Medienbericht: Im neuen Porsche Cayenne soll eine illegale Abschalteinrichtung eingebaut sein

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PORSCHE CAYENNE
Laut "Spiegel" sollen Autos des Modells "Porsche Cayenne" über einen illegalen Mechanismus verfügen. | Isa Foltin via Getty Images
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  • Ein spezieller Mechanismus soll die Abgaswerte im Porsche Cayenne künstlich tief gehalten haben
  • So konnte Porsche die geltenden Grenzwerte umgehen

Der Trick ist äußerst perfide: Auf der Prüfstation zeigt der Porsche Cayenne noch vergleichsweise gute Abgaswerte. Rollt der Luxuswagen aber über die echte Straße, steigen die Stickoxidwerte plötzlich markant an. Ein im Auto eingebauter Mechanismus sorgt laut einem Medienbericht dafür, dass der Porsche bei Tests jeweils brav den richtigen Wert anzeigt - um danach die Luft zu verpesten.

Das berichten Journalisten des Nachrichtenmagazins "Spiegel". Sie ließen vom TÜV Nord einen Porsche Cayenne testen.

Die Labormitarbeiter stellten fest: Schon bei kleinen Kurven oder einer Steigung registriert der Wagen, dass er auf der Straße ist. Der Porsche wechselt dann in ein anderes Schaltprogramm. Die Emission steigen deutlich an.

Qualm am Berg

Ein Insider habe den Journalisten den entscheidenden Hinweis gegeben. In der Getriebesoftware des Cayenne arbeite ein als Aufwärmmodus getarnter Mechanismus. Das Programm bewirke, dass der Cayenne plötzlich viel mehr Schadstoffe ausstößt, sobald der Wagen etwa in Kurven oder am Berg bestimmte Längs- und Querbeschleunigungen registriert.

Dies führe dazu, dass "Porsche gegenüber seinen Kunden und den Zulassungsbehörden niedrigere Verbräuche und NOx-Emissionen angeben kann, als das Fahrzeug in der Realität hat", sagte der Professor für Motorentechnik der Hochschule Aschaffenburg, Kai Borgeest, dem "Spiegel".

Rechtsexperte: Abschalteinrichtung ist verboten

Für Martin Führ, Verwaltungsrechtsprofessor der Hochschule Darmstadt, ist klar: "Porsche verwendet hier eine Abschalteinrichtung, die nach europäischem Recht verboten ist."

Porsche wies die Vorwürfe von sich. Der beim TÜV Nord vorgenommene Test sei "für Porsche nicht plausibel nachvollziehbar". Eigene Messung hätten gezeigt, dass die Stickoxid-Grenzwerte jederzeit eingehalten würden, so ein Porsche-Sprecher gegenüber "Spiegel".

Doch: "Die bei diesem Test gemessenen Abgaswerte liegen über dem für die Typenzulassung geltenden Grenzwert", sagte der TÜV-Prüfleiter Helge Schmidt dem "Spiegel". Mit diesen Werten wäre es unmöglich gewesen, von der Zulassungsbehörde eine Genehmigung zu erhalten.

Auch Audi ist möglicherweise betroffen

Es wird klar: Der Skandal um manipulierte Abgaswerte ist für den Volkswagen-Konzern noch nicht vorbei. Hat Porsche tatsächlich eine illegale Abschalteinrichtung in einige Fahrzeuge eingebaut, könnten auch andere Modelle des VW-Konzerns betroffen sein.

So verwende man das gleiche, möglicherweise illegal arbeitende Getriebe auch im Audi A8, A7 und dem Q7 und Q5, berichtet der "Spiegel".

Dass der Abgasskandal noch nicht ausgestanden ist, zeigte sich auch vergangene Woche erneut. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gab bekannt, dass man eine illegale Abschalteinrichtung in Audi A8- und A7-Dieselfahrzeugen gefunden habe.

"Technischer Fehler" als Ursache

Die Abschalteinrichtung findet sich in 24.000 Fahrzeugen. Audi widersprach der Darstellung und argumentierte, ein technischer Fehler sei die Ursache. Die Autobauer versprachen, die betroffenen Modelle umzurüsten.

Klar ist: Jahrzehntelang standen die Marken Volkswagen, Porsche und Audi für Qualität, Zuverlässigkeit und deutsche Gründlichkeit. Weltweit vertrauten die Autofahrer den Deutschen. Einige entschieden sich gar explizit für einen Wagen des Konzerns, da sie die Umwelt schonen wollten.

Auch wenn sich zeigen sollte, dass der Volkswagen-Konzern dieses Mal doch nicht trickste, wird es schwierig sein, das bei den Kunden verspielte Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

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(sk)