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12/06/2017 15:52 CEST | Aktualisiert 12/06/2017 17:36 CEST

Wagenknecht gibt russischem Propagandamedium ein Interview - und liefert Putin eine Steilvorlage

dpa
Wagenknecht gibt russischem Propagandamedium ein Interview - und liefert Putin eine Steilvorlage

  • Die Linken-Spitzenpolitikerin Wagenknecht hat dem russischen Staatsmedium "Sputnik" ein Interview gegeben

  • Das Gespräch verdeutlicht, dass die Partei nach wie vor alte Freund- und Feindbilder pflegt

Die Linke und Russland - eine Freundschaft, die nicht endet. Menschenrechtsverletzungen, Repressionen gegen politische Gegner, Gängelung unabhängiger Medien oder Jagd auf Homosexuelle hin oder her.

Die Linke konnte sich auch auf ihrem Parteitag am Wochenende nicht dazu durchringen, die Annexion der Krim durch Moskau oder das russische Eingreifen in der Ostukraine zu verurteilen. Darüber hinaus kritisierten die Delegierten die Sanktionspolitik der EU gegenüber Russland sowie die Aufrüstung der Nato an ihrer Ostgrenze. Alte Freund- und Feindbilder werden eben gepflegt.

Vorne mit dabei: Die Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht. Das zeigt ihr Interview mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur "Sputnik" auf dem Parteitag am Sonntag.

Wagenknecht erklärt darin: "Wir wollen Frieden in Europa, und Frieden gibt es nur mit Russland und nicht gegen Russland." Sie begründet ihre Haltung damit, dass das osteuropäische Land immer wieder Opfer von Überfällen und Kriegen geworden sei, "nicht zuletzt und am schlimmsten im zweiten Weltkrieg durch Deutschland".

Die Linken-Politikerin könne deshalb gut verstehen, "dass, wenn inzwischen wieder deutsche Soldaten an der russischen Grenze stehen, viele Menschen das als Bedrohung empfinden. Das wollen wir nicht."

Außen seriös, innen Propaganda

Zusammen mit RT Deutsch gehört "Sputnik" derzeit zu einem der einflussreichsten russischen Medien in Deutschland. Nach außen ein seriöser Look, verbreitet die Nachrichtenseite hierzulande oftmals krude Propaganda.

Aus diesem Grund allein ist es schon beachtenswert, dass Wagenknecht überhaupt mit dem russischen Propagandasender spricht. Die allermeisten deutschen Politiker meiden das Medium - Ausnahmen gibt es ausschließlich am linken und rechten Rand des politischen Spektrums.

Aus Sicht von Wagenknecht heißt die Alternative zur derzeitigen deutschen Russland-Politik: Anknüpfung an die Tradition der Entspannungspolitik, "eine Politik der guten Nachbarschaft". "Das bedeutet, gegenseitig seine Interessen ernstzunehmen und gegenseitig zu akzeptieren, dass man legitime Interessen hat", so die Linken-Politikerin.

"Die Linke stramm auf Putin-Kurs"

In der Realität heißt das, dass sich Russland weiterhin als Hegemonialmacht in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion positionieren darf.

Auch wenn dies der Integration in die Strukturen der Nato und der Europäischen Union entgegensteht, wie es die baltischen Staaten Baltikum, die Ukraine oder Georgien anstreben. Und Russland weiter in der Region Konflikte schürt oder zu schüren versucht.

“Die Linke zeigt sich bei ihrem Parteitag stramm auf Putin-Kurs”, kommentiert HuffPost-Autor Boris Reitschuster folgerichtig den Beschluss auf Facebook. “Kein Wunder - ist sie doch einerseits die umbenannte SED und damit quasi eine Kreml-Tochter. Wäre sie wirklich links, müsste sie sich mit Grausen von Putin abwenden”.

Dass Interview von Wagenknecht zeigt einmal mehr, dass dies nicht so bald passieren wird.

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(ll)

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