Rewe preist Verkauf von antibiotikafreiem Fleisch an - doch jetzt gibt es schwere Vorwürfe

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Rewe verkauft antibiotikafreies Fleisch - doch der WDR erhebt Zweifel | Getty/HuffPost
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Hauptsache billig. Für viele Verbraucher zählt das beim Einkauf im Supermarkt - auch beim Fleisch. Doch zunehmend regt sich bei Kunden das schlechte Gewissen.

Die Supermarktkette Rewe bietet deshalb in Dortmund antibiotikafreies Fleisch an - für etwa zwei Euro pro Kilogramm mehr als das herkömmliche.

Doch die Redaktion der Verbrauchersendung "Markt" des WDR hat sich das Angebot genauer angesehen und Ungereimtheiten festgestellt.

Funktioniert Massentierhaltung überhaupt ganz ohne Antibiotika?

Rewe bewirbt die Aktion mit einem Familienbetrieb in dritter Generation aus Langenberg in Nordrhein-Westfalen. Auf der dazugehörigen Website von "meat 4 you" ("Fleisch für dich") garantieren die Landwirte "eine tiergerechte Aufzucht und Fütterung" der Schweine. Die Tiere würden "ausgesuchtes und nährstoffreiches, gesundes Futter ohne Antibiotika" erhalten.

Der WDR hat den Betrieb aufgesucht.

Erste Überraschung: Anders als in der Werbung, wo auf die "stressfreie und glückliche Haltung der Schweine mit genügend Platz im Stall für Bewegung und zum Spielen" verwiesen wird, werden die Tiere in konventionellen Ställen gehalten. 3000 Mastschweine nebeneinander.

Der Sender fragt also: Geht das überhaupt ohne Antibiotika? Den Reportern bestätigt der Bauer, dass die Ferkel auf dem Hof geboren und gezüchtet werden. Das könnte tatsächlich den Einsatz von Antibiotika reduzieren, da so weniger Krankheiten von außen eingeschleppt werden.

Rewe zahle den Erzeugern zudem zwei Cent mehr pro Kilogramm Fleisch, wenn die Tiere ohne Antibiotika behandelt wurden, als Anreiz.

Entscheidende Ausnahme: Rewes Regelung gilt nur für die Mast

Die zweite Überraschung: Die Regelung von Rewe gilt nur für Tiere in der Mast. Das heißt für Schweine mit einem Gewicht von über 30 Kilogramm - Ferkel und jüngere Tiere in der Aufzucht sind davon ausgenommen. Doch gerade diese würden oftmals Antibiotika bekommen - anders als ältere, robuste Tiere.

Laut WDR macht die Supermarktkette also einen Unterschied, den kaum ein Verbraucher kennt. Zudem würden in der Mast generell kaum Antibiotika eingesetzt.

Frank Greshake von der Schweinevermarktung Rheinland spricht Klartext. Er sagt: "Hier wird etwas als besonders dargestellt, was in Wirklichkeit schon seit vielen Jahren Standard ist". Ihm zufolge würden die meisten Schweinezüchter vergleichbares Fleisch anbieten - ohne das das extra angepriesen werde.

Ist die Rewe-Aktion also eine Mogelpackung, schließlich bezahlt der Kunde etwa 20 Prozent mehr für das Fleisch?

Das Unternehmen bestreitet das. Rewe weißt darauf hin, "dass wir von einer antibiotikafreien Mast sprechen". Doch die Aufzucht lässt den Einsatz von Medikamenten zu - auch laut Rewes Programm. Die Supermarktkette sieht hier die Bauern in der Pflicht.

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(ujo/sk)

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