Bei den Parlamentswahlen steht Frankreich eine politische Revolution bevor - das müsst ihr darüber wissen

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Bei den Parlamentswahlen steht Frankreich eine politische Revolution bevor - das müsst ihr darüber wissen | STEPHANE MAHE via Getty Images
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  • Am Sonntag und am 18. Juni wählen die Franzosen eine neue Nationalversammlung
  • Die Wahl könnte das politische System umpflügen - denn Präsident Macron steht vor einem historischen Sieg

Sie gelten als die erste große Herausforderung für Emmanuel Macron. Gut einen Monat ist der Franzose nun Präsident - und muss sich erneut den Wählern stellen.

Am Sonntag stimmen die Franzosen über eine neue Nationalversammlung ab. Und wie Umfragen voraussagen, kann Macron auf einen historischen Sieg hoffen.

Hier die wichtigsten Fragen zur Wahl in Frankreich:

Was sagen die Umfragen?

Umfragen sahen Macrons Partei “La République en Marche!” und ihre Verbündeten zuletzt bei rund 29 Prozent. Wegen des Mehrheitswahlrechts könnte das Macron-Lager letztlich aber die Marke von 400 der 577 Abgeordnetenmandate knacken.

Die Parlamentswahl verläuft wie die Wahl des Präsidenten in zwei Wahlgängen. Über die Abgeordneten wird in 577 Wahlkreisen abgestimmt.

Erhält ein Kandidat mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen und mindestens ein Viertel der Stimmen der eingeschriebenen Wähler, ist er gewählt.

Im zweiten Wahlgang am nächsten Sonntag tritt an, wer im ersten Wahlgang mindestens 12,5 Prozent der Stimmen der eingeschriebenen Wähler erhielt. Hier reicht dann die einfache Mehrheit aus, um zu gewinnen.

Die konservativen Republikaner stehen in Umfragen derzeit bei 23 Prozent, dahinter folgt der Front National mit 17 Prozent, die linke Partei France Insoumise mit 11 Prozent und abgeschlagen auf dem fünften Rang liegen die Sozialisten mit 9 Prozent.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Opinionway könnte Macron dann im zweiten Wahlgang auf 370 bis 400 Sitze hoffen. Die Republikaner werden auf 120 bis 150 Sitze geschätzt, der Front National auf 8 bis 18 Sitze, die Sozialisten auf 15 bis 25 Sitze und France Insoumise auf 12 bis 22 Sitze.

umfrage

Macron könnte ein historisches Ergebnis erreichen. Zuletzt erhielt Charles de Gaulle 1968 mit 358 von 487 Sitzen eine solch deutliche Mehrheit.

Was würde ein solches Ergebnis für Frankreich bedeuten?

Die Wahl wird das politische System wohl vollständig umpflügen.

Die bislang die Nationalversammlung dominierenden Sozialisten von Macrons Amtsvorgänger François Hollande müssen sich auf einen dramatischen Absturz einstellen.

Auch die Republikaner stehen unter Druck. Über ein halbes Jahrhundert hinweg hatten Sozialisten und bürgerliche Rechte die Geschicke des Landes bestimmt.

Nun stiehlt ihnen der junge Aufsteiger Macron die Show. Seine Partei ist bisher überhaupt noch nicht in der Volksvertretung präsent. Macron hatte En Marche! erst vor rund einem Jahr gegründet.

Für die Wahl musste der Parteichef eine Liste an Kandidaten zusammenstellen. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen hatte er versprochen, bei der Mehrheit der Kandidaten werde es sich um Quereinsteiger in die Politik handeln.

Im Mai stellte Generalsekretär Richard Ferrand dann eine Liste mit 428 Kandidaten vor. 52 Prozent davon hätten tatsächlich noch nie ein politisches Amt ausgeübt, sagte er damals.

Die französische Politik wird also wohl einige neue Gesichter bekommen.

Warum braucht Macron eine deutliche Mehrheit?

Mit einer absoluten Mehrheit in der Nationalversammlung hätte Macron großen Spielraum für seine Gesetzespläne, um Frankreichs Wirtschaft in Schwung zu bringen.

Als Präsidentschaftskandidat hatte er weitreichende Reformen angekündigt. So möchte er das Arbeitsrecht lockern. Seinen Plänen zufolge sollen Unternehmen mehr Befugnisse haben, Lohn und Arbeitszeit selbst festzulegen.

Außerdem wären da noch seine Reformpläne für die Europäische Union. Mit einer deutlichen Mehrheit in der Nationalversammlung könnte Macron auch gestärkt in die Verhandlungen mit den anderen europäischen Mitgliedsstaaten gehen.

Was könnte ihn noch aufhalten?

Es scheint, dass Macrons Siegeszug nicht aufzuhalten ist.

Nicht einmal die Vorwürfe gegen Macrons Wohnungsbauminister Richard Ferrand haben dem Lager des Präsidenten bislang wirklich geschadet. Der Macron-Vertraute soll in seiner Zeit als Geschäftsführer einer Krankenversicherung bei einem Immobiliengeschäft seine Lebensgefährtin bevorzugt haben. Bislang gibt es lediglich Vorermittlungen.

Trotzdem ist die Sache pikant, weil Macron es sich auf die Fahne geschrieben hat, anrüchigem Verhalten im öffentlichen Leben ein Ende zu setzen. Eine Reaktion auf die Verwandtenaffäre um den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon.

Nun ist er also selbst betroffen. Zuletzt galt die Aufmerksamkeit der Medien allerdings eher seinen Auftritten auf der internationalen Bühne. Bei Treffen mit anderen Staatschef konnte Macron die Beobachter überzeugen. Ob beim Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin, als er die Propaganda der russischen Staatsmedien geißelte.

Oder mit seinen Kontern auf US-Präsident Donald Trump. Als der den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen ankündigte, antwortete Macron mit einer TV-Ansprache. Darin dichtete er den berüchtigten Slogan Donald Trumps "Make America Great Again" in “Make our Planet Great Again” um. Ein Renner im Internet.

In der Woche zwischen beiden Wahlgängen wird sich Macron aber wohl auf einige Attacken seiner politischen Gegner einstellen müssen.

Mit Material der dpa

(jazi)

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