Bei keinem Rettungsteam auf der Welt gehen mehr Notrufe ein als bei diesen Berlinern – so sieht ihr Alltag aus

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Es ist ein ganz normaler Donnerstagmorgen. Die Vögel zwitschern und die ersten Sonnenstrahlen fallen auf die Helikopter-Rettungsstation "Christoph 31" in Berlin.

Die Retter aus der Luft wissen noch nicht, was sie heute erwartet. Ein schwerer Autounfall, ein verletztes Kind oder ein verunglückter Waldarbeiter?

All diese Gedanken gehen dem Notarzt, dem Rettungsassistenten und dem Pilot durch den Kopf, während sie beim gemeinsamen Frühstück auf den ersten Notruf warten.

Wenn sie gerufen werden, verändert sich häufig ein Leben um 180 Grad. Die Retter werden Zeuge von Tod und Trauer. Sie blicken immer wieder in tragische Schicksale.

Die Retter sind hoch konzentriert. Für den Piloten stehen die Wetter-Verhältnisse und alles rund um den Helikopter im Vordergrund.

Der Arzt und der Rettungsassistent planen die medizinische Versorgung der Patienten. Diese Trennung der Aufgaben führt in Verbindung mit der Erfahrung der Beteiligten zu einer so gut wie fehlerfreien Zusammenarbeit.

"Wir haben so viel erlebt, aber jeder Tag ist anders"

In der Luftrettung kann alles passieren, die Crew muss auf jede Situation vorbereitet sein - gerade in einer so vielfältigen und kuriosen Stadt wie Berlin. "Wir haben schon so viel erlebt, aber jeder Tag ist anders", sagt Rettungspilot und Stationsleiter Nico Hellmann.

Mehr als 1200 Einsätze ist der 37-Jährige schon für die ADAC-Luftrettung in Berlin geflogen. Er arbeitete schon als Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr und bei einem privaten Helikopterunternehmen, bevor er Anfang 2016 zu "Christoph 31" nach Berlin wechselte.

"Wir versuchen alles, um Menschen helfen zu können". Dieser Grundgedanke schwebt über jedem Einsatzmitglied - den vier Stammpiloten und den vielen Notärzten und Rettungsassistenten der Berliner ADAC-Luftrettungsstation.

Mit 3.500 bis 3.800 Einsätzen im Jahr ist "Christoph 31" eine der weltweit am stärksten frequentierten Helikopterstationen. Wenn sich die Hubschrauber-Crew morgens um 7:00 Uhr startklar meldet, dauert es meist nur wenige Minuten, bis der erste Notruf durch die Station schallt.

Dann muss es schnell gehen - innerhalb von zwei Minuten ist die fünf Millionen Euro teure Maschine in der Luft und macht sich auf den Weg zum Patienten.

"Immer wieder werden wir angebrüllt oder beleidigt"

Der Einsatzort liegt in den meisten Fällen innerhalb der Berliner Stadtgrenzen, ab und zu geht es für "Christoph 31" auch nach Brandenburg.

An der Einsatzstelle angekommen, haben sie aber nicht nur mit der Zeit, sondern auch mit verärgerten Passanten zu kämpfen. "Es passiert immer wieder, dass wir angebrüllt oder beleidigt werden", erzählt Nico Hellmann.

Aus diesem Grund wird bei einem Hubschrauber-Einsatz in Berlin automatisch die Polizei informiert, die den Helikopter und seine Crew beschützen und bei Landung und Start für Sicherheit sorgen soll.

Für die Luftretter eine "traurige Entwicklung", wobei die Befürworter der Einsätze deutlich in der Überzahl sind. "Gerade in den Sozialen Netzwerken bekommen wir sehr viel Dankbarkeit zugesprochen", so Hellmann.

Trotzdem sei die Luftrettung kein Job, sondern eine Berufung. Die Belastung sei durch das bestehende Schichtsystem und die unzähligen Einsätze in Berlin nahezu am Limit.

"Die Belastung geht an die Substanz!"

"Es geht an die Substanz. Manche Piloten übernachten ab und zu sogar in der Station, weil es sich nicht mehr lohnt, nach Hause zu fahren", berichtet Nico Hellmann.

Auch das Privatleben sei durch den Beruf stark eingeschränkt. Die Familien und Freunde hätten sich zwar mittlerweile an das anstrengende Berufsleben ihrer Liebsten gewöhnt, trotzdem bleibe der Wunsch der Retter, einfach mal abschalten und mit Familie und Freunden die Freizeit verbringen zu können.

Doch für Nico Hellmann und seine Crew gibt es oft weder Wochenend- noch Feiertage. Denn das "Abschalten", das die meisten Menschen nach getaner Arbeit genießen können, bleibt für die Rettungskräfte oftmals ein unerfüllter Wunsch.

Auch wenn dies nicht immer gelingt, gehen die Retter von "Christoph 31" jeden Tag gerne zur Arbeit. Denn sie wissen: "Wir können Menschenleben retten - und das ist das Einzige, was zählt."

Wir haben die Luftretter von "Christoph 31" für einen Tag begleitet und geben oben in der Reportage Einblicke in das emotionale und spannende Leben der Rettungs-Crew.

Wie verarbeitet man emotionale Einsätze, was erlebt man als Helikopter-Pilot und stimmt das Gerücht, dass Patienten meistens mit dem Hubschrauber transportiert werden?

Das und vieles mehr hat Stationsleiter Nico Hellmann unserem HuffPost-Reporter Tim Grübl im Facebook-Live-Interview verraten:

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