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14/06/2017 00:21 CEST | Aktualisiert 14/06/2017 02:19 CEST

Künstlerin in Hamburgs Nobelviertel protestiert mit makaberer Aktion gegen Flüchtlinge

Philipp Woldin/ Twitter
Der Sarg stand nur wenige Stunden in Eppendorf.

  • Im Hamburger Stadtteil Eppendorf erregt derzeit eine provokante Kunstaktion die Gemüter

  • Mit einem schwarzen Sarg protestierte eine Hobby-Künstlerin gegen die Unterbringung von Flüchtlingen

  • Der zuständige Bezirksamtsleiter sagt, die Behörden seien "hinters Licht geführt worden"

Ein schwarzer Sarg steht mitten im Hamburger Nobelstadtteil Eppendorf. Darauf ist eine Trauerschärpe drapiert. Auf der steht: "Opfer Rot/Grüner Borniertheit". Und weiter ist darauf zu sehen: "Wieder weniger Grünfläche im innerstädtischen Bereich".

Die von einer Hobby-Künstlerin am Samstagabend eingerichtete Installation sorgt für Empörung. Denn auf der Grünfläche soll in Zukunft eine Flüchtlings-Unterkunft stehen. Die Kunst-Installation, die mittlerweile wieder abgebaut wurde, ist als Protest dagegen zu sehen.

Auch Eppendorf soll Flüchtlinge aufnehmen

Bislang musste das Nobelviertel Eppendorf im Gegensatz zu weit ärmeren Stadtvierteln keine Flüchtlinge aufnehmen. Doch der Hamburger Senat verfolge das Ziel, die Flüchtlingsunterbringung auf die ganze Stadt zu verteilen, schreibt die Nachrichtenseite "Focus Online". Auch Eppendorf soll seinen Teil leisten.

Noch gibt es keinen einzigen aufgenommenen Flüchtling in Eppendorf. Doch das soll sich ändern, 104 Menschen sollen in der Nobelgegend einziehen. Dagegen regt sich Widerstand - der nun als schwarzer Sarg auf groteske Art und Weise zum Ausdruck kam.

Hamburger Behörde fühlt sich hintergangen

Das Hinterhältige an der Kunstinstallation: Diese war zwar bei den Behörden angemeldet. Doch, wie "Focus Online" berichtet, glaubten die, "eine Kiste mit Kunstrasen" würde aufgestellt.

"Wir sind perfide hinters Licht geführt worden", sagte Bezirksamtsleiter Harald Rösler zu "Focus Online". "Letztlich war das Vorspielen falscher Tatsachen. Klar ist, dass uns das nie wieder passieren darf."

Der Sarg steht nun nicht mehr in Eppendorf. Bereits nach wenigen Stunden wurde er entfernt. Doch auch wenn er nicht mehr dort ist, erzürnt er weiter die Gemüter.

"Es scheint etwas dran zu sein an der These, dass Stadtteile mit weniger Privilegien, mit weniger begüterter Bevölkerung, mit bescheideneren Wohnungen, mit weitgehendem Verzicht auf Luxus – dass sie ein offeneres Herz haben für jene, die noch weniger haben als sie selbst", sagte Rösler.

Gegen "wutschnaubende Mitbürger"

Der Stadtteil Eppendorf müsse sich jetzt klar gegen die "wutschnaubenden Mitbürger" und für mehr Mitgefühl einsetzen. Die Provokation entfachte auch in den sozialen Netzwerken eine Debatte darüber, ob die Kunst-Aktion gerechtfertigt war oder nicht.

Für diesen Twitter-Nutzer zeigt die Aktion, dass einige in Eppendorf nun endgültig durchdrehten:

Dieser Nutzer schreibt auf Twitter, die Protestaktion sei "beschämend".

Einige hielten sich nicht zurück und verwiesen darauf, dass in Eppendorf die Vermögenden von Hamburg leben:

Dieser Twitter-Nutzer wollte mit Sarkasmus darauf hinweisen, wie gut es den Menschen in Eppendorf im Vergleich zu den Flüchtlingen geht:

So scheinen die Menschen aus Eppendorf auch durch ihren Kleidungsstil auf ihr Vermögen hinweisen zu wollen:

Größtenteils sprachen sich die Menschen in den sozialen Medien gegen die Aktion aus. Doch der eine oder andere zeigte auch Unterstützung für die Provokation:

Der Sarg ist entfernt. Doch die Provokation bleibt. Die Debatte darüber, wer wieviele Flüchtlinge aufnehmen soll, geht weiter.

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