"Schwerer Zwischenfall" vor Moschee: Fahrzeug fährt in London in Menschenmenge

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LONDON
Der Tatort in London | dpa
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  • In London ist wieder ein Auto in eine Menschenmenge gefahren - diesmal vor einer Moschee
  • Die Behörden sprechen von mindestens einem Toten
  • Die Hintergründe sind bisher unklar - Muslime gehen von Islamhass aus

Im Londoner Stadtteil Finsbury Park hat es nach Polizeiangaben einen "schweren Zwischenfall" mit mehreren Opfern gegeben. Ein Fahrzeug fuhr in der Nacht in eine Menschenmenge vor einer Moschee.

Die Hintergründe des Vorfalls waren zunächst völlig unklar. Medien melden, dass zwei Menschen vor der Moschee gestorben sind. Die Polizei hat bisher einen Toten und zehn Verletzte bestätigt. Der 48-Jahre alte Fahrer wurde festgenommen.

Ein Augenzeuge behauptete gegenüber dem "Independent", der Fahrer habe "Ich will alle Muslime töten" geschrien. Derzeit liegt ein islamfeindlicher Hintergrund der Tat nahe.

Premierministerin Theresa May gab bekannt, der Vorfall werde als "potenzieller terroristischer Anschlag" eingestuft. Sadiq Khan, der Bürgermeister von London, spricht in einer Nachricht auf Facebook von einer "grauenvollen terroristischen Tat". Er nannte den Vorfall einen "Angriff auf unsere Werte der Toleranz, Freiheit und des Respekts".

Der Fahrer des Lieferwagens soll nach Augenzeugenberichten absichtlich in die Menschenmenge im Norden Londons gefahren sein. Das berichtete der britische Nachrichtensender Sky News in der Nacht zum Montag. Wie die Polizei am Montagmorgen weiter mitteilte, haben Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen übernommen.

Opfer vornehmlich Besucher einer Moschee

Etwa fünf Menschen lagen den Angaben zufolge nach dem Vorfall verletzt auf dem Boden. Noch bis zum 24. Juni geht in diesem Jahr der Fastenmonat Ramadan.

Bei den Opfern des blutigen Zwischenfalls in London soll es sich nach übereinstimmenden Angaben vornehmlich um Besucher einer Moschee handeln.

Der Britische Rat der Muslime teilte in der Nacht zum Montag auf Twitter mit, er sei darüber informiert worden, dass der Minivan Gläubige überfahren habe, als diese gerade die Moschee im Stadtteil Finsbury Park verließen. Dies berichtete auch die britische Nachrichtenagentur PA.

Mohammed Kozbar, der Vorsitzende der Moschee, sagte der Boulevard-Zeitung "The Sun": "Wer immer das getan hat, wollte Menschen verletzen. Das ist eine Terrorattacke." Weiter sprach der Rat auf Twitter von Islamhass als Motiv für die Tat. In der Moschee predigte zwischen 1997 und 2003 der radikale Imam Abu Hamaz. Inzwischen ist die Gemeinde sehr viel liberaler.

Tatfahrzeug soll gemieteter weißer Lieferwagen sein

Unklar war den Berichten zufolge, ob das Fahrzeug mit Absicht in die Menschenmenge vor der Moschee gesteuert wurde.

Wütende Passanten hätten einen Mann umringt, der möglicherweise der Fahrer des Fahrzeugs sei, berichtete der "Independent". Augenzeugen zufolge lägen mehrere Menschen regungslos am Boden. Polizisten und Rettungskräfte hätten versucht, Leben zu retten, zitierten britische Medien eine Anwohnerin.

Das Fahrzeug, das Passanten rammte, soll dem "Sun"-Bericht zufolge ein gemieteter weißer Lieferwagen sein. Ein solches Fahrzeug war auch auf diversen Bildern zu sehen, die nach dem Vorfall im Netz kursierten.

Die Polizei erhielt nach eigenen Angaben in der Nacht zum Montag gegen 00.20 Uhr (Ortszeit, 01.20 Uhr MESZ) die ersten Notrufe. Rettungskräfte seien sofort zum Ort des Geschehens geschickt worden.

Der letzte Anschlag liegt nur zwei Wochen zurück

Eine Augenzeugin berichtete, dass sie beim Einschlafen plötzlich draußen lauten Lärm gehört habe. Polizisten und Rettungskräfte hätten versucht, dass Leben von auf dem Boden liegenden Menschen zu retten, zitierten britische Medien die Frau.

Der Stadtteil Finsbury liegt nördlich des Zentrums von London. Die Millionenstadt war erst kürzlich zum Schauplatz eines blutigen Terroranschlags geworden: Am 3. Juni hatten auf der London Bridge und am Borough Market drei Terroristen mindestens acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Die Täter wurden kurz darauf von Polizisten erschossen.

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