Rewe soll einem Bauern eine lächerliche Forderung gestellt haben - der vernichtet daraufhin seine Ernte

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Der Bauer Franz Hagn aus dem unterfränkischen Segnitz muss wirklich sehr wütend gewesen sein. Denn auf einem mittlerweile im Internet berühmt gewordenen Video sieht man ihn, wie er demonstrativ eine gesamte Tagesernte Gurken vernichtet.

Allerdings gibt es inzwischen Zweifel an der Echtheit der Darstellungen in der Aufnahme, die inzwischen 3,5 Millionen Aufrufe hat und etwa 95.000 Mal geteilt wurde.

Ein Verkauf sei nicht mehr lohnenswert

In dem Video, das die "Fränkische Illustrierte" auf Facebook gepostet hat, beklagt der Landwirt, dass große Handelsketten wie Rewe nur noch in Plastik verpackte Gurken annehmen würden.

Da es zu aufwändig sei, die Gurken zu verpacken, würde sich der Verkauf für ihn nicht mehr lohnen. Deshalb verteilte Hagn frustriert eine Tagesernte Gurken auf seinem Feld und pflügte sie unter.

Unterstützer wollen Hagn nun seine Gurken abkaufen

Normalerweise würde Hagn noch bis Oktober täglich 1500 bis 2000 Kilogramm Gurken als offene Ware in Kartons an den Handel liefern, wie das lokale Nachrichtenportal "In Franken" berichtet.

Einige Mitarbeiter seien nun schon verfrüht in den Urlaub gegangen, den Schaden schätzt der Landwirt auf 100.000 Euro.

Immerhin: Die restlichen Gurken verkauft er für zehn Euro pro zehn Kilo auf seinem eigenen Hof. Durch das populäre Video stürmen zahlreiche Menschen auf den Hof, um Gurken zu kaufen und somit den Bauer zu unterstützen.

Die Kritik des Landwirts traf bei vielen Deutschen einen Nerv. Lebensmittelhändler werden immer wieder wegen ihrer rigiden Preispolitik gegenüber den Bauern kritisiert - und wegen des Plastikabfalls, der durch teils unnötige Verpackungen anfällt. Man wollte dem kleinen Bauern im Kampf gegen den großen Konzern beistehen.

"Wir können die Aktion des Erzeugers weder nachvollziehen noch gutheißen"

Die Frage ist, wie sich dieser spezielle Fall tatsächlich zugetragen hat. Sowohl Rewe als auch die Erzeugergenossenschaft, die Hagns Gemüse weiter vertreibt, dementieren die Anschuldigungen.

Rewe veröffentlichte dazu folgende Stellungnahme: "Wir können die Aktion des Erzeugers weder nachvollziehen noch gutheißen. Der Landwirt ist uns nicht bekannt und beliefert auch Rewe nicht direkt."

Weiter heißt es: "Richtig ist, dass der Erzeuger Mitglied in einer Vermarktungsgenossenschaft ist, die die Rewe Region Süd regional mit verschiedenen Gemüseartikeln beliefert. Die Aussage des Landwirts, dass es eine Abnahme von Minigurken durch Rewe in 2017 geplant sei, ist schlichtweg falsch."

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Denn es bestehe laut Rewe keine vertragliche Abmachung über die Abnahme von Minigurken. Die Stellungnahme schließt mit dem Satz: "Im Übrigen hat uns die Erzeugergenossenschaft versichert, dass die gesamte Minigurken-Ernte des Landwirts über sie hätte vermarktet werden können."

Auch der Betreiber der "Fränkischen Illustrierten", Werner Krieger, muss sich gegen Vorwürfe wehren: Wie das regionale Nachrichtenportal "Nordbayern. de" berichtet, führe Werner seit Jahren einen Kampf gegen diverse Lebensmittelkonzerne. "Wurde Landwirt Franz Hagn von Betreiber Werner Krieger nur missbraucht?", mutmaßt daher "Nordbayern.de".

Ob der Landwirt Hagn zum Bauernopfer geworden ist oder Rewe tatsächlich etwas mit diesem speziellen Fall zu tun hat, ist momentan noch unklar. Dem Bauern selbst könnte nun allerdings ziemlich viel Ärger drohen.

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