Die Deutschen sind im Job so stark gestresst wie nie zuvor - 5 Unternehmen zeigen, wie es anders geht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
JOB STRESS
Die Deutschen sind im Job so stark gestresst wie nie zuvor - 5 Unternehmen zeigen, wie es anders geht | South_agency via Getty Images
Drucken
  • Trotz Wirtschaftsboom klagen laut einer Studie viele Mitarbeiter in Deutschland über eine starke Belastung im Job
  • 5 Unternehmen zeigen, wie Stress am Arbeitsplatz vermieden werden kann

Die deutsche Wirtschaft boomt, der Dax erreicht Rekordhöhen, die Arbeitslosenzahlen sinken auf fast historische Tiefstände. Doch wo viel Licht ist, ist auch Schatten.

Fast die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer klagt über starke Belastungen im Job. Das geht aus einer neuen Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor.

Mehr zum Thema: Neue Studie zu Burnout am Arbeitsplatz: Diese Zahlen sollten alle Chefs kennen

Demnach lag der Anteil der gestressten Arbeitnehmer in Deutschland über dem Durchschnitt der untersuchten 35 vorwiegend wohlhabenden Industriestaaten. Das Ergebnis überrascht selbst die OECD-Experten. "Grundsätzlich geht höhere Beschäftigung einher mit besseren Arbeitsplätzen", schreiben sie.

Denn eigentlich ist in Ländern mit hoher Beschäftigung die Belastung im Job niedriger, weil sich die Unternehmen stärker um die wenigen verfügbaren Arbeitskräfte bemühen müssten - doch nicht so in Deutschland.

Das Stress am Arbeitsplatz einfach und effizient vermieden werden kann, zeigen diese fünf Unternehmen:

1. Leipziger Software-Unternehmen erlaubt unbegrenzt Urlaub

Ullrich Kastner hat Anfang 2017 jedem seiner etwa vierzig Mitarbeiter erlaubt, so viel Urlaub wie gewünscht zu nehmen - und das zum vollen Gehalt. "Die Auswirkungen des Projekts auf unsere Arbeit sind durchweg gut", schildert Kasnter in einem Beitrag für die HuffPost. Er ist der Chef des Leipziger Unternehmens myhotelshop.

"Ich merke, dass meine Mitarbeiter viel selbstständiger arbeiten. Das erleichtert meine Arbeit als Chef ungemein, denn ich muss immer weniger auf niedrigen Ebenen vermitteln." Zudem kam er zur Erkenntnis, dass die Teams, die im Schnitt mehr Urlaub nehmen, bessere Ergebnisse liefern.

Kastner glaubt, dass allein die Möglichkeit selbstbestimmt über seine Freizeit zu verfügen, das Stresslevel ungemein reduzieren würde.

2. Kommunikationsagentur führt Vier-Tage-Woche ein

Der Geschäftsführer der Berliner Kommunikationsagentur Frische Fische hat bereits im Februar 2015 die Vier-Tage-Woche eingeführt.

Die Mitarbeiter können sich seitdem aussuchen ob sie weiterhin das klassische "fünf Tage à acht Stunden"-Konzept wollen - oder ob sie lieber vier Tage die Woche arbeiten. Dafür dann zehn Stunden pro Tag. So bekommen alle weiterhin 100 Prozent des Gehalts.

Zwar widerspricht der Zehn-Stunden-Tag sämtlichen Studien, nach denen Menschen nur maximal fünf Stunden produktiv sein können. Doch Eppers sagt: "Trotz zehn Stunden Arbeit am Stück konnte ich bisher noch nicht feststellen, dass es zu Fehlern meiner Mitarbeiter gekommen ist." Im Gegenteil: Die Maßnahme würde die Selbstverantwortung der Kollegen fördern und bessere Resultate ermöglichen.

Auch über die körperliche Belastung der längeren Tage habe sich noch kein Mitarbeiter beschwert. Es gebe zwar kein spezielles Gesundheitsprogramm in der Agentur, aber Möglichkeiten, sich mal hinzulegen, so dass niemand zehn Stunden am Schreibtisch sitzen müsse.

3. Start-Up ohne fixe Stellen

Auch das Berliner Jobsharing-Startup Tandemploy bietet seinen Mitarbeitern eine Vier-Tage-Woche. Allerdings sind die Aufgaben nicht nach Stunden aufgeteilt, die Stellen sind komplett flexibel. Keiner der Mitarbeiter hat eine fixe Stelle.

"Wir haben alle Vollzeitstellen mit einer 40-Stunden-Woche abgeschafft und niemand von uns vermisst sie", sagt Geschäftsführerin Jana Tepe.

"Wir wollten unseren ganz pragmatischen und konkreten Beitrag dazu leisten, dass unsere Arbeitswelt ein flexiblerer und lebensfreundlicherer Ort wird, dass Arbeit wieder ins Leben der Menschen passt – und nicht andersherum", heißt es auf der Unternehmenswebsite.

Außerdem gewährt Tandemploy nach eigenen Angaben seinen Mitarbeitern in Berlin die bayerischen Feiertage. Das heißt: Vier freie Tage mehr im Jahr.

Mehr zum Thema: Dieses Berliner Unternehmen hat die 40-Stundenwoche abgeschafft - das ist passiert

4. Ingenieurbüro diskutiert im Vornherein über mögliche Belastungen

Genauso tiefgründig wie über die eigentlichen Projekte diskutiert Kora Lohe in ihrem Ingenieurbüro in Köchingen bei Hannover mögliche Belastungsspitzen und Konflikte mit ihren 14 Mitarbeitern.

In beiden Feldern sucht das Team nach gemeinsamen Lösungen. Selbst in den heißen Phasen eines Projektes gebe es "Stille Stunden" für ungestörte Büroarbeit, erzählt die Inhaberin der "Zeit".

Nach einem Projektabschluss werde gemeinsam gefeiert. Zugleich werde den Mitarbeitern nach Stressphasen zeitnah freie Zeit zugesprochen.

5. Regionalbank kombiniert mehrere Ansätze

Die Raiffeisenbank Nordeifel entwickelte laut "Zeit" bereits vor Jahren ein Anti-Stress-Programm für ihre Mitarbeiter.

Ausgehend von den jeweils eigenen Bedürfnissen konnte jeder aus allen Formen von Teilzeitlösungen, Sabbaticals und Home-Office-Arbeitsplätzen auswählen. Zusätzlich gibt es eine Gesundheitsförderung, die auch die seelische Balance einschließen soll.

Die Zufriedenheit im Unternehmen soll so groß sein, dass Fachkräfte sogar extra in die Provinz ziehen, schreibt die "Zeit".

Mehr zum Thema: 7 Tipps, um besser mit Stress im Job klarzukommen

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(ll)

Korrektur anregen