Der Brandbeschleuniger: Wie Donald Trump den Hass auf Muslime in den USA geschürt hat

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TRUMP
Aktivisten trauen im Februar 2015 um drei ermordete Muslime in Chapel Hill, North Carolina | Getty
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  • Am Sonntag wurde in Virginia eine 17-jährige Muslima ermordet
  • Es ist nur der neueste Vorfall, der zeigt, wie sehr der Hass gegen Muslime in den USA gestiegen ist
  • Zahlen des FBI zeigen, wie Trumps aggressive Rhetorik die Hasskriminalität entfachte

Zwei brutale Attacken gegen Muslime innerhalb weniger Stunden, doch nur eine steht im breiten Fokus: In London fuhr ein Mann in eine Gruppe Muslime und tötete dabei mindestens eine Person. Aber auch im US-Bundesstaat Virginia wurde die 17-Jährige Nabra Hassanen in der Nähe einer Moschee ermordet. Sie war auf dem Nachhauseweg vom Nachtgebet.

Die beiden Täter waren wohl fanatische Islamhasser. Nabras Mutter erklärte der "Washington Post": "Ich denke, es hat mit der Art zu tun, wie sie gekleidet war und der Tatsache, dass sie Muslima ist. Warum sollte jemand ein Kind töten? Was hat meine Tochter getan?"

Der britische, aber in den USA arbeitende, Journalist Mehdi Hasan fragte sich deshalb: "Wann werden wir einsehen, dass der anti-muslimische Hass außer Kontrolle ist?"

Ein Blick in die USA zeigt, was passiert, wenn grundlegende islamfeindliche Tendenzen angeheizt werden. Was in Großbritannien aktuell durch einige Medien geschieht, ist in den Vereinigten Staat Politik von oben.

Die dortige Entwicklung sollte uns Sorgen bereiten - sechs Fakten:

1. Der 11. September löste den Islamhass in den USA aus

Attacken auf Muslime sind in den USA alles andere als ein neues Phänomen. Die geschätzt etwa 3,3 Millionen Muslime machen nur etwa 1 Prozent der US-Bevölkerung aus. Doch der Anteil der registrierten Angriffe ist seit Jahren weitaus höher.

Insbesondere die Anschläge des 11. September ließen die Straftaten in die Höhe schießen. Laut FBI gab es 2000 lediglich 33 islamophobe Übergriffe, ein Jahr später stieg die Zahl auf 546.

Zwar sank die Anzahl der Straftaten danach wieder - ohne aber wieder die niedrigen Werte wie vor dem 11. September zu erreichen.

2. Islamophobie ist in der US-Gesellschaft tief verankert

Breite islamfeindliche Einstellungen in der Gesellschaft offenbarten sich nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten - gerade in republikanischen und rechten Kreisen.

Gerade dort wurden islamophobe Verschwörungstheorien gegen Obama populär. Er sei insgeheim ein Moslem oder dem Islam mehr als offen gegenüber eingestellt. So erklärte im Februar 2015 mehr als die Hälfte der Republikaner, dass Obama am besten als Muslim zu beschreiben sei. 30 Prozent der Republikaner erklärten im selben Jahr, dass der Islam illegal sein sollte.

Landesweit widersprachen im November 2015 56 Prozent der Befragten der Aussage, dass der Islam mit amerikanischen Werten vereinbar sei.

3. Donald Trump agierte als Brandbeschleuniger für den Hass

Als das zeigt, dass Donald Trump nach seinem Eintritt in den US-Wahlkampf im Sommer 2015 bereits zahlreiche offene Empfänger für seine aggressive Rhetorik vorfand.

Kritiker werfen Trump vor, mit seinen Reden und Äußerungen in Interviews den Hass geschürt zu haben. "Wir sehen, wie diese Stereotypen und abwertenden Bemerkungen Teil des politischen Diskurses werden", erklärte Brian Levin der "New York Times". Laut dem Direktor des Centers for the Study of Hate and Extremism sei "eine signifikante Zunahme dieser Arten von Hassverbrechen" die Folge.

Ähnlich denkt auch Nihad Awad, Geschäftsführer des Council on American-Islamic Relations (CAIR, Rat für amerikanisch-islamische Beziehungen): "In 20 Jahren habe ich noch nicht von solch einer Intoleranz und Hass von politischen Führern in dieser Gesellschaft gehört", sagte er dem "Guardian".

Tatsächlich schnellten in den letzten zwei Jahren - seitdem Trump in die Politik eingetreten ist - die Straftaten gegen Muslime nach oben. Zuletzt registrierte das FBI einen Anstieg der Hasskriminalität gegen Muslime von 2014 auf 2015 um 67 Prozent - auf 257 Straftaten.

Bemerkenswert: Straftaten gegen alle anderen Gruppen sanken gar oder stiegen weit weniger stark an. Auch die Gesamtzahl aller registrierten Straftaten sank in den letzten Jahren.

4. Gewalt gegen Muslime war auch eine Gegenreaktion auf islamistischen Terror

Neben Trump nennen den Experten noch einen weiteren Grund für den Anstieg: Sie glauben, dass es auch eine Gegenreaktion auf islamistische Terrorakte insbesondere in Europa sein könnte.

"Wir haben es nach dem 11. September gesehen, und wir sehen heute nach den tragischen Ereignissen im vergangenen Jahr einen Aufschwung von Hass-bedingten Vorfällen", sagte Vanita Gupta, Leiter der Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums.

"Wir sehen kriminelle Drohungen gegen Moscheen, Belästigungen in Schulen und Gewalt gegen muslimische Amerikaner und alle jene, die als Mitglieder dieser Gruppen wahrgenommen werden", so Gupta.

5. Auch 2016 stiegen Hass und Gewalt an

Zwar werden für 2016 die offiziellen Zahlen des FBI erst Ende des Jahres veröffentlicht. Doch laut einem Bericht von CAIR, der größten islamischen US-Bürgerrechtsorganisation, hält die negative Entwicklung weiter an.

Denn CAIR sieht für das vergangene Jahr erneut einen erheblichen Anstieg anti-muslimischer Straftaten von 44 Prozent. Die Organisation wertet keine Polizeiberichte aus, sondern eingereichte Informationen, die sie mit Hilfe anderer NGOs oder Medien verifiziert.

Besonders augenscheinlich wurde das Problem kurz nach Trumps Wahlsieg: Zahlreiche Anhänger sahen den Erfolg offenbar als legitime Grundlage zur Auslebung ihres Hasses. In zahlreichen Fällen griffen Unterstützer des US-Präsidenten Schwarze, Latinos, Juden, Asiaten, Homosexuelle und eben auch Muslime physisch an, beleidigten sie oder sprühten rassistische Graffiti.

Mehr zum Thema: So reagieren amerikanische Muslime auf Trumps Wahlsieg

6. Der US-Präsident reagiert nicht auf Hassverbrechen gegen Muslime

Trump hat jegliche Vorwürfe als "absurd" zurückgewiesen. Seine anti-muslimische Rhetorik - sei es im Wahlkampf oder im Amt - hätten nichts mit den gestiegenen Übergriffen zu tun.

Anders als etwa bei den islamistischen Attacken in Berlin, Manchester oder London hat sich Trump bisher noch nicht zu den jüngsten Angriffen gegen Muslime gemeldet.

Auch in der Vergangenheit sprach er sich kaum gegen Hassverbrechen aus - und wenn, dann weit langsamer als bei den Fällen, wo Gewalt von Islamisten ausging.

Mehr zum Thema: Natürlich hat der Terror nichts mit dem Islam zu tun. Wer etwas anderes behauptet, gefährdet unsere Sicherheit

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(ll)

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