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14/06/2017 20:37 CEST | Aktualisiert 15/06/2017 01:49 CEST

71 Flüchtlinge in Kühllaster erstickt: Recherchen enthüllen, dass die Tragödie zu verhindern gewesen wäre

Heinz-Peter Bader / Reuters
71 Flüchtlinge in Kühllaster erstickt: Recherchen enthüllen, wie die ungarischen Behörden versagt haben

  • Laut einem Medienbericht wäre der Tod von 71 Flüchtlingen in einem Kühllaster im August 2015 zu verhindern gewesen

  • Die ungarischen Behörden hatten die Schlepperbande schon Wochen vorher abgehört

  • Die Gespräche wurden offenbar nicht rechtzeitig übersetzt

Im August 2015 haben Polizisten einen grausigen Fund gemacht: In einem Kühllaster entdeckten sie 71 Tote. Die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan waren im engen Frachtraum erstickt, die Schleuser hatten ihre Hilferufe ignoriert.

Recherchen von NDR, WDR und der "Süddeutschen Zeitung" zeigen nun: Die Tragödie hätte wohl verhindert werden können. Denn die Behörden in Ungarn hatten den Schlepperring schon Wochen vorher beobachtet und auch Telefonate seiner Mitglieder abgehört.

Das gehe aus Ermittlungsakten hervor. Sie bilden die Grundlage für den am 21. Juni in Ungarn beginnenden Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen der Tragödie.

Die Schlepper brachten Flüchtlinge regelmäßig in Lebensgefahr

Die Gesprächsprotokolle würden belegen, dass die Schlepperbande die Flüchtlinge bei den Schleuserfahrten in Lkws und Kühllastern regelmäßig in akute Lebensgefahr brachte.

Klopfzeichen von Geschmuggelten hatten die meist bulgarischen Fahrer auf Geheiß der Bandenführer ignoriert. Auch die Gespräche, die ein Begleiter des Todes-Lkws mit dem afghanischen Drahtzieher führte, wurden aufgezeichnet.

Der Chauffeur dürfe die Ladetür des Lasters in keinem Fall öffnen, soll der Afghane dem Begleiter gesagt haben. "Falls die Leute sterben sollten, dann soll er sie in Deutschland im Wald abladen."

Ungarische Behörden griffen nicht ein

Dennoch griffen die ungarischen Behörden nicht ein. Der Recherche-Verbund zitiert einen Sprecher der zuständigen ungarischen Staatsanwaltschaft, wonach die Zeit dafür gefehlt hätte, um die Gespräche rechtzeitig zu übersetzen und auszuwerten.

Die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan waren bereits während der Fahrt noch auf ungarischem Gebiet gestorben. Der Lkw war auf einer Autobahn bei Parndorf in Österreich gefunden. Der Fall hatte weltweit große Bestürzung ausgelöst.

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(poc)

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