenen Wochen massiv ausgeweitet.

Der politische Analyst und Syrien-Experte Ömer Özkizilcik glaubt gar, die USA würden in Zusammenarbeit mit den SDF versuchen, im Norden des Landes "ein neues Machtzentrum“ zu etablieren.

"Die USA versuchen im Osten des Landes, nach der Sicherung der Staudämme, nun auch andere Ressourcen wie Öl und Gas unter Kontrolle zu bringen“, sagt Özkizilcik der HuffPost. Langfristig würden die USA so "an einem Staat oder einer Autonomieregion“ arbeiten, glaubt der Experte.

Özkizilcik sieht diese Strategie kritisch: Ein kurdischer Staat im Norden Syriens sei "zu allen Nachbarn verfeindet und abhängig von den USA“.

Eine Eskalation mit Russland sei jedoch unwahrscheinlich.

Zur Erinnerung: Bereits nach der US-Bombardierung des Shayrat Flughafens als Abstrafung für den Giftgasangriff in Chan Scheichun war vom Kreml eine ähnliche Reaktion gekommen.

"Vielmehr dient diese Meldung als Druckmittel für Verhandlungen“, sagt Özkizilcik.

Mit Material der dpa.

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(ll)

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