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18/06/2017 22:30 CEST | Aktualisiert 19/06/2017 19:59 CEST

Zwischen den Fronten: Wird Vize-Justizminister Rosenstein Trumps nächstes Opfer in der Russland-Affäre?

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Zwischen den Fronten: Wird Vize-Justizminister Rosenstein Trumps nächstes Opfer in der Russland-Affäre?

  • Sicherheitsberater Michael Flynn musste zurücktreten, FBI-Chef James Comey wurde gefeuert

  • Der Russland-Affäre der US-Präsidenten Trump fallen bisher vor allem seine Untergebenen zum Opfer

  • Trifft Trumps Wut nun Vize-Justizminister Rod Rosenstein?

Auf den ersten Blick wirkt Rod Rosenstein unscheinbar. Auf den zweiten wirkt er kompetent.

Am 7. Juni muss Rosentstein vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats aussagen. Nein, es gäbe keinen guten Grund, den Russland-Sonderermittler Robert Mueller zu feuern, sagt er. Ja, Mueller hätte ein unabhängiges Mandat, er werde alle Freiheiten haben, um seine Ermittlungen angemessen durchführen zu können.

Der Auftritt des Vize-Justizministers der USA vor dem Senat ist professionell und gefasst.

Das war vor der Enthüllung, dass Mueller auch gegen den US-Präsidenten selbst ermittelt. Und auch gegen dessen Schwiegersohn und Top-Berater Jared Kushner.

Rosenstein ist zwischen die Fronten geraten. Zwischen die Justiz und Donald Trump. Jetzt könnte er dessen nächstes Opfer werden.

Trump verliert die Geduld mit Rosenstein

Trump ist zunehmend schlechter auf Rosenstein zu sprechen.

Im Mai feuerte er überraschend den FBI-Direktor James Comey. Den Schritt stützte der US-Präsident zunächst auf ein Memo, in dem Rosenstein ihm die Entlassung Comeys nahegelegt hatte.

Später räumte der Präsident ein, dass er bei dem Rauswurf die Russland-Ermittlung des FBI mit im Sinn hatte - Rosenstein selbst soll sogar mit seinem Rücktritt gedroht haben, sollte ihm die Schuld an Comeys Entlassung angehängt werden.

Am vergangenen Freitag, einen Tag nachdem die “Washington Post” berichtete, Robert Mueller würde gegen Trump höchstpersönlich ermitteln, ging dieser aus dem Nichts zum Angriff auf Rosenstein über.

“Der Mann, der mir gesagt hat, dass ich den FBI-Direktor feuern soll, ermittelt gegen mich, weil ich den FBI-Direktor gefeuert habe! Hexenjagd”, schrieb Trump auf Twitter - und meinte damit eindeutig den stellvertretenden Justizminister.

Der hatte kurz zuvor noch eine bemerkenswerte Pressemitteilung abgesetzt, in der er die US-Bürger warnte, den Medien und anonymen Quellen gegenüber skeptisch zu bleiben.

Hatte Trump Rosenstein unter Druck gesetzt, damit dieser die Vorwürfe in den Medien gegen ihn herunterzuspielen, wie das Magazin “Slate” vermutet?

Will Trump Rosenstein entlassen?

Sollte dem so sein, würde das Trumps in seinem Tweet zum Ausdruck gebrachte Wut auf Rosenstein erklären. Zumal dieser Trump auch aus einem weiteren Grund im Weg sein könnte.

Laut der Aussage eines Freundes soll der Präsident erwogen haben, den Sonderermittler Mueller zu entlassen. Das wäre Sache des Justizministeriums - und in diesem Fall Rod Rosensteins, weil sich dessen Chef Jeff Sessions aus den Russland-Ermittlungen raushält. Rosenstein aber hat sich klar hinter Mueller gestellt.

Mehr zum Thema: "Ihr Schweigen spricht Bände": 5 Stellen, an denen der US-Justizminister durch Nichtssagen mehr verriet, als er wollte

Will Trump also womöglich Rosenstein entlassen, um an Mueller heranzukommen? “Nach allem, was wir über Trump wissen, können wir sicher annehmen, dass er Rosenstein sehr gerne feuern würde - und wenn auch nur, um ihm und allen anderen zu zeigen, wer der Boss is ”, schreibt “Slate”.

Dennoch bleibt es fraglich, ob Trump noch einmal so einen gravierenden Fehler wie bei der Comey-Entlassung begehen wird. Seit dieser gerät er von einen Skandal in den anderen. Entlässt er auch noch Rosenstein, sieht er nur noch schuldiger aus, als er es eh schon tut.

Aber vielleicht erledigt sich das Rosenstein-Problem für Trump auch von alleine. Der Vize-Justizminister könnte sich, ganz so wie sein Vorgesetzter Sessions, in der Russland-Affäre für befangen erklären - und so vermeiden, Trumps nächstes Opfer zu werden.

Mehr zum Thema: Was alle wissen sollten, die glauben, dass Donald Trump bald des Amtes enthoben wird

Mit Material der dpa

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