"Eine lebende Tote": Der Druck auf die britische Premierministerin wächst

Veröffentlicht: Aktualisiert:
THERESA MAY
"Eine lebende Tote": Die britische Premierministerin May gerät immer weiter unter Druck | Hannah Mckay / Reuters
Drucken
  • Nach dem enttäuschend Wahlergebnis gerät Premierministerin Theresa May zunehmend unter Druck
  • Ihr Ex-Finanzminister sagte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie zurücktreten werde

Großbritanniens Premierministerin Theresa May will nach der schmerzhaften Wahlschlappe am Donnerstag zügig eine Regierung bilden. Doch der Druck auf die Politikerin aus den eigenen Reihen und durch die Medien wächst.

Beobachter halten es für möglich, dass die Premierministerin zurücktritt, nachdem sie die neue Regierung gebildet hat.

Ex-Finanzminister George Osborne, den May 2016 entließ, nannte die Premierministerin eine "lebende Tote". Ihr Rücktritt sei nur eine Frage der Zeit. Womöglich sei es schon nächste Woche so weit, sagte Osborne gegenüber der BBC.

May hatte die vorgezogene Wahl ausgerufen, um vor den Brexit-Verhandlungen ihre Regierungsmehrheit im Unterhaus zu vergrößern - und scheiterte auf ganzer Linie.

Berater haben die Premierministerin verlassen

Britische Medien hatten berichteten, Außenminister Boris Johnson bereite sich schon darauf vor, May abzulösen. Johnson stärkte jedoch am Sonntag seiner Parteichefin demonstrativ den Rücken. Solange May im Amt sei, werde er nicht handeln.

Am Nachmittag ordnete May ihr Kabinett neu. Ihr enger Vertrauter Damian Green, bisher Arbeitsminister, wird Kabinettschef und de facto Vize-Premierminister. Die umstrittene Justizministerin Liz Truss wird ersetzt durch David Lidington, den Vorsitzenden des Unterhauses. Die weitaus meisten Minister bleiben aber im Amt.

Die beiden wichtigsten Berater von May haben bereits ihre Jobs aufgeben. Nick Timothy und Fiona Hill reagierten damit auf heftige Kritik am Wahlkampf.

Bündnis mit der DUP ist umstritten

Innerhalb der Tories ist die Zusammenarbeit mit der nordirischen DUP umstritten. Die Konservativen kritisieren, die DUP habe Vorbehalte gegen die Homo-Ehe, Abtreibungen und den Klimaschutz.

May ist allerdings auf den Partner angewiesen, nachdem sie die absolute Mehrheit im britischen Unterhaus verloren hat. Bei der Zusammenarbeit soll es sich nicht um eine formale Koalition handeln, sondern um eine Duldung. Die DUP soll die Regierung lediglich in bestimmten Fragen unterstützen.

Ein Knackpunkt für die Tories und die pro-britische DUP dürfte die Grenze zwischen Irland und Nordirland nach dem EU-Austritt der Briten sein. Die Nordiren wollen keine feste EU-Außengrenze zu Irland, die Familien trennen und Handelsbeziehungen stören würde.

Bereits am Montag in einer Woche soll Königin Elizabeth II. allerdings das Regierungsprogramm verlesen. Und am selben Tag wollen London und Brüssel mit den Brexit-Verhandlungen beginnen.

May kämpft also nicht nur gegen den Widerstand ihrer eigenen Partei und ihrem Bündnispartner - sondern auch gegen die Zeit.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g

(bp)

Korrektur anregen