POLITIK
18/06/2017 15:16 CEST | Aktualisiert 18/06/2017 18:56 CEST

Wieso sich die Grünen mit dem Bundesparteitag aus der Krise befördert haben könnten

Steffi Loos via Getty Images
Wieso sich die Grünen mit dem Bundesparteitag aus der Krise befördert haben könnten

Wohl in keiner deutschen Partei klaffen die Vorstellungen von Politik derzeit so weit auseinander wie bei den Grünen.

Da gibt es die Realos um das Spitzenduo Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt, die Partei-Rechten um den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer – und die Fundis, denen etwa der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter angehört.

Umso erstaunlicher ist es, was die Grünen bei ihrem Parteitag an diesem Wochenende geschafft haben.

Sie haben – nach viel Streit und Diskussionen – ihr Parteiprogramm verabschiedet und trotz aller Hakeleien am Ende Einigkeit demonstriert. Und das feierten die Parteimitglieder nahezu ausgelassen, zu Nenas Hit "Irgendwie, irgendwo, irgendwann."

Da konnten auch Zwischenrufe wie gegen Palmer ("Einfach mal die Fresse halten!“) – oder von Palmer ("Spinnen die jetzt alle?“) - den Erfolg des Bundesparteitags nicht schmälern.

Damit konnte die Partei zumindest das Schlimmste abwenden: Das mitten in die Umfrage-Krise auch noch der parteiinterne Richtungs-Streit ausartet.

Homo-Ehe als Bedingung

Die rund 800 Delegierten verabschiedeten den Zehn-Punkte-Plan von Göring-Eckardt und Özdemir für den Fall einer Regierungsbeteiligung nach einigen Änderungen mit großer Mehrheit.

"ZDF Heute“ kommentierte, die Veranstaltung habe "ein zuletzt vermisstes Gefühl (…) zurückgebracht: das Selbstvertrauen“.

Und tatsächlich zeigten sich die Grünen am Wochenende angriffslustig. Besonders Cem Özdemir, der sich in den vergangenen Wochen immer wieder anhören musste, er sei der falsche Mann für den Job, begeisterte am Freitag mit einer flammenden Rede.

Mit ihrem Programm haben die Grünen ein für allemal herausgeschält, für was die Partei stehen will. Es verbindet die grünen Kernthemen wie Klima- und Tierschutz mit einer kompromisslosen Zusage an die liberale Gesellschaft.

Neben der sofortigen Abschaltung von 20 Kohlekraftwerken, der Umstellung der Stromgewinnung bis 2030 zu hundert Prozent auf erneuerbare Energien und dem Verbot der Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab 2030 machen die Grünen so die Homo-Ehe zu einer Bedingung für eine mögliche Koalition.

Auch die "Süddeutsche Zeitung“ kommentierte: "Die Grünen finden zurück zu sich selbst“.

Zweikampf mit der FDP

Das alles sei noch lange kein Wahlsieg, aber eine Grundvoraussetzung dafür, dass die Grünen am Ende doch noch etwas besser abschneiden, als es die Prognosen bislang ausweisen.

Bereits am Vortag hatte die Zeitung spekuliert, in welche Richtung es für die Öko-Partei nun gehen könnte. Nämlich in Richtung eines Zweikampfes mit der FDP.

Eines Zweikampfes darum, welche Vorstellung von Liberalität den Deutschen im Jahr 2017 eher zusagt. Die der wirtschafts- und digitalgetriebenen Liberalen oder der grünen Liberalen.

Die vergangenen Landtagswahlen deuten an, dass die Gelben für diesen Kampf derzeit besser gewappnet sein könnten. Doch auch die Grünen streben danach, mit einem zweistelligen Ergebnis die drittstärkste Kraft im Bundestag zu werden.

Vielleicht klappt es. Nicht irgendwie, irgendwo, irgendwann. Sondern im September in Berlin.

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(jg)

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