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12/06/2017 23:09 CEST | Aktualisiert 13/06/2017 10:49 CEST

Brexit-Chefunterhändler verliert die Geduld mit den Briten - und warnt vor Konsequenzen

  • Der Brexit-Chefunterhändler, Michel Barnier, fordert von Großbritannien, endlich mit den Verhandlungen zu beginnen

  • Doch er wisse nicht einmal, wer für die Briten am Verhandlungstisch sitzen wird

  • Ein Scheitern der Verhandlungen werde "gravierende und ernste“ Folgen haben, warnte Barnier

  • Oben im Video: Wenn Verhandlungen lange genug dauern, könnten sich die Briten den Brexit nochmal überdenken

Die britische Premierministerin Theresa May musste letzte Woche eine herbe Niederlage einstecken. Seit dem Wahldebakel ihrer Partei, den Konservativen, steht May nun unter Dauerbeschuss.

Jetzt streut auch noch Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier Salz in die offene Wunde.

Dieser meldete sich am Montag ungeduldig zu Wort: "Wir warten auf Klarstellungen der britischen Regierung", erklärte er in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Die Verhandlungen können nicht mehr aufgeschoben werden

Bereits vor drei Monaten stellte Theresa May bei der Europäischen Union offiziell das Austrittsgesuch. Nun müssten die Verhandlungen über den Brexit endlich beginnen, mahnte Barnier.

Doch sein Problem sei, dass er gar nicht wisse, wer auf der britischen Seite bereit für Verhandlungen sei. "Ich brauche auf der anderen Seite des Tisches eine britische Delegation mit einem Delegationsleiter, der stabil, verantwortlich und mit einem Mandat ausgestattet ist", forderte der Unterhändler.

Michel Barnier: Scheitern der Brexit-Verhandlungen ist eine Option

Spätestens seit die Briten vor einem Jahr knapp für den Brexit stimmten, ist die Beziehung zwischen London und Brüssel schwer angeschlagen. Es herrsche auf EU-Seite kein "Geist der Rache oder Strafe“, beteuerte Barnier. Doch er ließ es sich nicht nehmen, den Briten trotzdem zu drohen.

Zwar wünsche man ein "positives Ergebnis für die künftigen Beziehungen", man stelle sich aber auch auf ein mögliches Scheitern der Verhandlungen ein, so der EU-Mann im Interview.

Theresa May hatte immer wieder betont, es sei für ihr Land besser, zu keiner Vereinbarung mit der EU zu gelangen, als eine schlechte Übereinkunft in Kauf zu nehmen. Die Premierministerin wollte sich als harte Verhandlungspartnerin zeigen, die in der Lage ist, Brüssel einige Zugeständnisse in einem "Deal" abzugewinnen.

Nun hat ihr Barnier gezeigt, dass auch Mays Gegenseite weiß, wie man sich hart und kompromisslos gibt.

"Gravierende und ernste" Folgen

"Wir bereiten uns auf alle Optionen vor", sagte Barnier vieldeutig. Ein Scheitern der Verhandlungen werde "gravierende und ernste“ Folgen für beide Seiten haben, warnte er.

Insbesondere Großbritannien müsse mit unangenehmen Konsequenzen rechnen. London will ein Freihandelsabkommen mit der EU, das auch nach dem Brexit die Beziehungen so regeln würde, dass die britische Wirtschaft keine schweren Einbußen befürchten müsste.

Doch weitere Verzögerungen würden dieses Freihandelsabkommen gefährden, verdeutlicht Barnier. Gibt es keinen "Deal" zwischen Brüssel und London, könnte Großbritannien in seinem Handel mit der EU auf die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zurückfallen.

Binnenmarkt ist kein Supermarkt

Der EU-Verhandler zeigte sich im Interview durchaus bereit, den Briten entgegenzukommen. Die EU sei offen dafür, Großbritannien auch in Zukunft am Binnenmarkt zu beteiligen. Doch hier gelte: "Der Binnenmarkt ist kein Supermarkt. Es ist ein Raum des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenlebens."

Nur wer die vier Grundfreiheiten der EU - freier Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital - achte, könne dabei bleiben. Die EU akzeptiere keine Rosinenpickerei.

Doch Theresa May gibt nicht nach. Sie will auch weiter an ihrem Kurs eines "harten Brexits" festhalten. "Unsere Position wurde klar dargelegt“, sagte ihr Sprecher am Montag in London.

"Und an ihr hat sich nichts geändert."

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(mf)