So einfallslos kommentierten deutsche Politiker Helmut Kohls Tod auf Twitter

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HELMUT KOHL
So einfallslos kommentierten deutsche Politiker Helmut Kohls Tod | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • Helmut Kohls Tod hat eine Welle des Bedauerns ausgelöst
  • Aber: Die Beleidsbekundungen vieler Politiker klangen sehr einfallslos
  • Ausgerechnet Kanzlerin Merkel, deren Beziehung zu Kohl belastet war, fand die richtigen Worte

Helmut Kohl ist gestorben - und Politiker aller Parteien waren schnell darin, dem Altkanzler ihren Respekt auszusprechen.

So richtig von Herzen klang es aber nicht, was da von vielen Granden der deutschen Politik über den Mann gesagt und geschrieben wurde, der Deutschland 16 Jahre lang regiert hat. Eher so, wie etwas, dass man halt sagen muss, wenn eine historische Persönlichkeit stirbt: "Wichtig", "traurig" - und so weiter.

"Helmut Kohl war ein..."

Und so klangen die anfänglichen Beileidsbekundungen für Kohl zunächst ein wenig wie ein kaputter Leierkasten.

Das Bundeskanzleramt verkündete per Regierungssprecher Steffen Seibert die "tiefe Trauer um einen großen Deutschen und Europäer."

Außenminister Sigmar Gabriel fielen auch keine anderen Worte ein: Kohl war auch für ihn ein "großer Deutscher" und "großer Europäer".

Letzterer war er auch für Grünen-Chef Cem Özdemir.

Und für den FPD-Vorsitzenden Christian Lindner.

Und für den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz sowieso.

Beileid, auf 140 Zeichen reduziert

Auch in der zweiten Reihe der deutschen Politik las sich das Empfinden über Kohls Ableben nicht anders.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karmba Diaby beklagte den Verlust eines "überzeugten Europäers" und "Kämpfers für die Einheit".

Der CDU-Abgeordnete Uwe Schummer wandelte das leicht ab: "Großer Deutscher", "überzeugter Europäer".

Und nochmals leicht anders - aber inhaltlich ähnlich monoton - formulierte es ("bei aller Kritik") der SPD-Abgeordnete Burkhard-Lischka: "großer Europäer".

CDU-Generalsekretär Peter Tauber fiel da fast schon auf: Er bezeichnete Kohl als "großen deutschen Europäer".

Und die umstrittene CDU-Politikerin Erika Steinbach fasste Kohls Leben ganz minimalistisch zusammen: "Er war ein Großer."

Kohl war ein großer Europäer und Deutscher - und mehr

Natürlich haben sie alle Recht: Helmut Kohl war unbestritten ein wichtiger deutscher Politiker - und ein sehr wichtiger Europäer.

Aber er war auch mehr als das. Der wohl einflussreichste und mächtigste Konservative des Landes, über Jahrzehnte hinweg. Ein streitbarer Politiker und Mensch, nach innen und nach außen hin. Er hatte Fehler, die etwa der CDU-Spendenskandal offenlegte. Und einen Sinn für historische Größe, wie beim Handhalten mit Mitterand am Denkmal von Verdun. Wie bei der einmaligen Gelegenheit für die deutsche Einheit, die Kohl erkannte und wahrnahm.

Ob man Kohl also mochte oder nicht - der Altkanzler hat mehr als die einfallslosen Ovationen verdient, die viele Politiker sich pflichtbewusst abrangen. Er hat eine Auseinandersetzung mit seinem Lebenswerk verdient. Eine persönliche. Und auch kritische.

Und so war es ausgerechnet an Angela Merkel, deren Mentor Kohl war, bis sie ihn geradezu aus der CDU verstieß, ehrliche und tiefschürfende Worte zu Kohls Tod zu finden.

Natürlich, auch die Kanzlerin sprach von einem großen Europäer, vom Kanzler der Einheit. Aber sie ging weiter: "Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens." Kohl sei damit "zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden", lobte Merkel.

Und wurde persönlich: "Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert", sagte sie - Kohl hatte Merkel gern als "sein Mädchen" bezeichnet. "Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat", sagte die Kanzlerin.

Das kam von Herzen.