Late-Night-Show in den USA macht sich über AfD-Kandidatin Alice Weidel lustig

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ALICE WEIDEL
Alice Weidel: Homosexuelle Spitzenkandidatin einer homophoben Partei | dpa
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Die US-amerikanische Show "Late Night with Seth Meyers" hat sich über die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel lustig gemacht.

Moderator Seth Meyers machte sich vor allem Witze über den Widerspruch, dass Weidel als Homosexuelle einer Partei vorsteht, die sich strikt gegen die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare wehrt.

"Eine Lesbe wurde kürzlich zur Vorsitzenden von Deutschlands Faschistenpartei ernannt", begann Meyers den faktisch nicht ganz akkuraten Witz. Seine lesbische Kollegin Jenny setzte fort: "Falls Sie sich fragen, was Lesben und Faschisten gemeinsam haben? Die Antwort ist: den Haarschnitt."

Ein scheinheiliger Kampf gegen die politische Korrektheit

Der US-Comedian ist bekannt für sein Satire-Segment "Jokes Seth Can't Tell". Auf deutsch: Witze, die Seth nicht machen darf.

Dort lässt er seine Kolleginnen - die eine lesbisch, die andere schwarz - politisch inkorrekte Witze erzählen, die er als weißer, heterosexueller Mann eben nicht machen sollte.

Trotzdem gibt es missbilligende Stimmen zu Meyers Spott über Weidel. Das Magazin "Queer", das sich selbst als Zentralorgan der Homo-Lobby bezeichnet, kritisierte Meyers "sehr plumpen Witze über Lesben und Schwarze."

Mit "Jokes Seth Can't Tell" werde ein "Ausweg aus dem Dilemma der 'Politischen Korrektheit'" gesucht, schrieb "Queer". Das Onlinemagazin betonte aber auch, dass Weidel selbst einen "scheinheiligen Kampf gegen die politische Korrektheit" führe.

Als homosexuelle Frau mit zwei adoptierten Söhnen widerspricht Weidels Lebensstil gravierende den Idealen ihrer Partei.

Dem Parteiprogramm der AfD zufolge ist "eine einseitige Hervorhebung der Homo- und Transsexualität" abzulehnen: "Das traditionelle Familienbild darf dadurch nicht zerstört werden."

"Auf den Müllhaufen der Geschichte"

Zuvor hatte Weidel selbst mit dem Phänomen der politischen Korrektheit aufräumen wollen.

Auf dem AfD Parteitag in Köln hatte sie gefordert, die "politische Korrektheit auf den Müllhaufen der Geschichte" zu werfen. Daraufhin wurde sie von Christian Ehring im Satiremagazin extra 3 beleidigt.

"Jawoll, Schluss mit der politischen Korrektheit! Lasst uns alle unkorrekt sein, da hat die Nazi-Schlampe doch recht. War das unkorrekt genug? Ich hoffe!", spottete Ehring.

Weidel hatte Ehring daraufhin verklagt. So viel Spaß durfte dann doch nicht sein.

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(jg)

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