Die weltweite Kohleförderung ist stark eingebrochen - doch Umweltschützer können (noch) nicht aufatmen

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POLLUTION COAL
Gerade in China ist die Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke ein großes Problem. | NICOLAS ASFOURI via Getty Images
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  • Die Menge an weltweit geförderter Kohle ist im Jahr 2016 stark eingebrochen
  • Dafür ist in erster Linie die Politik Chinas verantwortlich
  • US-Präsident Trump hat versprochen, sein Land werde wieder voll auf Kohle setzen
  • Doch Trump hat dabei einen unnachgiebigen Gegenspieler: Einfachste volkswirtschaftliche Zusammenhänge

Kohle ist der umweltschädlichste Energieträger überhaupt für das Klima unseres Planeten. Doch jetzt gibt es eine erfreuliche Meldung für jeden Klimaschützer: Die Energiefirmen förderten im vergangenen Jahr 6,2 Prozent weniger Kohle als noch 2015. Das sei der stärkste je registrierte Rückgang, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters".

Wenn es um das Thema Kohle geht, richten sich jeweils alle Augen auf China. Das Riesenland ist der bedeutendste Kohleförderer. Chinas Milliardenbevölkerung sowie die energiehungrige Industrie verschlingen jedes Jahr mehr Kohle als alle anderen Länder der Welt - und deshalb lag es auch an China, dass die Kohleförderung 2016 einbrach.

China ließ die Fördermenge absichtlich einbrechen

Denn China beschränkte per Gesetz die Anzahl Arbeitstage der in den Minen arbeitenden Chinesen. Dadurch sank die Fördermenge. Was zuerst nach einer wenig ratsamen Politik für ein energiehungriges Land kling, hat laut "Reuters" zwei gute Gründe:

► China wollte das Angebot an Kohle reduzieren, um so den Preis in die Höhe zu treiben.

► Und: Gerade in Millionenstädten wie Peking ist die Luft stark verschmutzt. China will deshalb seine Abhängigkeit von der stark schädlichen Kohle reduzieren und möglichst auf erneuerbare Energiequellen setzen.

Zudem erlebte das Land im Vorjahr einen milden Winter und einen warmen Sommer, was die Nachfrage nach Heizkohle einbrechen ließ.

Doch es gibt auch schlechte Nachrichten für Umweltschützer. 2017 könnte die Fördermenge sowie der Konsum von Kohle wieder stark ansteigen. Denn Chinas Plan, die Menge an geförderter Kohle zu beschränken, war nicht nur erfolgreich für das Land, berichtet "Reuters".

Der Staat musste den Energieträger wieder verstärkt aus dem Ausland einführen, wurde von den ausländischen Anbietern abhängig. Zudem gefällt es den wichtigen Industriebetrieben aber auch der Bevölkerung wenig, wenn plötzlich ein bedeutender Energieträger viel mehr kostet als zuvor.

Um das in Zukunft zu verhindern und sicherzustellen, dass Chinas Nachfrage nach Kohle möglichst aus dem eigenen Land gedeckt wird, entschieden sich die Machthaber in Peking jüngst für eine Kehrtwende: Nun ist den Minen wieder erlaubt, ordentlich Kohle zu fördern.

Kohle ist und bleibt einfach zu billig

Im Monat Mai sei die Menge an in China gewonnener Kohle um ganze 12 Prozent in die Höhe geschnellt, schreibt "Reuters". Das zeigt: China will sich längerfristig zwar von der Kohle abwenden und auf Wasser, Wind und Sonne setzten. Doch kurzfristig fällt es schwierig, von dem preiswerten Energieträger loszukommen.

Wenig besser sieht es in den USA aus. Zwar konsumierten die Amerikaner im Vorjahr klar weniger Kohle als noch 2015. Doch Präsident Trump ist auch mit dem Versprechen angetreten, die darbenden Kohleindustrie wieder zu beleben.

Er hat den Amerikanern zugesichert, er werde tausende von neuen Jobs in der Branche schaffen. "Wir bringen unsere Kumpel wieder zurück an ihren Arbeitsplatz", sagte er etwa. Und: Seine Regierung werde den "Krieg gegen die Kohle" bekämpfen.

Natürlich macht das volkswirtschaftlich wenig Sinn. Nur zwei Promille aller Amerikaner arbeiten noch in der Branche. Kohle kann heute Dank dem Einsatz von modernen Maschinen gefördert werden, ohne dass zahlreiche Arbeiter beschäftigt werden müssen. Und ohne dass Menschen bei Unglücken ums Leben kommen oder nach Jahren in den Minenschächten an Staublungen sterben.

Wasserturbinen und Solar-Anlagen schaffen auch "Jobs"

Viel sinnvoller wäre es, auf die zukunftsträchtigen erneuerbaren Energieträger zu setzen, welche bereits tausende von Arbeitsplätze schaffen.

Doch Trump hat seinen Worten bereits Taten folgen lassen. Trotz weltweiten Protesten will er aus dem Pariser Klimaabkommen austreten, welches auf erneuerbare Ressourcen statt fossile Energieträger setzt. Zudem weichte er Umweltschutzgesetze auf, welche die Verschmutzung der Natur durch die Förderung von fossilen Energieträgern verhindern sollten.

"Make coal great again"

Deshalb werden die USA wieder verstärkt auf Kohle setzten, zumindest solange Trump noch einige Zeit Präsident bleibt, was angesichts der immer weiter fortschreitenden Russlandermittlungen nicht selbstverständlich ist.

Doch Trump hat bei seinem Plan, die Kohle wieder "groß" zu machen, einen bedeutenden - und unerbittlichen - Gegenspieler: Elementare volkswirtschaftliche Zusammenhänge. Denn erneuerbare Energieträger etablieren sich weltweit immer mehr. Zahlreiche Staaten setzen auf Wind, Wasser und Sonne, fördern Forschungsprojekte, sprechen Subventionen.

Erneuerbare werden immer preiswerter

Die Preise für neuen Energieträger sind bereits gefallen, der Trend wird sich gemäss Experten weiter fortsetzen. So berichtet etwa die Nachrichtenagentur Bloomberg, durch Photovoltaik-Anlagen gewonnener Strom koste heute nur noch einen Viertel davon, was man 2009 dafür bezahlen musste. Experten rechnen damit, dass sich der Trend zu preiswerterem Strom aus Solar-Anlangen fortsetzen wird:

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Ein ähnlicher Preissturz lässt sich etwa auch bei Windanlagen beobachten.

Das bedeutet: Regierungen, Unternehmen aber auch die Konsumenten haben immer mehr die Möglichkeit, zu einem bezahlbaren Preis an saubere Energie zu kommen. Kohle wird immer unattraktiver, selbst wenn man in der Rechnung die enormen Kosten ausklammert, die Kohle der Umwelt und der Gesundheit der Menschen hat. Experten rechnen deshalb damit, dass in Zukunft weniger Kohle zum Einsatz kommt:

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Darum sieht es derzeit ganz danach aus, dass Kohle zum "Loser", zum großen Verlierer wird. Auch wenn Trump seinen Wählern das Gegenteil verspricht.

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(jg)