Eckart von Hirschhausen fasst bei "Hart aber fair" die Pflege-Katastrophe perfekt zusammen

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ECKHARDT VON HIRSCHHAUSEN
Der Medizin-Journalist Eckart von Hirschhausen bei "Hart aber fair" | ZDF
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Endstation Altenheim: Unter dem Titel "Waschen, pflegen, trösten - wer kümmert sich um uns, wenn wir alt sind?" ging es gestern bei "Hart aber fair" um eines der wichtigsten gesellschaftlichen Themen - den Pflegenotstand.

Denn Deutschland steht vor einem demographischen Problem: Der Altersdurchschnitt der Gesellschaft wird immer größer. Die Jahrgänge der Baby-Boomer erreichen das Rentenalter. Ihnen stehen aber immer weniger jüngere Menschen gegenüber, die sie pflegen können oder müssen.

Noch leben die wenigsten alten Menschen in Deutschland im Heimen. Der größte Teil wird von Angehörigen oder dem ambulanten Pflegedienst betreut - nur 27 Prozent leben in Altersheimen.

Dort werde immer wieder gegen den Willen der Pflegebedürftigen gehandelt - und oft komme es auch zu Gewalt, berichtet bei "Hart aber fair" der Pfleger Ante Caljkusic. "Die Pflegekräfte sind einem System ausgeliefert, das die Gewalt provoziert", sagt er. Zu Übergriffen komme es, wenn das Personal überfordert sei. "Ich bin fassungslos, dass die Politik diese Situation nicht verändert."

Eckart von Hirschhausen fasst die Notlage in zwei Sätzen zusammen

"Pflegekräfte und pflegende Angehörige sind Helden des Alltags!", sagt der Mediziner und Moderator Eckart von Hirschausen. Die Politik habe sich in zu wenig um die Pflegenden gekümmert. In zwei Sätzen fasst er die dramatische Situation zusammen.

"Wir haben den Berufsstand in den letzten 20 Jahren gegen die Wand fahren lassen. Wenn Piloten streiken, kommt man ein paar Tage nicht von A nach B. Wenn die Pfleger streiken, kommt kein Pflegebedürftiger nicht mehr vom Bett auf’s Klo!" Das sei viel schlimmer, so der Mediziner.

Auch die Medizinjournalistin Anette Dowideit kann von ihren Recherchen in deutsche Altenheimen nicht viel Mutmachendes berichten. "Man fühlt sich in seiner Würde abgeschnitten, weil man nichts alleine machen kann." Sie könne verstehen, wenn Menschen sagen 'Ich möchte das nicht!'. Auch sie stimmt dem Pfleger Caljkusic zu, dass der Stress des Personals zu Gewalt führe. Schließlich seien viele Stellen in den Heimen nicht besetzt.

Die Alternative zum Heim ist die Pflege durch Verwandte. Das hat Studiogast Susanne Hallermann gemacht. Mehrere Jahre pflegte sie ihre Oma. Doch dazu musste weniger arbeiten und schließlich kündigen. Sie rutschte ins Arbeitslosengeld 2 ab. "Wer zuhause pflegt, landet in der Armutsfalle", sagt sie.

Mehr zum Thema: Pflege in den eigenen 4 Wänden - und woran es öfter scheitert

Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste und Heimbetreiber, verteidigt dagegen die Altenheime. Man versuche im Rahmen des Möglichen, auf Bedürfnisse einzugehen. "Mit den Regelungen, wie viel Personal ein Pflegeheim bekommt, da stoßen wir an Grenzen", sagt er.

SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach will tanzen lernen

Den Hauptgrund, warum Menschen in Heimen landen, sieht der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der Demenz. "80 Prozent der Menschen in Pflegeheimen sind an Demenz oder einer Vorstufe erkrankt", sagt er. Entscheidend sei also das Vermeiden von Demenz - und dafür sei geistige sowie körperliche Aktivität notwendig.

"Tanzen wirkt der Demenz am stärksten entgegen", behauptet er. Er selbst werde im Alter noch Tanzen lernen.

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(jg)

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