Dieses Foto bringt das mit Abstand größte Problem der deutschen Gesellschaft auf den Punkt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Klischees über Deutsche gibt es viele. Wir sind angeblich immer pünktlich, ordnungsliebend, spießig und trinken den ganzen Tag Bier. Was davon stimmt oder nicht, sei dahin gestellt. Aber eine Sache nervt mich richtig: Unsere Nachbarschaftskultur.

Unter dem Titel "This is Germany" (zu Deutsch: "Das ist Deutschland") hat ein Twitter-User ein Foto gepostet, auf dem der Rasen vor einem Mehrfamilienhaus zu sehen ist. Er ist perfekt gemäht - exakt bis zur Grenze des nächstens Grundstücks.

Das perfekte Sinnbild dafür, was zwischen deutschen Nachbarn schief läuft.

Traurig ist daran: Der rasenmähende Nachbar (im Folgenden "Rasenmäher" genannt) schneidet sich mit dieser Aktion ins eigene, ordnungszwangsgesteuerte Fleisch. Der Anblick eines perfekt gepflegten Rasens scheint für ihn das oberste Attribut eines guten deutschen Nachbarns zu sein.

Schön und gut, aber wenn direkt nebenan wildgewordenes Gras ungezügelt gen Himmel sprießt, wirkt das natürlich nach außen hin nicht gerade so, als hätte der Rasenmäher das Einhalten deutscher Nachbarschaftsattitüden wirklich im Griff.

Um keinen Preis deutscher Nachbarschaftskultur widersprechen

Beim Anblick des Fotos spürt man förmlich den unterdrückten Zorn des Rasenmähers. Auf den Besitzer der anderen Wiesenhälfte, weil er den Eindruck des nachbarschaftlichen Perfektionismus nach Außen hin zerstört. Und auf sich selbst, weil es ihn in den Fingern juckt, selbst den Rest zu mähen.

Das würde allerdings jeglichen Regeln der deutschen Nachbarschaftskultur widersprechen. Denn das oberste Gesetz lautet: Sei dir selbst am nächsten.

Also gibt es nur einen Kompromiss, der aus dem Dilemma führt: Auf den Millimeter genau bis zur Grenze dafür sorgen, dass die eigene Rasenhälfte optimal gestutzt, gegossen und geglättet ist. So kann der Rasenmäher seinen Bluthochdruck beim Blick aus dem Fenster wenigstens etwas zügeln.

Liebe deutsche Nachbarn, redet doch einfach miteinander - statt übereinander

Liebe deutsche Nachbarn. Ich möchte euch dringend etwas sagen.

Wir leben alle gemeinsam in einem friedlichen Land, mit funktionierendem Sozialsystem, einer hervorragenden gesundheitlichen Versorgung, einer demokratischen Staatsorganisation, einem angenehmen Klima, freier Bildung und ganz ohne Hungersnot.

Also bitte besinnt euch darauf, wie gut es uns eigentlich in unserem Land geht, wenn ihr das nächste Mal vorhabt, euch darüber aufzuregen, dass euer Nachbar um 22 Uhr noch seine Wäsche schleudert, sein Auto nicht ordentlich geparkt hat, die Kehrwoche vergessen hat oder die Blätter seiner Eiche zu euch in den Garten wehen lässt.

Das Leben ist zu kurz, als dass es sich lohnen würde, sich selbst oder euren Nächsten mit so etwas die Laune zu verderben. Mein Vorschlag: Klingelt nebenan, packt eine Flasche Wein ein und unterhaltet euch einfach miteinander - statt bloß übereinander.

Danke. Eine deutsche Nachbarin.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

(jg)

Korrektur anregen