Nur Stunden nach dem Aufruf zur Deeskalation: Trump attackiert Katar erneut

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Nur Stunden nach dem Aufruf zur Deeskalation: Trump attackiert Katar erneut | Jonathan Ernst / Reuters
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US-Präsident Donald Trump hat den Golfstaat Katar am Freitag in einer Pressekonferenz erneut heftig kritisiert. "Der Staat Katar war leider im Lauf der Geschichte ein Finanzier des Terrors und das auf einem hohen Niveau", sagte Trump.

Viele Regierungschefs hätten ihn gebeten, Katar damit zu konfrontieren. Offenbar bezog sich Trump dabei auf Gespräche am Rande seines Besuchs in Saudi-Arabien, wo 50 arabische Spitzenpolitiker zusammengekommen waren.

Trump sagte, was er unternommen habe, sei so mit seinem Außenminister Rex Tillerson und den Generälen abgestimmt gewesen. Man müsse die Finanzierung des Terrors beenden.

Erneute Eskalation im Konflikt


Beobachter
werten die Ausführungen als weitere Eskalation im Konflikt. Und es ist ein weiterer Beleg für Chaos in der US-Außenpolitik.

Denn seit Tagen fahren die USA einen Zickzackkurs. Mal reklamiert Trump die Isolation Katars als seinen Erfolg. Dann versuchen seine Leute angesichts der Brisanz der Lage die Wogen zu glätten, dann rudert Trump zurück – um jetzt wieder nach vorne zu preschen.

Nur Stunden vor der Pressekonferenz im Rosengarten hatte Tillerson Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten aufgefordert, ihre Blockade von Katar aufzuheben. "Wir erwarten umgehend Schritte, um die Situation zu deeskalieren."

Was dahintersteckt

Die Staaten hatten die diplomatischen Beziehungen zu Katar eingestellt und den auf einer Halbinsel gelegenen Staat massiv isoliert. Zur Begründung hieß es, Katar finanziere Terroristen.

Experten sind sich sicher, dass der Vorwurf zutrifft – aber nicht der eigentliche oder zumindest nicht der alleinige Grund für die Haltung der arabischen Staaten ist. Vielmehr fürchtet etwa das saudische Herrscherhaus den Einfluss der panarabisch arbeitenden Muslimbrüder, die Katar finanziert.

Außerdem unterhält Katar gute Beziehungen zum Iran, mit dem es sich Gasfelder teilt. Der Iran ist der Erzrivale Saudi-Arabiens.

Hohes Risiko

Saudi-Arabien wiederum hat massive Fortschritte im Kampf gegen den Terror gemacht, hat aber selbst doch keine weiße Weste.

Trumps Äußerungen könnten den Konflikt erneut befeuern. Das würde nicht nur die Spannungen zwischen den arabischen Staaten erhöhen. Es gefährdet auch den Kampf gegen die Extremisten in Syrien. In Katar liegt die US-Militärbasis Al Udeir mit 11.000 Soldaten.

Außerdem zeigt der Fall, dass jeder Verbündete der USA sich Sorgen machen muss. Die Regierung fährt nicht nur einen fatalen Zickzackkurs. Sondern mehrere Zickzackkurse gleichzeitig.

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(lira)