Der Trump-Effekt: Der drastische Absturz der Rechten in Europa in vier Grafiken

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NATE SILVER
Statistik-Experte Nate Silver glaubt, dass ein Trump-Effekt die Rechten in Europa heimsucht | Getty
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  • Hat die Präsidentschaft von Donald Trump Einfluss auf die Rechtspopulisten in Europa?
  • Der Statistik-Experte Nate Silver glaubt: Trumps Wahl war der Anfang vom Absturz der europäischen Rechten
  • Silver versucht, seine These mit vier Grafiken zu belegen

Die Welt ist US-Präsident Donald Trump zu Dank verpflichtet.

Zumindest, wenn es nach Umfrage-Guru Nate Silver aus den USA geht. Silver betreibt die renommierte Nachrichtenseite "FiveThirtyEight", die auf Statistiken und Datenjournalismus spezialisiert ist. Und er ist sich sicher: "Trump macht Europa wieder liberal."

Silvers These: Die Bürger in Europa konnten nach der Wahl Trumps genau sehen, was passiert, wenn ein wütender Populist die Macht in einem Land übernimmt - nämlich, dass das komplette Chaos ausbricht.

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Folglich habe Trump eine abschreckende Wirkung auf die Wähler in Europa gehabt, schreibt Silver für "FiveThirtyEight". Tatsächlich zeigt Silver anhand von nur vier Grafiken, wie schwer die Wahl des wahnwitzigen Milliardärs zum US-Präsidenten den Rechtspopulisten in Europa zugesetzt zu haben scheint.

Europaweiter Absturz der Rechtspopulisten

Schon im Dezember 2016, kurz nach der Präsidentschaftswahl in den USA, fragte sich Silver, welchen Einfluss Trump auf die Nationalisten in Europa haben könnte. Gerade hatte der grüne Politiker Alexander Van der Bellen den Rechtspopulisten Bernd Hofer bei der Präsidentenwahl in Österreich besiegt.

"Die Menschen könnten die nationalistischen Rechten mit Trump in Verbindung bringen. Trump ist in der EU extrem unbeliebt", twitterte Silver damals.

Seither wurde in den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien gewählt. In Deutschland steht die Bundestagswahl kurz bevor. Und offenbar ist genau der Trump-Effekt eingetreten, den Silver erwartet hat.


Niederlande

► Lange sah es in den Niederlanden so aus, als könnte der Rechtspopulist und Trump-Fan Geert Wilders es schaffen, die Wahl zu gewinnen. Ende 2016 führte er in den Umfragen mit weit über 20 Prozent der Stimmen.

► Dann folgte ab Januar 2017 der Einbruch der Wilders-Partei PVV, am Ende kam sie nur auf 13,06 Prozent der Stimmen. Der konservative Premierminister Mark Rutte gewann die Wahl deutlich.

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Frankreich

► Der Wahlkampf in Frankreich war von Skandalen überschattet. Die Kandidaten der etablierten Parteien demontierten sich selbst, während die Rechtspopulistin Marine Le Pen im November noch mit nahezu 30 Prozent der Stimmen rechnen konnte.

► Doch die Le Pens Partei Front National erlebte gleich einen doppelten Dämpfer. Bis Dezember 2016 stürzte die Partei in den Umfragen auf unter 25 Prozent der Stimmen. Nach einer kurzen Erholung folgte dann der totale Einbruch im März 2017 - am Ende kam Le Pen zwar in die Stichwahl, wurde dort aber mehr als deutlich vom Shootingstar Emmanuel Macron geschlagen.

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Großbritannien

► Die vorgezogenen Neuwahlen in Großbritannien in diesem Monat waren ein Showdown zwischen der konservativen Premierministerin Theresa May und dem überraschend erfolgreichen Labour-Kandidaten Jeremy Corbyn. May gewann die Wahl - und verlor doch ihre absolute Mehrheit im Parlament.

► Das Ergebnis der rechtspopulistischen Ukip-Partei, die die Anti-EU-Stimmung auf der britischen Insel vor dem Brexit erst so richtig angeheizt hatte, geriet da fast in Vergessenheit. Dabei ist es bemerkenswert: Kratze Ukip im September 2016 noch an der 15-Prozent-Marke, erhielt die Partei bei der Wahl in diesem Juni bloß 1,9 Prozent der Stimmen.

Deutschland

► Im September steht in Deutschland die Bundestagswahl an. Gesprächsthema Nummer eins sind dabei die Erwartungen an Martin Schulz, der nach anfänglicher Euphorie in der SPD ein Umfrageproblem hat - während die CDU unter Kanzlerin Merkel wieder stärker wird.

► Zwischen den beiden Volksparteien hat sich die AfD aufgerieben. Eine große Mehrheit der Deutschen will die Rechtspopulisten nicht im Bundestag sehen. Das schlägt sich auch in den Umfragen nieder: War im Herbst 2016 noch befürchtet worden, die AfD könnte drittstärkste Kraft im Parlament werden, liegt sie jetzt bei 7 bis 9 Prozent der Stimmen.

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Silver: "Autoritarismus bleibt weiterhin eine existenzielle Bedrohung"

Es ist offensichtlich: Seit dem Herbst 2016, seit Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, schneiden die Rechtspopulisten Europas bei Wahlen und in den Umfragen katastrophal ab. Nicht nur in den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Hat also ein Trump-Effekt den Niedergang der Rechten in Europa bedingt? Silver sagt: Es gebe keinen direkten Beweis für einen negativen Einfluss Trumps auf nationalistische Bewegungen in Europa, "aber es gibt eine Menge Indizien dafür".

Das zeigen die Grafiken: Viele rechtspopulistische Parteien haben 2016 an Stimmen gewonnen - bis Trump gewählt wurde. Und viele Rechtspopulisten, die dann in den Umfragen einbrachen, hätten Donald Trump ausdrücklich gelobt, sagt Silver.

Dennoch: Rechte Parteien sind in vielen europäischen Ländern stärker, als noch vor 10 bis 20 Jahren. Das stellte die "New York Times" fest.

Silvers Fazit fällt also vorsichtig aus: "Trump hat die Nationalisten wohl nicht um Jahrzehnte zurückgeworfen, und der Erfolg des Autoritarismus ist noch immer eine große Gefahr für die freie Demokratie. Aber Trump könnte seine eigenen Ziele auf Jahre hinweg blockiert haben - vor allem in Westeuropa."

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(sk)