"Shuttle-Service nach Italien": CDU-Innenexperte Stephan Mayer attackiert Flüchtlingsretter

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REFUGEES BOAT RESCUE
"Shuttle-Service nach Italien": Innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion attackiert Flüchtlingsretter | Giorgos Moutafis / Reuters
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  • Rettungsorganisationen helfen täglich hunderten Flüchtlingen im Mittelmeer
  • Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion glaubt, dass sie damit Schlepper unterstützen

Für Tausende Flüchtlinge ist das Mittelmeer bereits zum Grab geworden. Allein in diesem Jahr sind laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk bereits über 1700 Menschen beim Fluchtversuch ums Leben gekommen oder werden noch vermisst.

Nur Dank der Arbeit zahlreicher privater Hilfsorganisationen und staatlicher Seenotretter ist die Zahl nicht noch höher.

Doch Stephan Mayer, der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat die Hilfe der Organisationen nun scharf kritisiert.

Er geht davon aus, dass die Schlepper die Flüchtlinge absichtlich in seeuntauglichen Booten losschicken würden, "da sie mit Sicherheit davon ausgehen können", dass Boote die Flüchtlinge "bereits nach wenigen hundert Metern oder wenigen Kilometern" aufgreifen würden.

"Das beutet de facto, dass ein Shuttle-Serice zum italienischen Festland beziehungsweise den italienischen Inseln besteht", so Mayer im ZDF. "Diese Vorgehensweise ist aus meiner Sicht auf Dauer nicht praktikabel."

Mayers Aussagen sorgten rasch für Kritik.

So fragt der schleswig-holsteinische SPD-Fraktionschef Martin Habersaat: "Die christdemokratische/christsoziale Position lautet also: Menschen ertrinken lassen und gegebenenfalls Leichen am Strand aufsammeln?"

Bereits im März hatte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz gefordert: "Der NGO-Wahnsinn muss beendet werden".

Die Arbeit der freiwilligen Retter würde dazu führen, dass mehr Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben kämen statt weniger. Viele würden sich zu Partnern der Schlepper machen. Auch der Chef der EU-Grenzschutzbehörde, Fabrice Leggeri, hatte sich zuvor ähnlich geäußert.

NGO-Vertreter hatten bereits damals die Äußerungen zurückgewiesen.

Hans-Peter Buschheuer von der Seenotrettungsorganisation "Sea Eye" betonte gegenüber HuffPost: "Kurz nimmt mit seinem Vorgehen den Tod von Menschen in Kauf. Das ist zynisch und unzivilisatorisch."

Ähnliches dürfte nun auch für Mayers Erklärung gelten.

Mehr zum Thema: "Ich hoffe, ihr findet den Tod im Meer" - Flüchtlingsrettern schlägt Hass entgegen

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(ben)

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