Auf die Schießerei in München-Unterföhring reagiert ein Piraten-Politiker mit menschenverachtendem Tweet

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Piraten-Politiker reagiert mit menschenverachtenden Tweet auf die Schießerei in München-Unterföhring | Piratenpartei/Screenshot
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Binnen kurzer Zeit ist die Situation am Dienstagmorgen eskaliert: Polizisten wurden zu einer Rangelei am S-Bahnhof Unterföhring bei München gerufen.

Ein Mann entriss einem Polizisten die Waffe und schoss um sich. Eine Polizistin wurde am Kopf getroffen, sie kämpft noch immer um ihr Leben. Auch Passanten wurden verletzt.

Piraten-Politiker veröffentlicht menschenverachtenden Tweet

Ein Politiker der Piratenpartei kommentierte das Drama mit einem menschenverachtenden Tweet:

"So ein Tag, so wunderschön wie heute. Weg mit dem Bullendreck. Ich mach mal den Champus auf." Dazu schrieb er das Kürzel "ACAB". Dieses steht für "All Cops Are Bastards" ("Alle Polizisten sind Bastarde") und ist eine Parole, die von sowohl von Links- als auch Rechtsradikalen, aber auch von Hooligans und Ultras verwendet wird, um Polizisten zu beleidigen.

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Der Account gehört dem Potsdamer Piratenpolitiker Thomas Goede. Nachdem andere Twitter-Nutzer den Kommentar kritisiert hatten, löschte ihn der Politiker. Aber von später Einsicht keine Spur: "Viele finden die Reaktion scheiße, aber keiner macht sich Gedanken, warum sowas entsteht. Menschen halt.“

Der Piraten-Politiker kandidiert für den Bundestag

Brisant: Der 29-Jährige kandidiert im September auf der Brandenburger Landesliste der Partei für den Bundestag. Parteimitglieder zeigten sich fassungslos über den Tweet. So schrieb der stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei, Carsten Sawosch: "Ich werde alles dransetzen, dass die Piratenpartei schnellstens ein Mitglied weniger haben wird! Der Polizistin drücke ich alle Daumen ..."

Tatsächlich reagierte die Partei umgehend. Noch in der Nacht zu Mittwoch veröffentlichte der Landesverband in Brandenburg eine Mitteilung, in der sie sich von der Äußerung "ausdrücklich distanziert".

"Es ist in keiner Weise zu akzeptieren, wenn gefeiert wird, dass ein Mensch schwer verletzt wurde und erst recht nicht, wenn dies in der Ausübung des Polizeidienstes geschieht." Zugleich unterstreicht die Partei die wichtige Funktion der Polizei für die Gesellschaft.

Goede tritt von allen Ämtern zurück - kandidiert aber weiter

Goede sei noch am Dienstagabend vom zuständigen Stadtverband Potsdam befragt wurden. Daraufhin sei er von all seinen Ämtern zurückgetreten, teilte die Piratenpartei mit. Er habe zudem freiwillig auf weitere Auftritte in der Öffentlichkeit verzichtet - erkennbar am bekannten Twitteraccount. Dieser ist mittlerweile nicht mehr für Außenstehende einsehbar.

Dennoch kandidiert Goede auch weiterhin für den Bundestag - wenn auch auf dem letzten Platz der Landesliste.

Das Problem: Die Liste ist schon längst beschlossen. Würde der Politiker von der Liste gestrichen, müssten die Piraten noch einmal von vorn mit dem Sammeln der 2000 Unterschriften beginnen, die sie für die Zulassung zur Wahl benötigen. Dafür hat die Partei bereits 500 gesammelt.

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(sk)