Deutsch-türkischer Komiker distanziert sich vom Terror – doch dann legt er erst richtig los

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Rund tausend deutsche Muslime haben am Samstag in Köln gegen Terror und Extremismus demonstriert. Sie reagierten damit auch auf die immer wieder laut werdenden Forderungen, Muslime müssten sich aktiver gegen den radikalen Islam einsetzen.

Auch der deutsch-türkische Komiker Fatih Cevikkollu nahm an dem Friedensmarsch teil – und hielt eine bemerkenswerte Rede, mit der er wohl vielen Muslimen in Deutschland aus der Seele sprach (zu sehen im Video oben).

"Sich zu distanzieren setzt Nähe voraus“, begann Cevikkollu. "Dass wir uns hier heute distanzieren, ist eigentlich absurd“, sagte er zu den Teilnehmern der Veranstaltung.

Dennoch wolle er genau das tun – "dann aber richtig“. Cevikkollu erklärte, er wolle dazu die Worte seines Freundes Sahin Karanlik zitieren.

Der hatte Anfang Juni bei Facebook gepostet:

Hiermit distanziere ich mich als Muslim von den Pennern, die den Islam als Rechtfertigung für Gewalt und Terror ansehen.

Ich distanziere mich als in der Türkei geborener von den Machenschaften der Erdogan-Regierung.

Als Bürger mit deutschem Pass möchte ich mich von den täglichen Brandanschlägen an Flüchtlingsheimen distanzieren, von der NSU, von der AFD und allgemein von den Nazis und den Nazi-Verbrechen im 3. Reich.

Als Mann distanziere ich mich von den Sexualstraftätern, den Machos, den Frauenverprüglern, den Arschgeigen, die ihnen nicht die Tür aufhalten und auch noch den Jahrestag vergessen.

Als Autofahrer distanziere ich mich von allen Rasern und Falschparkern.

Als Fleischesser möchte ich trotzdem nicht, dass Tiere gequält und unwürdig in Massen gehalten werden. Ich distanziere mich davon!

Als Kleidung- und Schuhträger möchte ich sagen, dass ich die Ausbeutung von Arbeitskräften in armen Ländern nicht gutheiße.
Als Wassertrinker distanziere ich mich von Nestle.

Als Musik-Hörer von Helene Fischer und als Film-Liebhaber von den langweiligen Avenger-Movies.

Als Vater von den Alimente-Verweigerern.

Als Griller von den Brandstiftern.

Als Google-Nutzer von Google+.

Als Youtube-Nutzer von Bibi.

Cevikkollu polterte dann in Richtung Publikum: "Und von dir, der die ganze Zeit dazwischen labert, distanziere ich mich auch!“

Der Komiker machte mit seiner emotionalen Wutrede deutlich, wie absurd es für viele Muslime erscheint, sich von etwas zu distanzieren, mit dem sie im Alltag nichts zu tun haben. Eine Perspektive, die man trotz aller berechtigten Forderungen nach einem starken Signal aus der muslimischen Community nicht aus dem Auge verlieren sollte.

"Ich hasse keine Muslime. Ich hasse Terroristen“, stellte Cevikkollu klar. Die Menschen, die den Unterschied zwischen beidem kennen würden, seien ein Teil der Lösung, alle anderen seien ein Teil des Problems, erklärte er.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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