Regierungschaos in den USA: Kaum jemand ist bereit, für Donald Trump zu arbeiten

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DONALD TRUMP
Regierungschaos in den USA: Kaum jemand ist bereit, für Donald Trump zu arbeiten | Carlos Barria / Reuters
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  • Fast 150 Tage ist Donald Trump der Präsident der USA
  • Bisher war seine Amtszeit vor allem von Skandalen und politischen Misserfolgen geprägt
  • Der US-Präsident hat aber noch ein anderes Problem: Niemand will für ihn arbeiten

“Würden Sie Donald Trump ihre Firma leiten lassen?”, fragte vor Kurzem das renommierte Wirtschaftsmagazin “Bloomberg Businessweek”. Kein Präsident zuvor habe sich so sehr als Geschäftsmann aufgespielt wie Trump - um dann so brutal zu versagen.

“Dieser CEO-in-Chief ist daran gescheitert, seine Aufgaben zu erledigen; er ist daran gescheitert, ein starkes Team zu bilden; er hat seine Interessenkonflikte nicht ausgeräumt; und seine Außendarstellung ist ein Trümmerhaufen”, schrieb das Magazin.

Tatsächlich kommt Donald Trump als US-Präsident bisher ziemlich stümperhaft daher. Seine Mitarbeiter müssen entweder hinschmeißen, werden gefeuert - oder lassen sich hinter Trumps Rücken über ihren Chef aus.

Kein Wunder, dass kaum jemand für ihn arbeiten möchte.

Trump schafft es nicht, eine funktionierende Regierung zu bilden

Zwar behauptete Trumps Sprecher Sean Spicer gegenüber der “Washington Post”: “Die Leute rennen mir die Tür ein. Es gibt eine riesige Nachfrage nach Jobs im Weißen Haus.”

Tatsächlich schafft es der US-Präsident aber einfach nicht, eine funktionierende Regierung zu bilden. Das belegen Zahlen, die die Zeitung gemeinsam mit dem Partnership for Public Service’s Center for Presidential Transition recherchiert hat.

Demnach hat Trump es in seinen ersten knapp 150 Tagen als Präsident gerade einmal geschafft, 43 leitende Beamte einzustellen. Im gleichen Zeitraum stellte sein Vorgänger Barack Obama 151 leitende Beamte ein. Und der Republikaner George W. Bush schaffte es, 130 Führungsstellen zu besetzen.

“Trump wird radioaktiv, und das immer schneller”, kommentierte Bill Valdez Trumps miserable Bilanz in der "Washington Post". Valdez ist Präsident der Senior Executives Association, einem Berufsverband für leitende Beamte in Washington. “Wenn du für einen Boss arbeitest, der dir nicht hinter dir steht, dann hast du kein Vertrauen darin, für diesen Menschen zu arbeiten.”

Trump ist für viele Politiker schlichtweg ein Karriererisiko. Ein Mitglied der Republikaner und ehemaliger Angestellter des Präsidenten George Bush sagte der "Washington Post": “Es gibt eine ganze Reihe an loyalen Republikanern, die nicht einverstanden sind mit Trumps Handelspolitik, oder seinem Einreisebann für Muslime sowie dem ganzen Verhalten seiner Regierung.”

Er fügte hinzu: “Wir halten das alles für nicht sehr professionell.”

Trump ist in der Politik und Wirtschaft schlecht angesehen

Und mit dieser Meinung stehen die republikanischen Berufspolitiker nicht allein da.

Beim Yale CEO Summit Anfang des Monats, einem Treffen 125 führender US-Geschäftsleute an der Elite-Universität, bewerteten 50 Prozent der anwesenden Firmenbosse, Akademiker und Regierungsmitarbeiter Trumps Arbeit in seinen ersten 130 Amtstagen mit der Schulnote 6. Weitere 21 Prozent gaben ihm eine 4 - und nur 1 Prozent eine 1. Das berichtete CNN Money.

Trumps Führungsqualitäten gelten also vielen Entscheidern in der Politik oder Wirtschaft als ungenügend. Die zunehmenden Skandale im Weißen Haus und der rigorose Umgang Trumps mit seinen Untergebenen werden diese Bewertung wohl nicht verbessern.

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“Es scheint wenig Struktur im Weißen Haus zu geben”, fasste das Magazin “Bloomberg Businessweek” Trumps augenscheinlichen Dilettantismus zusammen. “Es wirkt mehr wie ein Königshof, als wie ein Unternehmen - mit einem König, der sich Abends mit einem Cheeseburger ins Bett legt und spontane Befehle per Twitter abgibt.”

Und wer will so einem König schon dienen?

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