Grünen-Parteitag: Özdemir bekommt Standing Ovations – Palmer wird beleidigt

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OEZDEMIR
"Die Rede seines Lebens": Grünen-Chef Özdemir bekommt auf Parteitag Standing Ovations | NurPhoto via Getty Images
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  • Beim Bundesparteitag hat der Grünen-Chef Cem Özdemir eine flammende Rede gehalten
  • Die Grünen erhoffen sich das Ende der Umfrage-Krise
  • Der linke Flügel der Partei griff den Konservativen Boris Palmer scharf an

Was mussten die Grünen in den vergangenen Monaten einstecken: Die Umfrage-Ergebnisse der Partei fielen in den Keller, viele Kommentatoren taten die Grünen spöttisch als unzeitgemäße "Moralapostel-Partei“ ab.

Besonders das Spitzenkandidaten-Duo um Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt sah sich immer wieder scharfen Angriffen ausgesetzt – auch aus den eigenen Reihen.

Doch beim Bundesparteitag am Freitag schoss Özdemir zurück – und begeisterte mit seiner rund einstündigen Rede nicht nur die Parteianhänger.

So kommentiert etwa die "Süddeutsche Zeitung“: "Mit seinen 51Jahren hat er schon viele Reden gehalten. Aber die hier hat die Qualität eines Endspiels.“

Der umstrittene Parteikollege Özdemirs, Boris Palmer, der bei den Grünen immer wieder mit seinen einwanderungskritischen Positionen aneckt, bekam dagegen Gegenwind.

Standing Ovations für Özdemir

Özdemir sei selbstbewusst aufgetreten, kommentiert die Zeitung. Das ist zunächst nicht überraschend. In Vergangenheit war dem Grünen-Chef immer wieder vorgeworfen worden, er übertreibe es mit dem selbstsicheren Auftreten. Von Überheblichkeit und Arroganz war die Rede.

Doch dieses Mal trifft Özdemir offenbar den richtigen Ton: Er plädiert für Europa, spricht – anders als Bundesvorsitzende Simone Peter im Januar – lobend über die Polizei und greift den US-Präsidenten Trump an. Am Ende seiner Rede gibt es Standing Ovations.

Mit klaren Positionen zu Klimaschutz, Integration und Europa wollen die Grünen nach der Bundestagswahl im September mitregieren. Ziel ist ein zweistelliges Ergebnis und Platz drei hinter Union und SPD.

Am Sonntag soll das Wahlprogramm verabschiedet werden. Davon erhofft sich die Ökopartei ein Aufbruchsignal und ein Ende der schlechten Umfragewerte.

"Vielleicht die Rede seines Lebens"

Außer mit der AfD wolle man keine Koalition ausschließen, sagte Özdemir. "Wenn alle alles ausschließen, bleibt am Ende nur die große Koalition.“ Und die solle abgelöst werden.

Auch Kai Klose, Landesvorsitzender der Grünen in Hessen, zeigte sich begeistert. Bei Twitter schrieb er: "Vielleicht die Rede seines Lebens“.

Auch der Grünen-Europapolitiker Reinhard Bütikofer lobte den Parteichef: "Jesse Klaver war beeindruckend. Cem Özdemir war es noch mehr. Kraftvoll, energiegeladen. Durchaus mutig.“

Partei-Linke attackieren Palmer

Viele Links-Grüne sind derweil mit dem realpolitischen Kurs des von der Basis gewählten Spitzenduos Özdemir und Göring-Eckardt nicht zufrieden.

"Lasst uns Grüne radikale Programme beschließen, damit wir die Menschen nicht im Stich lassen“, forderte Bayram. Zum Abschluss ihrer Rede teilte sie gegen den in der Partei umstrittenen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer aus, der ein Buch über Integration mit dem Titel "Wir können nicht allen helfen“ geschrieben hat.

"Da sage ich ganz ehrlich - geht's noch? Einfach mal die Fresse halten.“ Teile des Saals reagierten mit Applaus und Jubel.

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