Mit diesem Interview dürfte Verteidigungsministerin von der Leyen viele Soldaten vor den Kopf stoßen

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VON DER LEYEN
Mit diesem Interview dürfte Verteidigungsministerin von der Leyen vielen Soldaten vor den Kopf stoßen | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Die Verteidigungsministerin erneuert ihre Kritik an der Disziplinlosigkeit in der Bundeswehr
  • Von der Leyen betonte, sie wolle Bundesverteidigungsministerin bleiben
  • Die umstrittene Umbenennung von Kasernen verteidigte die CDU-Politikerin

Ursula von der Leyen musste sich einige böse Spitznamen gefallen lassen, seit sie Bundesverteidigungsministerin ist. Im Zuge des neuen Bundeswehr-Skandals um den rechtsextremistischen Oberleutnant Franco A. kam einer hinzu: "Selbstverteidigungsministerin“.

So fleißig war von der Leyen in den vergangenen Wochen damit beschäftigt, sich selbst aus der Affäre zu ziehen – und sich für ihre pauschale Kritik an der Bundeswehr und deren Führung zu rechtfertigen.

Jetzt geht von der Leyen wieder in den Angriffsmodus. Im Interview mit der "Bild am Sonntag“ sagt die CDU-Politikerin: "Ich möchte Verteidigungsministerin bleiben.“ Ihre Kritik an der Disziplin in der Truppe erneuerte von der Leyen – was ihren Stand bei den Soldaten nicht unbedingt verbessern dürfte.

In den vergangenen Wochen war von der Leyen innerhalb der Bundeswehr stark in die Kritik geraten. Vor allem ihr Satz, es gebe in der Truppe "ein Haltungsproblem", "Führungsschwäche“ und einen "falsch verstandenen Korpsgeist“ wurde von vielen als pauschales Urteil über deutsche Soldaten gewertet.

In der "Bild am Sonntag“ verschärfte von der Leyen ihre Kritik noch einmal: "Ich habe Bilder gesehen. Und ich habe viele Akten und Berichte gelesen, von Leuten, die vor Ort ermittelt haben. Ich stehe zu meinen Aussagen.“

Von der Leyen greift die SPD an

In einer Kaserne in Pfullendorf war es unter anderem zu sexuell-sadistischen Praktiken durch Soldaten und Ausbilder gekommen. Der Fall des rechtsextremen Franco A., der sich als Flüchtling ausgab und einen Anschlag plante, machte international Schlagzeilen.

Seither seien immer mehr Verfehlungen gemeldet worden. "Es sind schon jetzt bis Mitte Juni mehr Vorfälle gemeldet worden als im ganzen vergangenen Jahr. Und zwar in allen Kategorien: Fehlverhalten gegen Untergebene, sexuelle Belästigung, Rechtsextremismus", erklärte die Ministerin.

Verantwortung für diese Disziplinlosigkeiten will sie aber nicht übernehmen.

Kritik von SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann an von der Leyens Führungsqualität wies die zurück: "Das hört sich so an, als wären die Vorfälle vom rechtsextremen Soldaten bis zur Tanzstange samt Slips für Herrn Oppermann okay. Nicht jeder, der jetzt laut Vorwürfe erhebt, scheint die Fakten zu kennen. Ich frage mich überhaupt, was Herr Oppermann je für die Bundeswehr geleistet hat.“

Auch die umstrittene Umbenennung von Kasernen, verteidigte von der Leyen. Die Bundesverteidigungsministerin mahnte an, dass die Tradition der Bundeswehr sich nicht auf die Wehrmachtszeit beziehen sollte.

"Warum immer der Blick zurück auf die zwölf dunkelsten Jahre unserer Geschichte? Wir sollten viel mehr mit Stolz die 61 Jahre Bundeswehr in den Mittelpunkt stellen", sagte von der Leyen. "Die Bundeswehr hat sich im Kalten Krieg bewährt, ist zur Armee der Einheit geworden und ist heute an vielen Orten der Welt tapfer im Einsatz. Das sollte gewürdigt werden."

(jazi)

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