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15/06/2017 16:25 CEST | Aktualisiert 15/06/2017 16:42 CEST

"Rassismus aus der Zukunft": Eine rechte Bewegung träumt von Cyborgs und Menschenzucht

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"Rassismus aus der Zukunft": Eine rechte Bewegung träumt von Robotern und Menschenzucht

  • Rechte Bewegungen werden meist mit der Glorifizierung der Nationalsozialisten in Verbindung gebracht

  • Doch in den USA und Großbritannien entsteht eine neue Gruppierung, die den "Faschismus der Zukunft"

    betreibt

  • Die sogenannten Neoreaktionären träumen von Übermenschen und Cyborgs

Man mag sie die Neuen Rechten nennen. Doch die abstrusen Ideen der heutigen Rechtspopulisten in Europa beziehen sich meist auf die Vergangenheit.

Die Bewahrung der Tradition haben sie sich etwa auf die Fahnen geschrieben. Oder gleich die Wiederherstellung des tausendjährigen Reiches.

Doch in den USA und Großbritannien gibt es eine rechte Bewegung, deren Blick nicht zurück geht - sondern in die Zukunft. Ihr Denken ist eine Art Science-Fiction-Rassismus. Sie träumen von einem “neuen Menschen” und einer Herrschaft der Eliten.

"Der Rassismus, der aus der Zukunft kommt"

Selbst bezeichnen sich die Anhänger der Bewegung als Neoreaktionäre, auch NRx abgekürzt. Zu ihren Ideengebern gehört auch die philosophische Theorie des Akzelerationismus.

Diese Denkschule will den technologischen Fortschritt immer weiter beschleunigen - bis die gegebene Ordnung zusammenbricht.

Das könnte auch aus der Feder eines linken Philosophen stammen. In der Spielart des rechten Autoren Nick Land wird daraus aber “Rassismus, der aus der Zukunft kommt”, wie er selbst schreibt.

“In der ultimativ spezialisierten Gesellschaft der Hypertechnologien können nur noch die intelligentesten und durchsetzungsstärksten Individuen in die Eliten aufsteigen”, berichtet die Wochenzeitung “Zeit” über den rechten Akzelerationismus von Land.

So solle ein “neuer Mensch” geschaffen werden. Während die Nationalsozialisten ihre Rassenphantasien vom Ariergeschlecht mit Mythologie begründeten, glauben die Neoreaktionären an den Fortschritt und die Selbstoptimierung - an Übermenschen und Cyborgs.

"CEO-King von Amerika"

Auch die Neoreaktionären träumen also von Rassenzucht und Eugenik. Aber nicht umgesetzt durch Massenmord, wie ihn die Ideologie der Nationalsozialisten es vorsah, sondern vielmehr durch Pränataldiagnostik oder gar gleich nanotechnische Implantate.

Nicht zufällig sind diese Ideen in einer Gegend der Welt beliebt, die wie keine andere für den technologischen Wandel steht: das Silicon Valley.

Ein wichtiger Vertreter der Neoreaktionäeren ist der in San Francisco lebende Software-Ingenieur Curtis Yarvin, berichtet die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. Er fasst den liberalen Mainstream unter dem Begriff der “Kathedrale” zusammen, die es gelte, zum Einsturz zu bringen.

Die Demokratie möchte er durch eine Monarchie ersetzen. Und deren König? Unlängst hat Yarvin Tesla-Chef Elon Musk als “CEO-King von Amerika” vorgeschlagen.

Der rechte Akzelerationismus passt zu Tesla, Facebook und Co.

Überhaupt, findet die “Zeit”, passen die Ideen der Neoreaktionären gut zu der Art und Weise, wie Tesla, Facebook und die anderen Digital-Giganten geführt werden. Denn was sei Facebook anderes als ein monarchisches System, bei dem Gründer Mark Zuckerberg das Sagen hat? “Seine Eliten und er können jedenfalls von niemandem mehr abgewählt werden”, lautet das Fazit der “Zeit”.

Die “FAZ” berichtet dagegen, man solle den Einfluss “dieser esoterisch-rassistischen Internetzirkel (...) nicht übertrieben groß veranschlagen”. Ihre Existenz allerdings sei beunruhigend.

Ihr Auftreten zeigt zumindest eines: Die rechten Bewegungen der vergangenen Jahre sind vielfältig.

Die Identitäre Bewegung etwa unterscheidet sich von Aussehen und Auftreten kaum von linken Aktivisten. Wer sich mit ihren Aussagen und Zielen auseinandersetzt, wird jedoch schnell eines besseren belehrt.

Die Reaktionären dagegen stehen dem linken Denken in der Theorie scheinbar näher. Aber ihre Ideologie trägt deutlich faschistische Züge - und größenwahnsinnige.

So träumt Nick Land, der rechte britische Philosoph, auch vom Weltall. Dahin sollen die Eliten der Zukunft aufbrechen. Der Rest solle, wie die “Zeit” zitiert, als Abfall auf der verwüsteten Erde zurückbleiben.

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(jg)

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