Die SPD stellt ihr neues Steuerkonzept vor - aus diesen 5 Gründen solltet ihr es kennen

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Die SPD stellt ihr neues Steuerkonzept vor - aus diesen 5 Gründen solltet ihr es kennen | Getty
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Nach ihrem Konzept zur Rente hat die SPD nun am Montag mit ihrem Steuerkonzept nachgezogen. “Wir haben solide gerechnet”, sagte SPD-Chef Martin Schulz zu den Plänen und schob hinterher: “Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können.”

Tatsächlich ist das vorgelegte Konzept teils überraschend, zum Teil bot es jedoch auch erwartbare Vorschläge.

Laut den Sozialdemokraten soll das Steuerkonzept niedrige und mittlere Einkommen entlasten und dafür die Top-Verdiener stärker zur Kasse bitten. Insgesamt sollen die Deutschen bis 2020 jährlich um 15 Milliarden Euro entlastet werden.

Klingt gerecht? Ganz so einfach ist es nicht.

Aus diesen fünf Gründen solltet ihr das Steuerkonzept der SPD kennen:

1. Die Steuerbelastung für kleine und mittlere Einkommen sinkt

Die SPD möchte den Schwellenwert für den Spitzensteuersatz erhöhen. Derzeit greift der Tarif von 42 Prozent für Ledige bei einem zu versteuernden Einkommen von 54.058 Euro, die SPD möchte den Wert auf 60.000 Euro anheben.

Das soll eine Entlastung von 2 Milliarden Euro bringen. Menschen mit einem mittleren Einkommen würden von diesem Vorschlag der SPD deutlich profitieren, die Steuerkurve stiege flacher an.

Kleine Einkommen profitieren von diesem Vorschlag weniger. Diese Einkommen erreiche man mit Steuersenkungen nicht, hieß es in der SPD - und auch Ökonomen geben dieser Einschätzung Recht.

2. Vom Wegfall des Soli profitieren diese Einkommensgruppen ebenfalls

Diese Einkommensgruppe soll vor allem von Wegfall des Solidaritätszuschlags profitieren. Die SPD will den Zuschlag von 5,5 Prozent auf die Einkommenssteuerschuld ab 2020 für untere und mittlere Einkommen abschaffen.

Dazu sollen die Freigrenzen angehoben werden. Bisher wird der “Soli” fällig, wer als Single mehr als 17.000, als Verheirateter mehr als 34.000 Euro vom Einkommen zu versteuern hat.

Laut den Plänen der SPD solle die Freigrenze auf 52.000 bzw. 104.000 Euro angehoben werden. Die zu erwartende Entlastung laut der SPD: zehn Milliarden Euro.

3. Geringverdiener werden zusätzlich entlastet

Am stärksten belastet werden Geringverdiener durch Sozialabgaben. Diese Personengruppe möchte die SPD mit Zuschüssen zu den Sozialabgaben entlasten und zugleich deren Rentenansprüche sichern.

Profitieren würden Arbeitnehmer, die zwischen 451 und 1300 Euro monatlich verdienen.

4. Gutverdiener werden stärker zur Kasse gebeten

Ganz will sich die SPD jedoch nicht vom Solidaritätszuschlag verabschieden. Wer mehr verdient, wird weiter zur Kasse gebeten.

Hinzukommt, dass die Progression der Einkommensteuer weiter fortgeführt werden soll. Heißt: Die SPD möchte den Spitzensteuersatz von 42 Prozent auf 45 Prozent anheben. Der Tarif soll für Singles ab einem zu versteuernden Einkommen von 76.200 Euro greifen.

Mit dieser Erhöhung soll die Entlastung der unteren und mittleren Einkommen finanziert werden.

Den zweiten Spitzensteuersatz, auch unter dem Schlagwort “Reichensteuer” bekannt, möchte die SPD auf 48 Prozent anheben. Er soll fix ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro gelten - statt wie bisher ab 256.304 Euro.

Die Steuerlast wird also für viele Menschen nicht sinken. Die Tageszeitung “Welt” befürchtet in einem Kommentar daher auch: “Nicht nur superreiche Spitzenverdiener, sondern viele gut verdienende Arbeitnehmer der Mittelschicht und die Inhaber kleiner Personenunternehmen werden feststellen, dass eine Entscheidung für Schulz teuer werden könnte.”

5. Aktionäre und Investoren könnten stärker belastet werden

Die SPD möchte nicht nur eine Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte auf europäischer Ebene angehen. Sondern auch die Abgeltungssteuer abschaffen.

Dank der Abgeltungssteuer müssen Be­zie­her von Ka­pi­tal­er­trä­gen wie Zin­sen oder Di­vi­den­den nur 25 Pro­zent ans Fi­nanz­amt abführen. Aktionäre, Investoren und Unternehmen profitieren von diesem Model. Bezieher anderer Einkünfte - wie dem Einkommen - müssen weit höhere Steuersätze zahlen.

Mit der Abschaffung der Abgeltungssteuer möchte die SPD also für mehr Gerechtigkeit sorgen.

SPD will den Wohlstand umverteilen

Mit dem Steuerkonzept möchte die SPD den Wohlstand in Deutschland gerechter verteilen.

Zum Teil könnte das mit diesen Vorschlägen gelingen. Die Vorschläge sind vor allem gute Nachrichten für Menschen, die eh schon mit wenig Geld auskommen müssen.

Die Entlastungen scheinen durchaus sinnvoll zu sein, denkt man daran, dass der Fiskus mit steigenden Steuereinnahmen rechnen kann.

Für Gutverdiener wird die Belastung allerdings noch immer hoch sein. Dabei ist Deutschland im Vergleich eines der Länder, in dem die Menschen am meisten an den Staat abgeben müssen.

Mehr zum Thema: Deutschland schwimmt im Geld: Warum es jetzt einen Aufstand der Steuerzahler braucht

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(poc)

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