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10/06/2017 15:41 CEST

Umweltbundesamt: Trinkwasser könnte bald deutlich teurer werden

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Umweltbundesamt: Trinkwasser könnte bald deutlich teurer werden

  • Das Umweltbundesamt warnt: Trinkwasser könnte wegen der Nitrat-Belastung bald deutlich teurer werden

  • Sollte sich die Verunreinigung des Grundwassers mit Dünger nicht bessern, müssten die Wasserversorger das Wasser kostspielig aufbereiten

Die Massentierhaltung produziert jede Menge Gülle und Mist. Als Dünger landen die Hinterlassenschaften auf Feldern und Äckern - und belasten das Trinkwasser mit Nitrat.

Experten warnen: Das ist nicht nur schädlich, sondern könnte den Verbrauchern bald auch viel Geld kosten. Denn die Wasserversorger müssten das Wasser kostspielig reinigen und aufbereiten, sollte sich nichts an der Nitrat-Belastung ändern.

Verbraucher müssten sich darauf einstellen, dass der Wasserpreis dann um bis zu 45 Prozent steigen werde, teilte am Samstag das Umweltbundesamt (UBA) mit. Auf eine vierköpfige Familie kämen dann Mehrkosten von bis zu 134 Euro im Jahr zu, berechnete das UBA.

Das Nitrat-Problem ist lange bekannt

Übermäßiger Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger etwa im Obst- und Gemüseanbau gilt als Ursache für zu hohe Nitratwerte im Grundwasser. Das Problem ist lange bekannt.

Bereits zu Jahresbeginn hatte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vor steigenden Wasserpreisen gewarnt. Die EU hatte im November 2016 Deutschland wegen der hohen Werte verklagt.

Laut UBA wird in mehr als 27 Prozent der Grundwasserkörper derzeit der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überstiegen. Gerade in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft sei das Grundwasser häufig durch zu viel Stickstoff belastet.

Nitrat ist eine chemische Verbindung aus Stickstoff und Sauerstoff. In Gewässern fördert sie Algenwachstum, was anderen Pflanzen schadet. Für Menschen ist der Stoff nicht gefährlich. Nitrat kann aber zu Nitrit werden, das wiederum den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Außerdem steht Nitrit im Verdacht, indirekt krebserregend zu sein.

Die Bundesregierung hat gehandelt

Die Politik hat nach jahrelangem Ringen reagiert und im Frühjahr strengere Düngeregeln beschlossen. Dazu gehören Obergrenzen für Stickstoffeinträge in Gebieten mit kritischen Wasserwerten und längere Zeiträume, in denen keine Düngemittel ausgebracht werden dürfen.

Für die Stickstoff- und Phosphatdüngung in der Nähe von Gewässern sollen Abstände ausgeweitet werden, die frei bleiben müssen. In Gebieten mit kritischen Werten können die Länder Extra-Vorgaben machen. Wo es unbedenklich ist, sollen Auflagen auch gelockert werden können.

Umweltschützern geht das nicht weit genug

Umweltschützern und den Wasserversorgern geht das nicht weit genug. BDEW-Hauptgeschäftsführer Martin Weyand teilte am Samstag mit, die Studie des Umweltbundesamts zeige, wie dringend wirksame

Maßnahmen gegen die Überdüngung seien.

"Was bislang von der Bundesregierung in punkto Düngerecht auf den Weg gebracht wurde, reicht nicht aus, um die drohende Kostenbelastung für die Verbraucher zu verhindern."

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