"Einer Führungspersönlichkeit nicht würdig": Griechischer Präsident ätzt gegen Schäuble

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOLFGANG SCHUBLE
Finanzminister Wolfgang Schäuble geriet beim Krisentreffen der Eurostaaten in die Kritik. | JAMES LAWLER DUGGAN / Reuters
Drucken
  • Der griechische Präsident appelliert vor einem Krisentreffen der Eurostaaten an den deutschen Finanzminister
  • Er ruft Schäuble dazu auf, die Schuldenerleichterungen nicht weiter zu blockieren

Vor einem neuen Krisentreffen hat der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble dazu aufgerufen, Schuldenerleichterungen nicht weiter zu blockieren.

“Es wäre schade, wenn Wolfgang Schäuble der einzige wäre, der sich nicht an die Absprachen hält”, sagte er dem Handelsblatt am Donnerstag. “Das wäre einer europäischen Führungspersönlichkeit nicht würdig.”

Schulden erlassen, oder nicht erlassen, das ist die Frage

Schäuble und seine Kollegen aus den übrigen Eurostaaten treffen sich am Donnerstag, um über die Freigabe weiterer Hilfskredite für das überschuldete Griechenland zu entscheiden.

Im Juli soll dem bankrotten Staat ein Kredit von 7 Milliarden Euro ausgezahlt werden. Schäuble fordert, dass sich der IWF an den Zahlungen beteiligt. Doch der Währungsfonds will den Griechen zunächst einen Teil der Schulden erlassen - dagegen wehrt sich jedoch der Bundesfinanzminister. Er will erst 2018 prüfen, ob gegebenenfalls Erleichterungen nötig sein könnten.

Mehr zum Thema: Kampf um Athen: In der Griechenlandkrise kommt es zum Showdown zwischen Schäuble und Schulz

Griechenland hat seinen Teil des Abkommens erfüllt


Athen hatte zuletzt mehrere Sparmaßnahmen verabschiedet, die Voraussetzung für die Auszahlung sind. Die wichtigsten Einschnitte: Eine Kürzung der Renten ab 2019 um bis zu 18 Prozent, zudem eine Senkung des jährlichen Steuerfreibetrags ab 2020 um rund ein Drittel.

Ministerpräsidenten Alexis Tsipras versicherte, mit diesem Programm könne Griechenland im Sommer 2018 wieder finanziell auf eigenen Beinen stehen.

"Griechenland hat seine Verpflichtungen erfüllt und die geforderten Reformen beschlossen", sagte Pavlopoulos. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Europäer Zusagen bei den Schuldenerleichterungen einhielten.

"Griechenland wird zum Opferlamm"

Auch Wirtschaftsminister Dimitri Papadimitriou hat kein Verständnis für Schäubles Blockadehaltung. Gegenüber der Zeitung "Die Welt" mutmaßte er, die bevorstehende Bundestagswahl sei der Grund, wieso Schäuble sich gegen die Einigung wehre.

„Griechenland wird zum Opferlamm“, sagte Papadimitriou.

Schäuble solle seinen Wählern erklären, dass Griechenland wirtschaftlich wachsen müsse. "Er kann ihnen dann auch erklären, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Schulden erlassen worden sind", so der Wirtschaftsminister.

Mit Material der dpa.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg