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12/06/2017 14:14 CEST | Aktualisiert 12/06/2017 15:38 CEST

Fidget Spinner ist im Trend: Händler können die Nachfrage nicht befriedigen

mheim3011 via Getty Images
Fidget Spinner: Die Trendkreisel lösen sogar Lieferengpässe aus.

  • Laut der Spielwarenbranche sind Fidget Spinner der Spielzeugtrend des Sommers

  • Die Handkreisel wurden dafür entwickelt, um Aufmerksamkeitsstörungen zu verbessern

  • Sie sind so beliebt, dass es bereits Lieferengpässe gibt

Die Spielwarenbranche ist elektrisiert und meint, Fidget Spinners haben das Zeug zu dem Spielzeugtrend des Sommers.

Die handtellergroßen flachen Spielzeuge sehen aus wie eine Mischung aus Propeller und Ninja-Wurfstern. Die Hersteller werben damit, dass sie bei Kindern Hyperaktivität, ADHS oder Autismus lindern.

► Fidget heißt passenderweise so etwas wie herumzappeln.

Die Nachfrage ist größer als das Angebot

Die Händler in Deutschland können die riesige Nachfrage nach dem Trendspielzeug Fidget Spinner derzeit gar nicht befriedigen.

Ende April hatten YouTube-Videos aus den USA und Großbritannien, in denen Jugendlichen Tricks mit dem Kreisel zeigen, eine Welle der Begeisterung auch in Deutschland ausgelöst. Das sagte auch Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels in Köln, der Deutschen Presse-Agentur.

“Kein Wunder, dass dann die Ware ‘über Nacht’ knapp wurde”, meinte Fischel. In Kürze würden aber Schiffe mit großen Lieferungen eintreffen.

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Im Internet finden sich nicht nur Videos mit Tricks, etwa wie man einen Fidget Spinner auf der Nase balanciert, sondern auch Pflege- und Reparaturhinweise sowie Anleitungen zum Selberbauen.

Eine Pfadfindergruppe aus der Nähe von Hannover hat sich das Fidget-Spinner-Bauen als Projekt ausgesucht. "Wir haben schon Kugellager bestellt", sagt die 15-jährige Helen. In einem Achter-Team wollen die Jugendlichen in den nächsten Gruppenstunden Handkreisel aus Pappe und Kronkorken basteln, sie dann verkaufen und das Geld spenden.

Hunderttausende der Handkreisel sind bundesweit bereits verkauft worden.

Das Fidget-Spinner-Fieber grassiert in Deutschland, seit der Trend vor wenigen Wochen aus den USA herübergeschwappt ist. Es gibt wohl keinen Schulhof, auf dem die Spielzeuge nicht kreisen.

Gibt man ihnen einmal einen Schwung, wirbeln die bunten Kreisel teilweise minutenlang, je nach Qualität des Kugellagers und der Handfertigkeit des Spielers.

Der Wirbel sei derzeit größer als das Produktangebot, räumt Willy Fischel ein. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels geht von einem Umsatz von mindestens einer Million Euro seit März aus.

Im Moment lassen die Händler die kleinen Scheiben sogar per Flugzeug einfliegen, weil die Schiffsladungen so lange brauchen. “Wenn die Schiffe da sind, wird sich in Deutschland noch mehr drehen”, prognostiziert Fischel. “Im Vergleich zu Vorgängern wie Tamagotchi, Furby oder Slime entwickelte sich die Nachfrage bei Fidget Spinnerin Lichtgeschwindigkeit.”

Was macht ihren Reiz aus?

In einem Kaufhaus in Hannover bildet sich eine Schlange. Manuela Dankenbrink sitzt an der Kasse lässt einen neongrünen Spinner aus Plastik und Metall auf der Kuppe ihres Zeigefingers kreisen. “Es soll ja auch bei kaputten Händen helfen”, sagt die Verkäuferin. Sie habe vor ein paar Tagen innerhalb von zwei Stunden 50 Stück verkauft.

Pink ist schon ausverkauft. Auch der letzte Fidget Spinner in Tarnfarben geht soeben über die Ladentheke. Kjell hat ihn ergattert. Der 15-Jährige aus Hambergen bei Bremen ist auf Klassenfahrt in Hannover.

Warum er den Fidget Spinner kauft? “Es ist im Moment angesagt und wenn man im Unterricht sitzt, kann man damit rumspielen”, sagt Kjell. Klassenkamerad Michel ergänzt: “Manche Lehrer empfehlen es sogar, dann reden wir wenigstens nicht so viel miteinander.”

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Wie die Hersteller versichern, sind Fidget Spinners dazu geeignet, Hyperaktivität und ADHS zu lindern sowie Unruhe vorzubeugen. Sie könnten sogar dabei helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen, heißt es auf einer Verpackung.

Die elfjährige Alexandra wählt ein Exemplar in Altrosa. “Wenn unsere Lehrer die Fidget Spinners einsammeln, spielen sie selbst damit”, sagt die Gymnasiastin aus Hannover.

Längst nicht alle sind von den neuen Spielzeugen begeistert.

Kerstin Winkel, die Mutter von Alexandra, hatte vergeblich versucht, die Anschaffung abzuwenden, denn schon viele ehemaligen Must-Have-Spielzeuge verstauben im Regal des Kinderzimmer. “Erst waren es die Filly-Pferde, dann die Loombänder, da haben wir noch extra Sortierkästen gekauft.”

“Über angebliche therapeutische Zwecke kann ich nur müde lächeln”, sagt dazu Hans-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes und vom 1. Juli an auch Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.

“Nach meinem Eindruck sind die Fidget Spinners aber noch nicht das Hauptproblem an Schulen", sagt der Leiter des Robert-Koch-Gymnasiums im bayerischen Deggendorf. Die Handys der Schüler lösten größere Konflikte aus.

“Ich bin durchaus ein Befürworter von analogen Spielen und finde es gut, wenn die Schüler sich in der Pause mit Fingerfertigkeit beschäftigen, statt auf ihr Smartphone zu starren”, meint Meidinger.

Mit Material der dpa.

(cho)

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