LIFESTYLE
14/06/2017 17:45 CEST | Aktualisiert 15/06/2017 11:18 CEST

Aldi Süd verkauft Bio-Eier - die Bilder der Legehennen werdet ihr so schnell nicht vergessen

istock
Bio-Eier kosten bei Aldi doppelt so viel wie Eier aus Bodenhaltung - doch die Hühner werden nicht so gehalten, wie der Konsument sich das vorstellt

Beim Wort Bodenhaltung denkt der aufgeklärte Verbraucher unwillkürlich an dicht gedrängte Hennen, übereinander gestapelte Käfige und kranke Tiere. Viele greifen daher zum Wohle der Tiere gerne etwas tiefer in die Tasche und kaufen die oft doppelt so teuren Bio-Eier.

Zumindest beim Discounter Aldi-Süd bekommt der Konsument beim Kauf von Bio-Eiern jedoch nicht das, was ihm versprochen wird, wie der SWR in der gestrigen Folge von Marktcheck nun aufdeckte.

Videos zeigen Tierkadaver und Elektroleitungen

Bereits im Mai 2017 hatte die Marktcheck Redaktion Videomaterial von Tierschützern erhalten. Diese hatten die teilweise erschreckenden Zustände auf Hühnerfarmen in den Niederlanden gefilmt: Zu sehen sind riesige Legebatterien, in denen sich unzählige Tiere dicht an dicht drängen.

Außerdem fanden die Tierschützer zahlreiche Tierkadaver und verbotene Elektroleitungen vor, die die Tiere am Auslauf hindern. Diese Bilder sind an sich erschreckend genug. Doch tatsächlich stammen aus teilweise genau diesen Betrieben die von Aldi als Bio deklarierten Eier.

Die Hühner drängen sich dicht an dicht

Der SWR kaufte in zehn zufällig ausgewählten Aldi-Süd-Filialen Bio-Eier ein und überprüfte deren Herkunft anhand des auf die Eier aufgedruckten Codes. Mit diesem kann man genau zurückverfolgen, woher die Eier stammen.

Dabei stellte sich heraus: Die Eier stammten unter anderem aus genau jenen Betrieben, aus denen der SWR das Videomaterial erhalten hatte.

Mehr zum Thema: So stark wirkt sich die Haltung von Hühnern auf die Qualität ihrer Eier aus

Der Besuch zweier dieser Hühnerfarmen in den Niederlanden bestätigte den bösen Verdacht: Denn obwohl nach Vorgaben der EU maximal sechs Hennen pro Stallquadratmeter gehalten werden dürfen, drängen sich in Maarsbergen die Hühner dicht an dicht.

swr

Bio bedeutet auf dem Hof in Maarsbergen Massentierhaltung

Die Betriebe halten sich nicht an die Richtlinien des EU-Bio-Siegels

Dort herrscht eindeutig das Konzept der Massentierhaltung und die Betriebe halten sich nicht an die Richtlinien des EU-Bio-Siegels. Dieses schreibt vor, dass pro Hektar höchstens 230 Legehennen gehalten werden dürfen.

Zudem sollte jedes Huhn diesen Vorgaben zufolge über vier Quadratmeter Auslaufsfläche verfügen. In den vom SWR besuchten Betrieben jedoch waren die Klappen zum Auslaufsgelände geschlossen. Kein einziges Huhn war draußen zu sehen. Laut Kat, dem Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen, ist das bei Biobetrieben verboten.

Offensichtlich werden die Hühner durch eigentlich verbotene Stromleitungen daran gehindert, sich zu bewegen und durch die Hühnerklappen ins Freie zu gehen. Auf Nachfrage der Reporter auf der Hühnerfarm in Maarsbergen wurde angegeben, dass diese Leitungen schon lange nicht mehr in Betrieb seien - das vorsichtige Verhalten der Tiere ließ jedoch auf Anderes schließen.

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Aldi will die Angaben prüfen

Auf der Hühnerfarm in Lunteren, auf der täglich 9000 Bio-Eier für Aldi produziert werden, fanden sich zudem zahlreiche verwesende Hühnerkadaver in Mülltonnen. Auch das ist verboten.

Als der SWR Aldi-Süd mit seinen Recherchen konfrontierte, versprach das Unternehmen, die Angaben zu prüfen und gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen.

Die Betriebe, die für Aldi-Süd produzieren, betreiben ihre Hühnerfarmen eindeutig außerhalb der Richtlinien des EU-Bio-Siegels. Doch auch dessen Vorgaben sind nicht allzu strikt.

In Deutschland haben sich einzig die Verbände Naturland, Bioland und Demeter strengere Vorgaben gesetzt, um so das Wohl der Tiere zu garantieren. Legt der Konsument also Wert auf “echte” Bio-Eier, sollte er sich besser bei deren Produkten bedienen.

Hier kannst du die ganze Sendung "Die Mähr von glücklichen Hühnern" sehen.

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(mm)