Ein Ex-Redakteur des Kremlmediums packt aus: "'Sputnik' folgt der Direktive der russischen Regierung"

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SPUTNIK
Ein Ex-Redakteur des Kremlmediums "Sputnik" packt aus: "Was hier passiert, ist kein echter Journalismus" | Screenshot/Facebook/HuffPost
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  • Kritiker werfen dem russischen Nachrichtenportal "Sputnik" vor, Nachrichten zu verfälschen
  • Nun spricht Ex-"Sputnik"-Redakteur Andrew Feinberg öffentlich über seine Arbeit

Andrew Feinberg hat die Lügen nicht länger ertragen - und kündigte. Der 34-Jährige war von Januar bis Mai 2017 Redakteur beim russischen staatlichen Nachrichtenportal "Sputnik".

Nach eigener Darstellung berichtet das vom russischen Staat finanzierte Medium über das, "worüber andere schweigen". Eine Aussage, die oft schlichtweg falsch gewesen sei, wie der Ex-Redakteur nun öffentlich kritisiert.

"Sputnik" betreibt zwei Publikationen: Zum einen eine weltweit tätige Nachrichtenagentur, für die der US-Amerikaner als Korrespondent in Washington gearbeitet habe. Zum anderen gibt es eine gleichnamige Website in insgesamt 34 Sprachen, "die oft schier lächerlich ist", wie Feinberg der österreichischen Zeitung "Der Standard" erklärt.

Im Interview gibt er tiefe Einblicke in die Arbeitsweise von "Sputnik". "Ich dachte mir damals: Es ist wohl ziemlich schwierig, Propaganda über eine Agentur zu verbreiten. Solche Meldungen sind ja üblicherweise sehr trocken." Doch er sollte sich täuschen.

"Sputnik folgt der Direktive der russischen Regierung"

"Sputnik" wurde 2014 vom Medienunternehmen "Rossija Sewodnja" gegründet, dem unter anderem auch der TV-Sender RT (früher "Russia Today") angehört. "Sputnik" sehe sich selbst "als alternative Nachrichtenquelle und Radiosender", folge aber "der Direktive der russischen Regierung", sagt Feinberg.

Zusammen mit "RT Deutsch" gehört "Sputnik" derzeit zu einem der einflussreichsten russischen Medien in Deutschland - insbesondere bei Facebook und Twitter. Nach außen ein seriöser Look, verbreitet es oftmals krude Propaganda.

Mehr zum Thema: Nach Propaganda-Verbot der EU: Russland will Gleiches mit Gleichem vergelten

"Wäre 'Sputnik' einfach nur ein weiteres staatlich finanziertes Medium wie die BBC, 'Al Jazeera' oder 'Voice of America', würde ich mir keine so großen Sorgen machen. Aber ihre Stärke in den sozialen Medien macht 'Sputnik' und 'RT' so gefährlich", betont Feinberg.

"Sputnik verwendet wahre Geschichten, um unwahre Erzählungen zu stützen"

Zwar würde "Sputnik" kaum Geschichten verbreiten, die komplett falsch sind. "Stattdessen verwenden sie wahre Geschichten, um unwahre Erzählungen zu stützen." Das Problem daran: Diese Geschichten werden von rechten US-Publikationen, wie "Breitbart", weitergetragen. "Sputnik ist der Anfangspunkt für Missinformation, die von Rechtsaußen übernommen wird; denn die Rechten und Russland haben dieselben Feinde", sagt Feinberg.

Zugleich erlebte er bei seinem Job erhebliche Einschränkungen. So sollte er einerseits Fragen vor Pressebriefings im Weißen Haus von einem der russischen Chefredakteure absegnen lassen. Andererseits hatten einige Fragen, "die mir aufgetragen wurden, nichts mit der Realität zu tun", erinnert sich Feinberg.

Zwei Beispiele:

► Der Journalist wurde angewiesen, eine Frage zu stellen, die implizierte, dass der Giftgasangriff im syrischen Khan Sheikhun eine Falschmeldung und nie passiert sei.

► Feinberg sollte nachfragen, inwiefern ein Mitarbeiter der Demokratischen Partei, der bei einem Raubüberfall erschossen wurde, etwas mit der Verbreitung der geleakten E-Mails der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zu tun hatte. Das ist eine gerade bei rechten Amerikanern aber auch bei Sputnik verbreitete Verschwörungstheorie. Das FBI geht davon aus, dass der Hackerangriff in Verbindungen zum russischen Geheimdienst steht.

Der 34-Jährige verweigerte die Nachfragen im letzten Fall - was zu seiner Kündigung führte.

"Was hier passiert, ist kein echter Journalismus"

Gegen Fehlinformationen sieht Feinberg nur eine Lösung: Wahrheit und Bildung, "damit Leute wissen: Was hier passiert, ist kein echter Journalismus." Denn wenn man die vom russischen Staat kontrollierten Medien verbieten würde, wären die westlichen Staaten "genauso schlimm wie Wladimir Putin".

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(ll)