Nach Hochhausbrand in London: Labour-Chef Jeremy Corbyn wirft Konservativen Mitschuld vor

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LONDON
In London stand ein Hochhaus in Flammen, mindestens zwölf Menschen verloren ihr Leben. | Toby Melville / Reuters
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  • Mindestens zwölf Menschen kamen bei einem Großbrand in London ums Leben
  • Nun fordert Labour-Chef Jeremy Corbyn politische Konsequenzen
  • Der Politiker wirft den Konservativen eine Mitschuld an der Tragödie vor

Dramatische Szenen haben sich im Londoner Stadtteil North Kensington abgespielt: Das Hochhaus Grenfell Towers steht lichterloh in Flammen. Dichter, beißender Rauch vernebelt die Sicht. Augenzeugen berichten von schreienden Menschen. Trümmerstücke regnen auf die Rettungskräfte nieder. Ein Feuer-Inferno versetzt London in Schrecken.

Und jetzt zeigt sich: Das Feuer wird politische Konsequenzen haben. Das sind die wichtigsten Nachrichten aus London:

1. Labour-Chef Jeremy Corbyn greift die Konservativen an

Für Jeremy Corbyn, Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei, ist klar: Sparzwang und gekürzte öffentliche Ausgaben waren ein Grund dafür, dass es zum Feuer kam. "Wenn wir das Budget von den lokalen Behörden kürzen, dann müssen wir irgendwann auch die Kosten dafür tragen", sagte Corbyn im britischen Fernsehen.

Jetzt müssten ehemalige Regierungsmitglieder hinstehen und sich den unangenehmen Fragen stellen, forderte der Labour-Politiker. Diese hätten es versäumt, für angemessene Brandschutzbestimmungen zu sorgen. Das gelte auch für Gavin Barwell, den Premierministerin Theresa May jüngst zum Chefberater ihrer Regierung ernannt hat.

Barwell wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Minister für den Wohnungsbau nicht genügend für den Schutz vor Feuer getan zu haben. Ganze vier Jahre lang habe er es versäumt, die entsprechenden Bestimmungen zu überarbeiten. Trotz Warnungen der Lokalbehörden, dass dadurch Brandkatastrophen ermöglicht würden.

Jeremy Corbyn wirft den Konservativen vor, sie hätten nach einer Feuertragödie im Jahre 2009 zu wenig unternommen, um in Zukunft ähnliche Katastrophen zu verhindern. "Es braucht klar eine Sprinkleranlage in solchen Hochhäusern", forderte Corbyn.

2. Corbyn verlangt Antworten

Der Labour-Führer fordert eine Überprüfung der Anzahl Feuerwehrleute. "Wir müssen sicherstellen, dass sie genügend Leute haben", sagte Corbyn. In den vergangenen Jahren wurden im Zuge von Sparmaßnahmen zahlreiche Stellen in der Feuerwehr gestrichen. Seit 2010 sind die Konservativen in der britischen Regierung. Die Tories zwangen dem Land ein hartes Spardiktat auf.

Zudem will Corbyn schärfere Regeln beim Feuerschutz: "Es braucht sehr strenge Feuerschutzbestimmungen, die es bereits teilweise gibt. In bewohnten Hochhäusern, die noch nicht über eine Sprinkleranlage verfügen, muss aber unbedingt eine solche eingebaut werden."

Damit griff Corbyn klar den konservativen Politiker Brandon Lewis an. Dieser sagte im Jahr 2014, als er Minister für den Wohnungsbau war, in einer Rede vor dem britischen Unterhaus: "Wir sind der Meinung, es liegt an den Unternehmen und nicht am Staat, für einsatzbereite, zahlreich installierte Sprinkleranlagen zu sorgen."

3. Premierministerin Theresa May steht unter Druck

Die britische Premierministerin Theresa May sagte, "sie sei tief betroffen von den tragischen Todesfällen".

Mindestens zwölf Menschen verloren bei dem Feuer ihr Leben. Zahlreiche Menschen wurden ins Spital eingeliefert, einige sind weiterhin in kritischem Zustand.

May versprach eine "gründliche Untersuchung" des Feuers und dessen Ursachen. Zeige die Untersuchung, dass Handlungsbedarf seitens der Politik bestünde, werde man die notwendigen Schritte einleiten.

Die Premierministerin steht unter Druck. Vergangene Woche hat sie ihre Partei in ein Wahldebakel geführt. Jetzt muss sie sich von Oppositionsführer Jeremy Corbyn vorwerfen lassen, die Tories trügen möglicherweise eine Mitschuld an der Feuerkatastrophe.

4. Zahlreiche weitere Gebäude sind ungenügend geschützt

Theresa May und ihre Partei stehen in der Kritik und müssen nun zeigen, was sie in Zukunft gegen solche Feuerkatastrophen unternehmen wollen. Dabei zeigt sich, dass viele Gebäude in Großbritannien nur ungenügend geschützt sind.

So warnte Jim Fitzpatrick, Labour-Parlamentarier und Vorsitzender eines Ausschusses für den baulichen Schutz vor Feuer, der Grenfell Tower sei kein Einzelfall gewesen. Ganze 4.000 ähnliche Wohntürme im ganzen Land hätten ebenfalls keine geeignete Sprinkleranlage installiert.

Fitzpatrick sagte zu "HuffPost UK", er und andere Parlamentsmitglieder hätten seit Jahren auf diesen Missstand hingewiesen. Doch unter den regierenden Konservativen seien diese Warnungen als übertrieben abgetan worden.

Seit vier Jahren habe man ihm jeweils nur geantwortet "Ja, Ja, wir kümmern uns dann darum".

Bis es zu spät war.

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